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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2012 um 10:50 UhrKommentare

Umbau des Rüsthauses mit Folgen: Kripo ermittelt

Um die FF Picheldorf, Gemeinde Oberaich, ranken sich wilde Gerüchte. Es gibt Unstimmigkeiten in der Kasse, der Kommandant ist zurückgetreten, die Kriminalpolizei ermittelt. Grund dafür sind finanzielle Unregelmäßigkeiten.

Der Rüsthausumbau befeuerte die Gerüchteküche

Foto © Pototschnig Der Rüsthausumbau befeuerte die Gerüchteküche

Bei "Feuerwehrkommandant" steht auf der Homepage der FF Picheldorf "Zur Zeit nicht besetzt". Der Kommandant ist bereits vor etwa einem Monat zurückgetreten, nachdem ihm das Vertrauen der Kameraden entzogen wurde. Grund dafür sind finanzielle Unregelmäßigkeiten - und hier setzen die Gerüchte an: Von 70.000 Euro Schaden war die Rede, manche wissen den Ex-Kommandanten sogar schon auf der Flucht, und auch die Gemeinde soll um 30.000 Euro geprellt worden sein.

Die bisherigen Fakten sind nicht so dramatisch wie die Gerüchte. Der Kommandant habe allerdings sehr viel an der Feuerwehrkassa vorbei auf eigene Faust organisiert und bestellt, heißt es. "Es gibt eine Menge Forderungen für Dinge, von denen niemand von uns etwas gewusst hat", sagt ein Picheldorfer Feuerwehrmann, der nicht genannt werden will.

Vor allem der Rüsthausumbau der letzten drei Jahre kostete netto um die 160.000 Euro. Im Ort munkelt man von 70.000 Euro Kostenüberschreitung, der Oberaicher Bürgermeister Gerhard Weber hingegen spricht von 10.000 Euro, "aber auch das sind noch Vermutungen, die Kriminalpolizei ist dabei, diese Dinge im Detail zu prüfen".

Zusätzliche Ausgaben

Dazu kommen noch andere Ausgaben. So hat der Ex-Kommandant 2007 eine Feuerwehr im Kosovo gegründet und mit Fahrzeugen und Material aus dem ganzen Mürztal unterstützt. Auch von diesen "Ausflügen" sei man auf Rechnungen gestoßen. Und dass er sich auf Kosten der Feuerwehr eine maßgeschneiderte Uniform anfertigen habe lassen, ärgert so manchen Kameraden. Dazu kommt die aufwendige Restaurierung eines Marterls. Dass man in der Wehr so lange zugesehen hat, verstehen manche selber nicht: "Er hatte für alle Fehlbeträge eine Begründung. Einmal blieben Förderungen aus, dann war wieder ein Sponsor abgesprungen, was hätten wir denn tun sollen, mitten im Rüsthausumbau?"

Zumindest was die Marktgemeinde Oberaich betrifft, gibt Bürgermeister Weber Entwarnung: Tatsächlich seien es um die 10.000 Euro gewesen, die er von der FF Picheldorf zu bekommen hatte: "Bei der Subvention des Landes für den Rüsthausumbau, die über uns geflossen ist, haben wir diese Summe einbehalten, für uns ist das also erledigt. Mich ärgern diese Gerüchte maßlos, niemand weiß etwas, und täglich wird das mehr aufgebauscht."

Dabei bestreitet niemand, dass der Kommandant tüchtig war, die Wehr vorangebracht und in der Jugendarbeit viel geleistet hat. Auch auf Bezirks- und Landesebene war er mit viel Ehrgeiz bei der Sache. Gerade dieser Ehrgeiz, eine vorbildliche Wehr zu kommandieren, sei laut Insidern die Ursache für die missliche Lage. So hat etwa die FF Picheldorf einen teuren Katastrophenhilfsdienst-Anhänger in ihrem Besitz, den sie gar nicht bräuchte. Und trotz des unbewältigten Rüsthausumbaus kaufte der Ex-Kommandant heuer noch ein 30.000 Euro teures Fahrzeug an - angeblich im Alleingang - , das ebenfalls noch zu bezahlen ist.

Bei der Außenstelle Niklasdorf des Landeskriminalamtes sitzt man vor einem Berg von Belegen: "Die Geldflüsse sind schwer zu rekonstruieren, weil die Unterlagen sehr lückenhaft sind", sagt dazu ein Beamter. Und weiter: "Es wurden finanzielle Löcher gestopft, indem man anderswo welche aufmachte." Die Kriminalisten interessiert dabei vor allem eines: Was ist Schlamperei und Misswirtschaft - und was liegt an strafbaren Handlungen vor? Dass der Kommandant in vielen Fällen eigenmächtig gehandelt hat, liegt auf der Hand, aber hat er sich auch persönlich bereichert? Parallel muss die Feuerwehr aus ihren Unterlagen rekonstruieren, für welche Ausgaben ein Gegenwert vorhanden ist und für welche nicht. Die Öffnung von Konten soll helfen, Licht ins Dunkel bringen.

Unschuldsvermutung

Für den Ex-Kommandanten gilt die Unschuldsvermutung, er selbst sieht sich als Opfer: "Es ist leicht, einem Einzelnen die Schuld zuzuweisen, und es ist ungeheuerlich, was mir da alles vorgeworfen wird. Dabei haben wir gemeinsam beschlossen, Stützpunktfeuerwehr zu werden und das Rüsthaus auszubauen." Dass er zu viel im Alleingang gemacht hat, gibt er zu, "aber nie für mich selber, im Gegenteil, ich habe immer wieder aus der eigenen Tasche dazugezahlt!"

FRANZ POTOTSCHNIG

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