Böhler: Schrittwieser stellt sich beim Bund um Hilfe an
Die Auftragslage bei Böhler Edelstahl ist nach wie vor schlecht. Nach dem Ende der Kurzarbeit - das ist in drei Wochen - wird eine Kündigungswelle befürchtet. Soziallandesrat sucht nach Lösungen.

Foto © APA/Ingrid KornbergerBöhlerwerk in Kapfenberg
Nach den befürchteten Massenkündigungen hat Soziallandesrat Siegfried Schrittwieser (S) am Donnerstag angekündigt, mit Bundeskanzler Werner Faymann (S), Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) und Böhler-Uddeholm Generaldirektor Claus Raidl am Freitag vor Ort in Kapfenberg über mögliche Lösungen für Böhler zu sprechen. Er strebe eine Verlängerung der Kurzarbeit an. Gelinge das nicht, so will sich Schrittwieser um Hilfe beim Bund anstellen. Der Landesrat denke an eine Unterstiftung der bestehenden bundesweiten Stahlstiftung.
Gerüchten zufolge komme es bei Böhler zu Massenkündigungen, wenn die Kurzarbeit sowie die folgende dreimonatige Behaltefrist vorbei sind. Von 600 Beschäftigten ist die Rede, das wäre ein Drittel der Belegschaft. Sogar in der Politik geistert diese Zahl herum, die eine wirtschaftliche Katastrophe für den Raum Kapfenberg und das Mürztal bedeuten würde. Darum hatte sich für Freitag Faymann bei Böhler angesagt, was den Gerüchten neue Nahrung gab.
Sicher getroffen
Faktum ist jedenfalls, dass Böhler Edelstahl mit seinen knapp 2000 Beschäftigten von der Wirtschaftskrise schwer getroffen ist. Es ist nun schon fast ein Jahr her, dass bei Böhler Edelstahl in Kapfenberg 1700 Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt wurden. Man hoffte auf baldige Erholung des Marktes.
Mitte August 2009 sollte die Kurzarbeit auslaufen, dann wurde sie aber bis Oktober verlängert, und später nochmals bis Ende Jänner 2010. Jetzt will der Betriebsrat die Kurzarbeit erneut verlängern, aber die Firmenleitung macht nicht mehr mit, denn ein Aufschwung ist noch immer nicht in Sicht.
Kündigungen könnten nur noch verhindert werden, wenn es plötzlich wieder Aufträge gäbe wie früher. Aber daran glaubt niemand mehr. Hinter den Kulissen wird auch schon an verschiedenen Szenarien gearbeitet, öffentlich kann oder will sich jedoch niemand auf eine Größenordnung festlegen. Die kolportierten 600 Kündigungen sind aber, so die übereinstimmende Aussage, "maßlos übertrieben". "Das ist kompletter Blödsinn, dann könnte man ja überhaupt gleich zusperren", ärgert sich Angestellten-Betriebsratsobmann Peter Bacun.
"Damit müsste man ganze Werksteile schließen oder quer durch den Betrieb, vom Stahlwerk bis zum Versand, ein Drittel des Personals wegnehmen. Beides ist völlig undenkbar." Aber auch er geht davon aus, dass der Personalstand nicht zu halten sein wird. Ebenso Zentralbetriebsratsobmann Johann Prettenhofer. Die Betriebsräte wissen um die Auftragslage Bescheid, und die ist nach wie vor sehr schlecht.
Definitiv falsch
Entwarnung für Kündigungen in diesem Ausmaß gibt man auch in der Voestalpine-Konzernzentrale in Linz: "Die Zahl 600 ist definitiv falsch und entbehrt auch jeglicher Grundlage", sagt Pressesprecher Peter Schiefer. Vieles hängt davon ab, wie sich die Auftragslage bis Ende April, also bis zum Ende der Behaltefrist, entwickelt. Schiefer: "Es wird einen Maßnahmen-Mix geben, bestehend aus Aussetzungsverträgen, Bildungskarenz und Stahlstiftung." Das Wort "Kündigungen" wird damit nur umschifft, sie stehen trotzdem im Raum.
Das wissen auch die Betriebsräte, die für eine nochmalige Verlängerung der Kurzarbeit plädieren. Bacun: "Das geben wir bis zum letzten Tag der Kurzarbeit, dem 31. Jänner, nicht auf."









