Multitalent als Pater, Bauherr und Manager
Die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Platz - das ist Pater Superior Karl Schauer für Mariazell. Für seine großen Leistungen bekam er gestern die Ehrenbürgerschaft verliehen.
Als der 36-jährige Pater Karl Schauer im September 1992 Superior von Mariazell wurde, übernahm er eine Basilika und ein geistliches Haus, die von den feuchten Grundmauern bis zu den Dächern dringend restauriert werden mussten.
Pater Karl, der in Graz und Rom Theologie studiert und an der römischen Benediktiner-Hochschule Sant' Anselmo den theologischen Feinschliff erhalten hatte, war plötzlich nicht nur Theologe, sondern auch Bauherr und Manager. Zum Glück hatte er am elterlichen Bauernhof in Gabersdorf bei Leibnitz auch eine praktische Seite mitbekommen: Er knüpfte ein engmaschiges Netzwerk wichtiger Persönlichkeiten in ganz Österreich und trieb im Lauf der Jahre 40 Millionen Euro für die Basilika auf.
"Da ist fast kein Stein auf dem anderen geblieben", sagte gestern der Mariazeller Bürgermeister Helmut Pertl in seiner Laudatio auf Pater Karl Schauer. "Du hast das Leitwort der Benediktiner, ora et labora - bete und arbeite, zu deinem Lebensinhalt gemacht", fügte er hinzu.
Pertl ist seit 20 Jahren Bürgermeister, Pater Karl seit 18 Jahren im Amt, und in dieser Zeit ist eine echte Freundschaft entstanden, wie der Bürgermeister betonte. Pertl legt sein Amt demnächst zurück und wollte die Ehrenbürgerwürde noch selbst verleihen.
220 Gratulanten aus vielen Bereichen waren gestern ins Europeum gekommen. Darunter der frühere Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher: "Wir sind froh, für dich arbeiten zu dürfen. Das ist nicht immer leicht, denn du hast immer Ideen, und die fangen erst bei 100.000 Euro an."
Auch Waltraud Klasnic, die als Landeshauptfrau zehn Jahre lang die Aktivitäten von Pater Karl erlebte, würdigte den Einsatz. Sie dankte vor allem der Mutter von Pater Karl, der 85-jährigen Agnes Schauer: "Sie haben ihm das Bete und Arbeite vorgelebt und mitgegeben. Vergelt's Gott."
Pater Karl war bewegt: "Diese Ehrenbürgerschaft bekommt einer, aber sie trifft viele." Er erinnerte an die großen Ehrenbürger von Mariazell, die Päpste Johannes Paul II und Benedikt XVI, die Kardinäle Franz König und Christoph Schönborn, die Bischöfe Egon Kapellari und Maximilian Aichern - und er dankte allen, die ihn unterstützt hatten, darunter die frühere ORF-Generaldirektorin Monika Lindner und Styria-Vorstandsdirektor Horst Pirker.
Für Bürgermeister Pertl hatte Pater Karl einen Pilgerstab als Geschenk - "als Botschafter in den großen Wallfahrtsorten Europas". Er selbst erhielt einen Segway, einen Elektroroller, damit er in Zukunft noch umtriebiger unterwegs sein kann.







