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    Zuletzt aktualisiert: 10.10.2012 um 10:56 UhrKommentare

    Eifrige Kämpfer für ein selbstbestimmtes Arbeitsleben

    Die "Selbstvertreter" der Lebenshilfe Bruck-Kapfenberg sind die Ombudsleute der Klienten. Wie diese haben auch sie eine Behinderung - und kennen daher die Sorgen ihrer Kollegen.

    Der Kontakt zur Politik, hier zu Siegfried Schrittwieser, ist wichtig

    Foto © KK/LebenshilfeDer Kontakt zur Politik, hier zu Siegfried Schrittwieser, ist wichtig

    Christian Ebner ist einer der Selbstvertreter der Lebenshilfe Bruck-Kapfenberg. Er fungiert damit quasi als "Betriebsrat" und vertritt mit anderen Kollegen die Interessen der Lebenshilfe-Klienten. Probleme, Wünsche, Anregungen, aber auch Forderungen: Das Team der Selbstvertreter trägt nach außen, wo der Schuh drückt, und spricht für jene, die das selbst nicht können.

    Ein großes Anliegen der Selbstvertreter ist das Problem Arbeit. Viele Lebenshilfe-Klienten haben Teilqualifizierungslehren absolviert und sind von ihren Fähigkeiten her geeignet zu arbeiten. "Aber es gibt keine Jobs in der Wirtschaft", erklärt Karin Prethaler, Geschäftsführerin der Lebenshilfe des Bezirks Bruck. Der große wirtschaftliche Druck, der auf Unternehmen lastet, und Vorbehalte verschiedenster Art sind die Ursachen. "Ich gebe aber auch meine 100 Prozent", sagt Christian Ebner dazu. "Wenn die Leute dich dann sehen, wie du arbeitest, sehen sie dich nicht mehr als Behinderten."

    Ebner, der eine Lernschwäche hat, arbeitet jetzt im Kapfenberger IZK-Cafe der Lebenshilfe, er macht eine Teilqualifizierungslehre als Koch und Kellner über das Behindertengesetz. Aus dem will Ebner raus. "Ich will keine Beihilfen beziehen, ich will dieses Geld selber verdienen", sagt er fest entschlossen.

    Dritter Arbeitsmarkt

    Wie ihm geht es vielen anderen Klienten der Lebenshilfe, aber es fehlt an Jobs. Deshalb ist es eine Forderung der Lebenshilfe, einen sogenannten "dritten Arbeitsmarkt" zu schaffen. Das sollen Arbeitsplätze außerhalb der Behinderteneinrichtungen in der Wirtschaft sein, die Platz für Menschen mit Handicap bieten. "Jeder, der das Behindertengesetz verlässt, wird vom Beihilfenempfänger zum Steuerzahler", sagt Prethaler. Und das wiederum entlastet das gesamte Sozialsystem. Prethaler: "Das fängt schon bei der Krankenversicherung an. Christian ist jetzt mitversichert. Wenn er einen Job hat, dann ist er auch ein zusätzlicher Beitragszahler." Die Ideen für die Einrichtung dieses dritten Arbeitsmarkts gibt es schon lange. "Aber es geht in dieser Richtung nichts weiter", kritisiert Prethaler.

    Die Selbstvertreter gehen mit ihren Anliegen natürlich auch in Richtung Politik. Erst kürzlich traf sich Siegfried Schrittwieser, Landeshauptmannstellvertreter und als Landesrat zuständig für den Bereich Soziales und Arbeit, zu einem Gespräch mit dem Team in Kapfenberg.

    Was den Selbstvertretern auch noch wichtig ist: Sie werden zwar nach Kräften von der Lebenshilfe unterstützt, in Bruck ist dabei Doris Rapp ihre Ansprechpartnerin. Aber sie arbeiten völlig unabhängig. "Die Selbstvertreter sind ein unabhängiges Gremium", erklärt Karin Prethaler.

    MICHAELA AUER

    FAKTEN

    Die Arbeit der Selbstvertreter funktioniert wie in einem Betriebsrat. Das Team sammelt die Wünsche der Kolleginnen und Kollegen und deponiert sie an den richtigen Stellen. Es gibt regelmäßige Treffen und Sitzungen.

    Die Deponierung der Anliegen passiert entweder intern, etwa bei der Geschäftsführung, oder auch nach außen, je nachdem, um welche Themen es sich handelt.

    Der Bezirk Bruck war vor neun Jahren Vorreiter bei der Installation der Selbstvertreter.

    Seit fünf Jahren gibt es den Selbstvertreterbeiratder Lebenshilfe Österreich. In jedem Bundesland finden die Anliegen der Klienten auf diese Weise Gehör in Richtung Bevölkerung, Politik und Wirtschaft.

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