Leben hängt am Sonnenstrahl
Ein Kärntner und eine Steirerin wollen die Welt erstmals in einem Boot umrunden, das nur mit Solarenergie betrieben wird. Planungsfehler können tödlich sein.

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Die Sehnsucht nach Rekorden für die Ewigkeit: Wer war zuerst am Nordpol/Südpol, auf allen 8000ern, als Mann, als Frau, mit/ohne Sauerstoff? Wer umkreist die Welt zuerst im Ballon, im Solarflugzeug? Als jüngster Mensch? Laura Dekker, die Holländerin, die sich ihr Recht auf Mit-14-allein-um-die-Welt-Segeln gerichtlich erstritten hat?
Der Klagenfurter Michael Köhler (45) und Heike Patzelt (44) aus Bruck an der Mur jagen auch einen Rekord, aber mit ökologischem Anspruch: "Wir wollen beweisen, dass man die Welt in einem Boot nur mit Solar- und Windenergie umrunden kann - ohne Segel oder fossile Brennstoffe, ohne Umweltbelastung."
Orkane überlebt
Es ist kein Ego-Trip, zu dem sie am 16. Dezember 2009 in See bzw. in den Rhein gestochen sind. Gemeinsam haben sie 60.000 Seemeilen auf allen Ozeanen außer dem Süd- und Nordpolarmeer geschafft. Sie wurden von haushohen Wellen zugedeckt und überstanden Stürme von 200 km/h. Und sie haben nur ein ideelles Interesse: "Die Industrie behauptet, selbst moderne Solarpaneel-Anlagen seien ungeeignet für die Erzeugung und Speicherung von Energie für vernünftige Projekte. Wir zeigen, dass es geht, und fördern damit die Bedeutung alternativer Energien."
Ihr Katamaran "Solarwave" ist 14 Meter lang, 7,50 Meter breit und mit Antennen 4,50 Meter hoch. 75 Quadratmeter Solarpaneele fangen Sonnen- und zwei Räder etwas Windenergie ein. Drei Doppelkabinen bieten Platz für sechs Passagiere, die ein Stück mitreisen wollen und so die Kasse der Solar-Pioniere aufbessern (www.solarwave.at). Der mit viel Eigenleistung gebaute Prototyp kostete über eine Million Euro. Nachfolgemodelle sind für unter 800.000 Euro zu haben. Köhler: "Damit kostet so ein Boot so viel wie ein gleich großes Schiff mit Segel und Dieselmotor, ist aber umwelt- und brieftaschenfreundlicher."
Der Katamaran liegt gut im Wasser, bietet aber Stürmen viel Angriffsfläche. "Deshalb bleiben wir, wo es geht, auf den meist ruhigeren 20 Breitengraden südlich und nördlich des Äquators."
Von Anfang an waren die Solarwave und ihr Team die Lieblinge der Medien und Experten. "Auf der weltgrößten Bootsmesse in Düsseldorf wurde kein Schiff so oft fotografiert und gefilmt wie unseres", freut sich Köhler. Das blieb so bei jedem Zwischenstopp auf der tausende Kilometer langen Fahrt über Rhein, Main, Donau bis ins Schwarze Meer. Im Herbst wird das Boot in der Türkei eingewintert - dann halten die beiden in Österreich Vorträge - und nächstes Frühjahr geht es von dort weiter, übers Mittelmeer in den Atlantik, die Karibik - immer dem Bug nach . . .
"Trotz vielfacher Sicherung aller Systeme sind die Risiken gewaltig", sagt Köhler, "sonst hätte es längst jemand gemacht." Aber sonnige naturnahe Tage an Deck, ohne Motorlärm und Dieselgestank, entschädigen sie für alles.
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