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Zuletzt aktualisiert: 11.05.2012 um 05:50 UhrKommentare

In den steirischen Wäldern ist der Bär los

Ein slowenischer Bär ist von Kärnten in die Steiermark gewandert und hinterlässt an vielen Stellen seine Spuren. Kommen die Bären von selbst zurück in unsere Wälder? Die Experten sind uneins.

Foto © APA

Jeden Tag prüft Hugo Kofler derzeit seine Fotofallen auf den beiden Wildbrücken an der S 35 südlich von Bruck. Da sind Bilder von Dachsen, Rehen und sogar Wildschweinen, die die Schnellstraße überqueren. Nur Bären hat die Kamera in den vergangenen Tagen keinen geknipst. "Leider, damit kann ich nicht dienen", sagt der Ziviltechniker.

Dabei müsste einer der pelzigen Burschen in der Vorwoche irgendwo dort die S 35 überquert haben. Nach langer Zeit der Ruhe ist im Steirerland nämlich wieder ein Braunbär unterwegs. Erst hinterließ das 150 Kilogramm schwere Tier Spuren im Oberen Murtal, dann kam es bis nach Gratkorn und wurde zuletzt in Gasen gesichtet. Wo sich der Bursche jetzt aufhält, ist unklar.

Dass es tatsächlich ein Bursche ist, ist für den Bärenanwalt Jörg Rauer so gut wie sicher: "Im Frühjahr wandern die jungen Männchen auf der Suche nach einem Revier oft sehr weit, die Weibchen hingegen bleiben nahe dem mütterlichen Streifgebiet." Ob es ein einzelner Braunbär ist, kann man vorerst nur vermuten. Für Rauer könnte ein einzelner Bär durchaus das Gebiet von Kärnten bis Gasen durchwandert haben, "aber genau wissen wir das erst im Juni, wenn die Spuren genetisch ausgewertet sind".

Die Dynastie des Ötscherbären ist in Österreich erloschen

1972: Lange, nachdem in Österreich die letzten Bärenpopulationen verschwunden sind, wandert aus Slowenien selbstständig ein Braunbär ein. Er hält sich im Ötschergebiet auf und trägt fortan den Namen "Ötscherbär".

1989: Der WWF wildert die Bärin Mira aus Kroatien aus, damit der Ötscherbär eine Gefährtin hat.

1991: Erster Bärennachwuchs in Österreich: Mira wirft drei Junge.

1992: Auswilderung der trächtigen Bärin Cilka aus Slowenien.

1993: Der Ötscherbär und Mira werden abermals Eltern. Die drei Jungbären bekommen die Namen Mariedl, Mona und Grünau. Auch Cilka wirft zwei Junge. Gleichzeitig wildert der WWF mit Djuro zum dritten und letzten Mal einen Bären aus. Mira stirbt bei einem Absturz.

Ab 1994: Es gibt mehrfach Bärennachwuchs. Gleichzeitig verschwinden immer mehr Bären auf rätselhafte Weise spurlos.

2006: Letzter Nachwuchs. Vater der drei Jungen ist Djuro.

2008: Nur noch Djuro und sein Sohn Moritz sind übrig, alle anderen Tiere sind spurlos verschwunden oder gestorben.

2011: Mit Moritz verschwindet nach fast 40 Jahren der letzte Nachfahre des Ötscherbären.

Der Wildbiologe glaubt nicht, dass die Bären aus Slowenien derzeit stärker zuwandern, weil sie sich dort gegenseitig auf die Tatzen steigen. Immerhin leben in den Wäldern des kleinen Nachbarlands rund 500 der Tiere. "Erstens ist diese Zahl seit Jahren stabil, und zweitens leben die meisten dieser Bären im Süden und Südosten des Landes und nicht an unserer Grenze", sagt Rauer. Ein künstliches Wiederansiedlungsprogramm hatte es in den Achtziger- und Neunzigerjahren im steirisch-niederösterreichischen Grenzgebiet gegeben (siehe Bericht links unten).

Optimistischer für neuerlichen Bärenzuzug in die Steiermark ist der Wildbiologe Hubert Zeiler. "Es ist absolut denkbar, dass aus Slowenien wieder mehr Bären bei uns einwandern. Ich halte es sogar für sehr realistisch." So sei es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch einmal ein Weibchen in die Steiermark verirre, wodurch sich eine eigene Population entwickeln könnte.

Erinnerungen an Moritz

Eine Vorstellung, die bei vielen Bauern Schaudern hervorruft. Zu präsent ist noch Braunbär Moritz, der in den vergangenen Jahren im Ennstal immer wieder Schafe gerissen hatte. Inzwischen gibt es von dem Tier allerdings keinen Nachweis mehr.

Auf eventuellen Bärenschäden bleiben die Landwirte übrigens nicht sitzen. "Die steirische Jägerschaft hat eine freiwillige Versicherung, die solche Schäden abdeckt", sagt Christoph Walder, Bärenexperte beim WWF.

FRANZ POTOTSCHNIG, GÜNTER PILCH

Wenn man einem Bären begegnet

Die Wahrscheinlichkeit, im Wald auf einen Bären zu treffen, ist äußerst gering. Die Tiere haben einen guten Geruchs- und Gehörsinn und sind von Natur aus scheu. Kommt es dennoch zu einer Begegnung, sollte man sich dem Bären auf keinen Fall nähern. Ist die Distanz bereits gering, ist es am besten, ruhig stehen zu bleiben und nicht plötzlich wegzulaufen - der Bär wäre wesentlich schneller. Man sollte keinesfalls versuchen, das Tier zu verscheuchen oder es zu fotografieren. Beides könnte als Bedrohung aufgefasst werden. Grundsätzlich attackiert ein Bär nur dann einen Menschen, wenn er sich bedroht fühlt.

FAKTEN

Der Braunbär ist die am weitesten verbreitete Bärenart der Erde. Es gibt ihn in Europa, Nordamerika und Asien. Männchen können 140 bis 320 Kilogramm schwer werden, die Weibchen erreichen 100 bis 200 Kilogramm Gewicht.

In Europa leben noch etwa 50.000 Braunbären, davon nur 14.000 außerhalb Russlands. Der Alpenraum inklusive des früheren Jugoslawien beherbergt 2800 Tiere.

Die weltweit dichteste Bärenpopulation hat Slowenien mit etwa 500 Tieren. Im Trentino sind es 25.

Die Bären stehen unter Schutz und dürfen nur bei häufigen Schadensfällen ("Problembären") oder zur gezielten Populationssteuerung geschossen werden.

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