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Zuletzt aktualisiert: 22.06.2012 um 00:44 UhrKommentare

Teile von Trieben evakuiert

Schwere Unwetter haben am Donnerstag abermals die Obersteiermark getroffen. In Trieben mussten 330 Menschen wegen drohender Dammbrüche in Sicherheit gebracht werden. In Kapfenberg retteten Feuerwehrtaucher zwei Personen aus einem überfluteten Keller.

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Die Lage im obersteirische Trieben hat sich nach schweren Unwettern Donnerstagabend weiter zugespitzt: Wie die Landeswarnzentrale mitteilte, mussten 330 Menschen in Schwarzenbach und Trieben evakuiert werden. Dies sei deshalb notwendig worden, weil Dämme und Verklausungen in den Bächen im Bereich Hohentauern zu brechen drohen. Die Personen wurden im Freizeitzentrum von Trieben untergebracht. Gegen 23.00 hieß es vom eigens eingerichteten Einsatzstab, die Lage habe sich stabilisiert.

Neben Treglwang und Trieben war auch Hohentauern (Bezirk Murtal) schwer betroffen: Seit 20.45 Uhr ist der Ort ohne Strom, Autos waren weggeschwemmt worden. Nachdem bereits in den Gemeinden Trieben, Treglwang und Gaishorn (Bezirk Liezen) Katastrophenalarm ausgelöst worden war, erfolgte dies auch für Teile der Bezirke Leoben und Murtal.

Starke Unwetter

Großflächige Überschwemmungen und Schlammlawinen mitten in Treglwang, Keller wurden überflutet, Straßen unterspült. In der kleinen Gemeinde im Paltental wütete das Unwetter am Donnerstagabend besonders stark. Um 17.40 Uhr rief der Liezener Bezirkshauptmann Josef Dick für Treglwang, Trieben und Gaishorn am See Katastrophenalarm aus. Da waren bereits 21 Feuerwehren wegen 17 Schadenslagen im Einsatz, meldete Thomas Meier, Pressesprecher des Landesfeuerwehrverbandes. Die Schleusen hatten sich auch über Hohentauern geöffnet, aus dem Lamingtal wurden ebenso Überschwemmungen gemeldet. Wie das Landespolizeikommando am Donnerstagabend bekannt gab, musste die A 9 im Bereich Gaishorn in Fahrtrichtung Graz nach einem Murenabgang gesperrt werden. Laut Polizei war es im Gefolge des Murenabgangs auf der A 9 zu einem Auffahrunfall mit zwei Verletzten gekommen. Außerdem ist die Tauernstraße B 114 von Trieben nach Judenburg für den gesamten Verkehr gesperrt. Etwa 100 Menschen sind dadurch von der Umwelt abgeschnitten. In den Ortschaften Schwarzenbach und Trieben mussten rund 330 Menschen evakuiert werden.

Taucher retteten zwei Personen aus Keller

Katastrophenalarm wurde auch im Bezirk Bruck an der Mur ausgelöst. Über das Lamingtal, Kapfenberg, Bruck und St.Marein gingen schwere Unwetter mit Hagelschlag nieder. Kleine Bäche wurden zu reißenden Flüssen und rissen einige Bäume mit. Es kam zu Verklausungen und Überschwemmungen. In Kapfenberg und Nachbarorten in der Mur-Mürzfurche mussten von den Feuerwehren acht eingeschlossene Personen aus überfluteten Kellern gerettet werden. In einem Fall kamen sogar Feuerwehrtaucher zum Einsatz, um zwei Eingeschlossene zu bergen. In diesem Raum waren 26 Feuerwehren mit 310 Mann mit Bergungs- und Sicherungsmaßnahmen beschäftigt.

7000 Blitze und Hagelkörner so groß wie Tischtennisbälle

"Bis zu 80 Liter pro Quadratmeter regnete es in der Nacht auf Donnerstag in Stanz und in Mürzzuschlag", bestätigt Albert Sudy von der Zamg. Und wenn dann noch die Engerln Kegel scheiben, ist es auch sehr laut. "7000 Blitze wurden in der ganzen Steiermark gezählt und im Mürztal, in Frohnleiten sowie in den Fischbacher Alpen waren die Hagelkörner tischtennisballgroß." Doch Sudy erklärt: "Das ist nicht ungewöhnlich und kann bei sommerlichen Hitzesituationen häufig vorkommen."

Und wie schaut es in den nächsten Tagen aus? "Der heutige Freitag ist noch bis Mittag anfällig für Regen und es kühlt ab - mit etwa 23 Grad im Norden und 27 im Süden." Auch Samstag und Sonntag verlaufen kühler. Sudy rechnet morgen mit Regenschauern im Oberland. Der Sonntag sollte durchwegs niederschlagsfrei sein. "Die Temperaturen steigen aber im Norden nicht über 20 Grad, im Süden werden es maximal 26 Grad sein. Am Sonntag sind westlich des Alpenhauptkamms Gewitter möglich."

Ein ähnliches Bild auch im Bezirk Leoben: Die Feuerwehr musste pausenlos wegen überfluteter Keller und Straßen ausrücken. In Kalwang bewahrte ein erst vor einer Woche fertiggestelltes Rückhaltebecken den Ort vor der Katastrophe. Und die Bahnstrecke über den Schoberpass war wegen Überflutungen und umgestürzter Bäume unterbrochen – wie schon am Sonntag, als eine Mure bei Trieben einen Zug hatte entgleisen lassen. Die Gewitter breiteten sich in der Folge auf südlichere Teile der Steiermark aus. Immer wieder hagelte es, zum Teil sogar stark.

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Foto © AUER

Foto vergrößernFamilie Dissauer aus Stanz konnte sich gerade noch vor den heranbrausenden Wassermassen retten, Keller und Garage wurden komplett überflutet Foto © AUER

Schwere Unwetter wüteten bereits Mittwochabend in der Steiermark. Vor allem im Mürztal ging es rund. Noch am Donnerstag wurden die Schäden beseitigt, etwa in Stanz. Feuerwehrkommandant Franz Weberhofer war seit 17 Stunden durchgehend im Einsatz, so wie ein Großteil der 400 eingesetzten Feuerwehrleute. Auch Christine Dissauer hatte keine Sekunde geschlafen. Am Donnerstagnachmittag warf sie den Inhalt ihres Kellers und der Garage auf einen Container. "Aber wir sind froh, dass wir noch leben“, erzählt Dissauer. "Es war lebensgefährlich.“ Gegen 22 Uhr war sie mit ihrem Mann zum nahen Stanzer Bach gegangen. "Weil er so laut war.“ Innerhalb von fünf Minuten war das Hochwasser da. "Ich weiß nicht einmal mehr, wie ich da noch zum Haus gekommen bin.“ Durch das noch offene Tor drang Wasser in Garage und Keller ein und spülte Holz, Schlamm und Steine mit.

200 Mal mussten die Feuerwehren im Bezirk Mürzzuschlag ausrücken, rund 20 Gebäude wurden zum Teil schwer in Mitleidenschaft gezogen, mehr als 90 Keller überflutet. In Stanz rissen die Wassermassen eine Brücke mit. Eine Mure machte die Schanzsattelstraße unpassierbar, der Ortsteil Possegg war vorerst nicht erreichbar. Die S 6 musste im Bereich Abfahrt Mürzzuschlag wegen einer Mure vorübergehend gesperrt werden. Gleich zwei Meter hoch unter Schlamm verschüttet wurde die B 24 zwischen Greith und Weichselboden. Zu Überschwemmungen kam es im Ortsteil Mooshuben in der Gemeinde Halltal. Allein im Mürztal beträgt der Unwetterschaden laut Polizei mehrere Hunderttausend Euro.

Pensionistin gerettet

Die Unwetter waren Mittwochabend auch über Salzburg, Niederösterreich und Oberösterreich gezogen. Besonders im Innviertel hatten Starkregen und Hagel für schwere Schäden gesorgt. Wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichten, konnte eine bettlägerige Frau (85) im letzten Augenblick gerettet werden. Ihr Mann (89) hatte mittels Lichtzeichen per Taschenlampe Alarm geschlagen. Als Polizei und Feuerwehr über ein Fenster ins Haus eindrangen, stand das Wasser eineinhalb Meter hoch.

MICHAELA AUER, RAINER BRINSKELLE, KATHARINA PILLMAYR, WILFRIED ROMBOLD

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