Weil die Milch nichts zum Verschleudern ist
Auf der Schneealm im Bezirk Mürzzuschlag baut Biobauer Martin Bayer seine Lurgbauerhütte um und errichtet auf 1764 Metern eine Käserei. Das ist einzigartig in einer derartigen Höhenlage.

Foto © AuerDie Bayers beweisen, was Familienzusammenhalt ist. Sie arbeiten auf Hochtouren, denn der Herbst naht
Vor kurzer Zeit stand noch der Bagger, wo jetzt der Schweinsbraten im Tischherd brutzelt. Familie Bayer vulgo Lurgbauer hat ein Arbeitsprogramm, das seinesgleichen sucht. Auf 1764 Metern Höhe baut Bayer seine Lurgbauer-Hütte um und macht auch gleich noch eine Käserei dazu. "Weil mir der Milchpreis schon seit Jahren gegen den Strich geht", begründet der Bauer das. "Und wir wollen hier einen Platz der Ruhe schaffen, wo der Mensch wieder zu sich selbst findet", wird Bayer im Gespräch später noch dazufügen.
Bayer, der in Altenberg einen zertifizierten Biobauernhof führt, wird die Milch seiner 14 Kühe nun nur mehr für seinen eigenen Käse verwenden. Und zwar für typischen Almkäse. "Schnitt- und Hartkäse", erklärt Josef "Joe" Gintersdorfer. Der hat schon in der Schweiz und in Vorarlberg Käse gemacht. "Auf sehr urige Art und Weise." Und das wird er nun auch auf der Lurgbauerhütte tun.
Das Drumherum passt optimal. Die Kühe bekommen nur, was auf der Alm wächst. "Gras und Blumen", weiß Bayers zehnjährige Tochter Julia. Dieses Wochenende wurde mit dem Käsen begonnen, ein paar Tage zuvor wurden die Kühe aufgetrieben. Denn es muss gestartet werden, die Zeit ist knapp. Schon im Oktober kann es schneien. Die Käserei wird auch eine Schaukäserei, die Gäste können zusehen, wie Käse gemacht wird und auch selbst Hand anlegen.
Schritt nach vor
"Umbauen, oder abreißen", diese Alternativen habe er für seine Hütte gehabt, sagt Bayer. Er hat sich für Ersteres entschieden und 400.000 Euro investiert. Die Lurgbauer Hütte mit ihren 35 Sitzplätzen und 50 Schlafplätzen hat lange Tradition, seit 1934 schenkt die Familie aus. Jetzt auch, aber eingeschränkt wegen des Umbaus. "Oida, hoit durch", so Joe Gintersdorfer, sei deshalb jetzt das Motto während der Bauarbeiten. Es wird gerackert, was das Zeug hält. Die Bauarbeiter, die Familie, alle sind auf der Alm einquartiert. Bayers Frau Sabine hält ebenso die Stellung wie der kleine Sebastian (4) und Opa Karl. Die Wirtschaft unten im Tal, die schupft Bayers Mutter. Auch im Tal soll eine Käserei entstehen, für den Winterbetrieb.
Vom kleinsten Schrauben bis zum Bagger, alles muss vom Tal hinaufgeschafft werden. "Es regnet, es schneit, es hat vier Grad und du stehst draußen", beschreibt Gintersdorfer die oft schwierigen Bedingungen. Bayer: "Oft gibt's Tage, wo nichts funktioniert". Glücklicherweise gibt's dann dieses "Oida, hoit durch".













