Produktionsschulen: Politik rühmt hohe Vermittlungsquote
Landeshauptmann Stellvertreter Schrittwieser spricht bei den Produktionsschulen von "hohem Erfolg bei Menschen, die schon einmal ausgestiegen sind". Das aus Dänemark importierte Modell vereint Arbeit mit Fachunterricht.

Foto © KLZ / KanizajSiegfried Schrittwieser
Der steirische Soziallandesrat und LHStv. Siegfried Schrittwieser (S) hat die vier steirischen Produktionsschulen (PS), in denen seit Februar 2010 Jugendliche auf den Arbeitsmarkt vorbereitet werden, am Dienstag als "ausgesprochenes Positivprojekt" bezeichnet. "Unser Baby ist erwachsen geworden und arbeitet selbstständig", so Schrittwieser bei einer Zweijahresbilanz der PS, in Graz gemeinsam mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S). 433 Personen zwischen 15 und 25 Jahren sind seit Februar 2010 durch die Schulen gegangen, die Erfolgsquote zur Erlangung eines Jobs oder weiterer Ausbildungsstellen liege bei bis zu 50 Prozent - "bei Menschen, die schon einmal aus allem ausgestiegen sind".
Das aus Dänemark importierte Modell der Produktionsschule - eine Bildungseinrichtung für Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren ohne Berufsaussichten - vereint praktische Arbeit mit begleitendem Fachunterricht in verschiedenen Berufssparten, vor allem Holz/Metall, Textil/Design, Büro/Handel, Gastronomie und Dienstleistungen wie etwa Fahrradreparatur. Im obersteirischen Kapfenberg etwa sei die Schulung junger Menschen zu Fahrradmechanikern gerade rechtzeitig und sogar dem Bedarf entsprechend erfolgt: Der Inhaber des einzigen Radreparaturgeschäfts in der Stadt war in Pension gegangen, seither rennt man dem Laden der jungen Leute die Türe ein.
Österreichweit erfolgreich
Das Projekt ist aber auch österreichweit erfolgreich, so Sozialminister Hundstorfer: "Maßnahmen wie diese sorgen mit dafür, dass Österreich europaweit die geringste Arbeitslosenrate aufweist, auch im Bezug auf die Jugendarbeitslosigkeit." Man erwarte künftig zwar weniger Kandidaten für Produktionsschulen, "aber die Probleme werden nicht geringer", so der Minister. Deshalb werde das Angebot noch verbreitert. Man habe einen Ausbildungsgang der PS 2010 in Form einer Studie begleitet, so der Minister. Dabei habe man festgestellt, dass von österreichweit 1.900 Teilnehmern 33 Prozent sofort vom ersten Arbeitsmarkt übernommen wurden. 16 Prozent waren in einer geförderten Beschäftigung, 36 Prozent in einer Schule oder weiteren Qualifizierung. 15 Prozent bleiben weiter arbeitslos, sagte Hundstorfer, "da haben wir nichts zusammengebracht".
Laut Schrittwieser gingen im Zeitraum Februar 2010 bis Juni 2012 exakt 433 Personen durch die vier steirischen PS. Bei Jugend am Werk (JAW) waren es 160, beim Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ/FAB) 273. Der Anteil an Migranten dabei lag bei 37 bzw. 55 Prozent, der Anteil an Frauen bei 44 bzw. 45 Prozent. 28 bzw. 38 Prozent hatten unmittelbar nach Abschluss der steirischen Produktionsschulen einen Job erlangt bzw. eine Lehre oder Qualifizierung begonnen oder abgeschlossen. Jugend am Werk betreibt Niederlassungen in Deutschlandsberg und Leoben, das BBRZ in Graz und Kapfenberg.
2 Millionen
An finanziellen Mittel stünden pro Jahr rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Bei einer Realisierung einer fünften Produktionsschule in der Steiermark - Bedarf und Standort würden noch erhoben, so Schrittwieser - werde das Land die Mittel zur Verfügung stellen. Auf die Frage nach den Kosten erklärte Hundstorfer, man rechne mit rund 500.000 Euro an Landesbeitrag pro Jahr pro Produktionsschule.
Ohne die Mitwirkungen der Wirtschaftstreibenden ginge nichts, waren sich Minister und Landesrat einig. Laut Laut dem BBRZ-Regionalleiter Süd, Andreas Schröck, seien es oft die kleinsten und Kleinunternehmen, die hier die Jugendlichen übernehmen würden: "Da kann man offenbar auch schneller abchecken, ob die Chemie stimmt". Regionale Gegebenheiten würden eingebunden: "In Villach haben im Bereich Holz ausgebildete Jugendliche bei einem Bootsbauer gearbeitet", so FAB-Geschäftsführer Manfred Polzer. Laut Walerich Berger - Geschäftsführer von JAW Steiermark - seien die PS auch sehr erfolgreich beim Thema Integration. Eine der Arbeitgeberinnen ist Birgit Sommer vom Grazer Restaurant "Steirerstub'n", die einen 18-jährigen bulgarischstämmigen Grazer anstellte: "Man hat gespürt, er will es". Aus einem Bauchgefühl heraus habe sie dann entschieden: "Den nehmen wir" - obwohl eigentlich gar kein Bedarf bestanden habe.














