Die Steiermark versinkt in Regen und Schlamm
Ein Toter, mehrere Verletzte, Hunderte Häuser unter Wasser, Hunderte Evakuierte und ganze Orte von Muren eingeschlossen, teils zerstört: Der Katastrophensommer nimmt kein Ende, jetzt rückt das Bundesheer zur Hilfe an.

Foto © BH Liezen/APAEine Schlammlawine verwüstete St. Lorenzen bei Trieben
Von "apokalyptischen Zuständen", von einer "Schlammwalze, die eine Spur der Verwüstung durch die Obersteiermark zieht", sprachen am Samstag die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Bundesheer und Polizei. "Es ist eine unermesslich zerstörerische Naturgewalt, deren Dimension jenseits der rationellen Vorstellungskraft liegt", betont Feuerwehr-Pressesprecher Thomas Meier. "Die Muren sind an die 200 Meter bereit", berichtet Feuerwehrkommandant Simon Poier aus Pusterwald. Es sind unvorstellbare Szenen, die sich seit Freitagabend, als die angekündigten Unwetter mit voller Wucht hereinbrachen, in weiten Teilen der Steiermark abspielen.
In den Bezirken Liezen, Murtal, Mürzzuschlag, Bruck und Leoben musste in vielen Gemeinden Katastrophenalarm ausgelöst werden. Ganze Ortschaften standen unter Wasser, Keller und Straßen wurden überflutet, die Landesstraße nach Seckau in Kobenz durch gleich 200 umgerissene Bäume blockiert. Zusätzlich brach auch noch ein Waldbrand aus. Doch kaum hatten die Feuerwehrmänner - bis Samstagabend standen bereits mehr als 1200 im Katastropheneinsatz, wurde bereits Verstärkung aus der Oststeiermark herangeholt - die Überflutungen im Griff, brach die nächste Welle über sie herein. Rundherum gingen riesige Muren ab, da das Erdreich kein Wasser mehr aufnehmen kann.
Von Mure getötet
In Thörl wurde ein 47-jähriger Mann, der nach seiner Mutter schauen wollte, von einer Mure verschüttet und getötet. Im Fuchsgraben bei Pusterwald musste die Feuerwehr mit Baggern eine Notstraße errichten, um eingeschlossene Urlauber von zwei Hütten zu retten.
Um 5 Uhr früh brach dann eine meterhohe Schlamm- und Gerölllawine über St. Lorenzen bei Trieben herein, die den 300 Bewohnern nichts als Zerstörung hinterließ. Häuser und Autos wurden von den Schlammmassen mitgerissen. Der Ort war stundenlang nur per Hubschrauber erreichbar, viele Bewohner mussten ausgeflogen werden. Einige hatten Verletzungen und einen Schock erlitten.
Noch am Samstag rückten 160 Soldaten nach St. Lorenzen aus, ein Pionierzug soll im Raum Trieben Schnellbrücken errichten.
Am Samstagnachmittag musste dann auch Schwarzenbach bei Trieben, wie erst jüngst beim Unwetter im Juni, evakuiert werden. An die 200 Bewohner waren betroffen, auch in Kleinsölk waren am Abend 35 Bewohner von der Umwelt abgeschnitten.
Flusspegel steigen
Die Pegel von Enns und Mur stiegen unaufhaltsam an, erreichten gefährliche Höchststände. "Für Graz ist am Sonntag ein 30-jährliches Hochwasser-Ereignis zu erwarten", so der hydrografische Dienst. Die Brucker Schnellstraße musste ab Mixnitz wegen Überflutungen gesperrt werden, auch Nebenstraßen standen unter Wasser. Geräumt wurde vorsorglich auch die Grazer Murinsel, am Abend gab es dann Sperren für die Hauptbrücke und die Unterführungen Keplerstraße, Marburgerkai und Berta von Suttner-Brücke in Graz. Für Sonntag wird mit einem Pegelstand von bis zu sieben Metern gerechnet, 1000 Kubikmeter Wasser werden dann pro Minute in Richtung Süden fließen."Die Steiermark hat heuer viel Pech, sie ist ein Unwetter-Hotspot", so Hannes Rieder von der Zamg. In Rottenmann brachte ein Guss in den letzten Stunden 96 Liter Regen pro Quadratmeter.
Lebensnerv getroffen
"Diese Katastrophe ist nicht einmal mit den Stürmen Paula und Emma zu vergleichen", betont Landesrat Hans Seitinger (Lebensressort). "Diese Unwetter haben die Menschen direkt am Lebensnerv getroffen. So viel wurde zerstört, die Leute haben alles verloren."
Features
Spendenaufruf
Die verheerenden Murenabgänge in der Obersteiermark bedrohen die Existenz vieler Menschen. Unter dem Motto "Unsere Gemeinden – unsere Hilfe" bittet die Volkshilfe um Spenden: BAWAG/PSK BLZ 14000 Kontonummer: 86210 064 984



















