Kleinkind war im 52 Grad heißen Auto eingesperrt
Eine Passantin holte die Polizei, die ein Fenster einschlug und den 22 Monate alten Buben befreite. Die Eltern waren inzwischen bei Bekannten auf Besuch. Sie verweigerten die Einlieferung ins Spital.

Foto © Gernot EderKinder überhitzen sich viel leichter als Erwachsene
Es war eine Passantin, die von einem nahen Gasthaus aus das Weinen und Schreien des Kindes hörte und keine Sekunde lang zögerte. Die Frau alarmierte sofort die Polizei.
Das Weinen und Schreien kam nämlich aus einem Audi mit Wiener Kennzeichen, der am Sonntagnachmittag (wir berichteten) in der Grazerstraße in Kapfenberg geparkt war. Bei sengender Hitze - in Kapfenberg herrschten zu diesem Zeitpunkt 28 Grad - hatten die Fahrzeugbesitzer ihr Kind im Wagen zurückgelassen.
Der 22 Monate alte Farzad dürfte im Kindersitz geschlafen haben, als die Eltern mit ihm in Kapfenberg eintrafen. "Die Mutter wollte Bekannte besuchen, der Vater ging inzwischen spazieren - und beide glaubten, der jeweils andere kümmere sich um den Buben", berichtet ein Beamter der Polizei Kapfenberg. Das erklärten die beiden Wiener später bei ihrer Einvernahme durch die Polizei. Während ihrer mehr als einstündigen Abwesenheit hatte sich die Temperatur im geparkten Audi auf 52 Grad erhöht - und Farzad war der Hitze hilflos ausgeliefert, alle Fenster des Wagens waren fest verschlossen.
Die Polizeibeamten, von der aufmerksamen Passantin alarmiert, schlugen eine Seitenscheibe ein, holten das schreiende Kleinkind aus dem Fahrzeug und gaben ihm sofort Wasser zu trinken. "Sie haben vorbildlich gehandelt", so Peter Schober, der Leiter der Intensivstation an der Kinderchirurgie Graz.
Wenig später war auch schon der Notarzt beim kleinen Buben. Farzad war stark überhitzt, er zeigte bereits Anzeichen von Dehydration. Da jedoch "keine akute Gefahr" mehr bestand, ließen die Eltern, die während des Rettungseinsatzes wieder beim Fahrzeug eintrafen, ihren Buben nicht mit der Rettung ins Spital bringen. Das 22 Monate alte Kind war zwar durch den Notarzt erstversorgt worden, eine weitere Behandlung lehnten die Eltern aber ab. Sie unterschrieben einen Revers und fuhren mit dem Buben nach Hause.
"Das war keine besonders vernünftige Aktion", betont Peter Schober. "Es können nämlich auch später noch Komplikationen auftreten." Konsequenzen hat der Vorfall für das Wiener Elternpaar sicher: Sie wurden wegen Vernachlässigung zur Anzeige gebracht. Erst in der Vorwoche war übrigens in Braunau (OÖ) eine Einjährige von Passanten aus einem in der Sonne geparkten Auto gerettet worden.













