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Zuletzt aktualisiert: 14.07.2008 um 08:29 Uhr

Die große Weinkost 2008: Narrisch gut gefeiert

Wem nach Weinen zumute ist, der kommt auf den Pogusch: Die Weinkost der Kleinen Zeitung als entspanntes Großfamilienfest.

Gratis-Kabarett mit Palfrader und Molterer

Foto © Kleine Zeitung DIGITAL / Helmuth WeichselbraunGratis-Kabarett mit Palfrader und Molterer

Die Augen von Erwin Wurm blitzten listig: Womöglich hatte Österreichs Ausnahmekünstler ja draußen auf dem dicht gefüllten Parkplatz genug Hubraum entdeckt für seine berühmte Serie "Fat Cars", jene Skulpturen, mit denen er Autos aussehen lässt, als hätten sie statt Blechschäden Lymphödeme. Der 53-jährige Brucker, gerade mit Aufträgen etwa in Japan eingedeckt, war gemeinsam mit Freundin und Künstlerkollegin Elise einer der vielen Debütanten bei der heurigen Weinkost der Kleinen Zeitung, und sie genossen wie die "Abonnenten" die mittlerweile 16. Veranstaltung als entspanntes Großfamilienfest.

Inspirierte Ministerin. Neu zur Familie stieß auf der Durchreise zum Carinthischen Sommer auch Kulturministerin Claudia Schmied, deren fescher Sommerschal gleich von Harald Serafin zärtlich inspiziert wurde. Der Intendant, noch von der vortägigen Premiere in Mörbisch beglückt, sang dazu - warum auch immer - "Zuaschau'n kann i net!".

Gusi-Neckereien. O doch, zuschauen konnte man, schließlich war man im "Steirereck" auf dem Pogusch und nicht "Im Weißen Rössl" am Wolfgangsee. Und es wurlte wie immer vor lauter Prominenz aus Politik und Wirtschaft, Sport und Kunst. "Darf i noch Bundeskanzler zu Dir sagen?", ätzte Schauspieler August Schmölzer zum Herrn hinter sich, dem nach (entkorkten) Weinen zumute war. "Aber ja, so schnell wirst mi net los": Alfred Gusenbauer, stark im Abgang. Und mit schwarzer Sonnenbrille auf der bekannt feinen Nase; rosarote gab's leider keine, auch wenn Tennislegende Thomas Muster seine Toms Eyewear Collection unters Volk brachte.

Polit-Runde. Die Kleine-Zeitung-Weinkost vermag sogar in Zeiten wie diesen Koalitionsgespräche anzuregen: Gusenbauer sollte später, nach anstrengender Degustation der steirischen Spitzenweine, bei dem ihm passenderweise die Roten am wenigsten zusagten, mit Wilhelm Molterer an einem Polittisch sitzen. Zu ihnen gesellte sich auch Kroatiens Ministerpräsident Ivo Sanader, der zwar mit einer Armada an Sicherheitsleuten angekommen war, mit seinem Kulturminister Bozo Biskupic in der Runde um den Styria-Vorstandsvorsitzenden Horst Pirker aber bald die Ärmel hochkrempelte - nicht zum Arbeiten, sondern zum Ausspannen.

Gratis-Kabarett. Molterer sollte später noch in heftige Politdebatten stolpern, die das Hohe Haus als Mädchenpensionat erscheinen ließen. Kaiserwetter war, also war auch der hofnarrische "Kaiser" zugegen: "Du wirst nie Kanzler!", schrie Robert Palfrader dem ÖVP-Chef zum Gaudium der Menge entgegen, Molterer konterte auch nicht fad und so kam das illustre Publikum zu einer Gratis-Kabarettstunde, an deren Ende sich die Kontrahenten heftig abbusselten.

Weinselig. Landwirtschaftsminister Josef Pröll wollte schon gehen, bekehrte sich dann aber mit dem Satz "Bring mir noch ein Glaserl Wein, ich will eh nicht Kanzler werden" und ließ sich an der Tischgesellschaft von Stefan Ruzowitzky einen Schnellsiedekurs in Regiearbeit geben. Der Oscar-Preisträger, der seine charmante Frau Birgit mitgebracht hatte, erläuterte seine Strategie, passend zur vorgerückten Stunde, denkbar knapp: "Malen nach Zahlen, das ist fad".

Mehr Busen für die Buhlschaft. Nebenan erzählte Erwin Steinhauer von seinen anstehenden Dreharbeiten im nahen Turnau und prophezeite für den Salzburger "Jedermann" demnächst einen Buben als Buhlschaft, obwohl (Ton der Erleichterung): "Jetzt darf sie ja wieder mehr Busen haben". Erleichtert ist der Schauspieler auch anderweitig, seine Radikalkur machte ihm die Stunden bei der Weinkost allerdings zur Folter. Während die emsigen Reitbauerischen Wirtsleute und ihre Zauberlehrlinge Genüsse sonder Zahl aus der Küche schickten, knabberte Steinbauer an seiner "wochenlange Ernährung mit Styropor - damit Sie sich unter Dinkelwaffeln was vorstellen können".

Heimleuchten. Lang war der Tag des Köpfe-Zusammensteckens, wo es neben Flaschen auch um Dosen ging (Dietrich Mateschitz & Thomas Muster) und um Töpfe (Eckhart Witzigmann & Reinhart Gerer), um Bälle (Rudi Roth & Friedrich Stickler) und um Schnelle (Niki Lauda & Franz Klammer), um Medien (Hans Mahr & Ingrid Thurnher) und Motoren (Bernd Pischetsrieder & Wolfgang Porsche). Musiker Willi Resetarits, der seinen Bruder Lukas zwischendurch sanft das Kopferl tätschelte ("I bin's nur, bleib ruhig!"), ging nach kurzer Siesta wie gewohnt auf Nachtwache. Ob wieder Goldfeder Helmut Gansterer (mit) ihm heimleuchtete, verschweigt das Protokoll.


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