Schlackenanlage spürt Gegenwind
Eine Recyclinganlage für Edelstahlschlacke sorgt für Unmut in Mitterdorf. Bei einer Bürgerversammlung prallten die Ansichten aufeinander, aber die Anlage wird kaum zu verhindern sein.

Foto © PototschnigRund 100 Besucher kamen zur Bürgerversammlung in die Hauptschule Mitterdorf
Etwa 100 Bewohner von Mitterdorf und einige aus dem benachbarten Krieglach fanden sich am Mittwochabend zu einer Bürgerversammlung in der Hauptschule Mitterdorf ein. Es ging um die Aufbereitungsanlage für Schlacke, die von der Firma Harsco für die Edelstahlwerke Böhler Kapfenberg und Breitenfeld errichtet werden soll.
Einleitend präsentierte Projektleiter Manuel Leitner die Anlage: Bis zu 195.000 Tonnen Schlacke können unweit der S 6-Abfahrt Mitterdorf gebrochen und das enthaltene Metall von der Schlacke getrennt werden. "Das passiert rein mechanisch und ohne jegliche chemische Zusatzstoffe", so Leitner, der die technischen Abläufe und die Schutzmaßnahmen gegen Staub und Lärm eingehend schilderte: Schutzwall, Lärmschutzwand, ständige Befeuchtung des Materials, Reifenwaschanlage für die Lkw und anderes.
Nicht überzeugt
Aber so recht glauben wollen es die Mitterdorfer nicht: Was ist mit dem Grundwasser? Wie sieht es mit der Belastung mit Blei und Cadmium aus? Welche Möglichkeiten haben wir, wenn es nicht so kommt, wie Sie das schildern? Was passiert mit dem großen Mengen an Schlacke, die nach der Aufbereitung übrig bleiben? Was ist, wenn der Hang hinter der Anlage zu rutschen beginnt? Die Menschen hatten eine Menge Fragen an die Harsco-Leute.
Diese konnten so manchen Vorwurf entkräften - auch mithilfe des Moderators, des Umweltsachverständigen Walter Scharf. Die Sorgen konnten sie trotzdem nicht ausräumen, vor allem nicht bei denen, die nahe der Anlage wohnen.
Dass man die Anlage ausgerechnet für 195.000 Jahrestonnen ausgelegt hat, schürt das Misstrauen: "Bei 200.000 wäre eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig, so aber reicht eine Bewilligung nach dem Abfallwirtschaftsgesetz. Warum macht man das?" Martin Eisenberger, der Anwalt der Firma: "Weil für diese Art von Anlage das Abfallwirtschaftsgesetz zuständig ist." Und der Moderator fügte hinzu, dass der Bewertung von Umwelt und Sicherheit ohnehin kein Unterschied bestehe.
Ärger erregte auch, dass man Einwände gegen die Anlage spätestens bei der Verhandlung einbringen hätte müssen - die fand aber schon am 18. Juni statt. Wenn die noch ausstehenden Gutachten keine Einwände gegen die Anlage enthalten, wird sie auf dem Rechtsweg kaum noch zu verhindern sein.
"Warum sind wir überhaupt da? Warum gab es diese Information nicht schon früher?", wurde eingewendet. Bürgermeister Walter Berger, der die Bürgerversammlung einberufen hatte: "Ich kann einem Bürger nicht von vornherein verwehren, sein Grundstück zu verwerten."
Nach zwei Stunden ging man auseinander. Der Ärger mancher Teilnehmer war spürbar, ihre Haltung gegenüber der Anlage hatte sich nicht geändert.














