Der Hausherr übersah Ankunft des Papstes
Pater Karl Schauer, Benediktinermönch und Hausherr der Basilika von Mariazell, wird vom Gnadenort mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet.
Johannes Paul II., Kardinal Christoph Schönborn, die Bischöfe Egon Kapellari und Maximilian Aichern - das sind einige der Ehrenbürger von Mariazell. Demnächst wird sich auch Superior P. Karl Schauer zu dem erlauchten Kreis zählen dürfen.
"Ja, es stimmt, der kommende Samstag ist ein besonderer Tag, aber nicht, weil ich geehrt werde, was ich schon einmal abgelehnt habe, sondern weil es der sechste Todestag von Kardinal Franz König ist. Und wie an jedem 13. März werden wir auch am Samstag in tiefer Dankbarkeit des verstorbenen Kardinals in einer Messe gedenken." Danach wird P. Karl die Auszeichnung zuteilwerden.
Damit wird vor allem gewürdigt, dass er es geschafft hat, die vom Verfall bedrohte Basilika durch eine umfassende Restaurierung zu retten. 1992/93, im ersten Winter als Superior, musste er noch Schneewechten aus der Basilika schaufeln und in seinem Zimmer einen Eimer für das Regenwasser aufstellen.
Priester, Manager, Lobbyist?
Mehr als 40 Millionen Euro hat Pater Karl für die Instandsetzungsarbeiten aufgetrieben - eine unvorstellbare Summe, zu der viele Menschen, kleine Privatspender und Großinstitutionen beigetragen haben. Diese Leistung bringt es mit sich, dass der Benediktiner des Öfteren gefragt wird: "Was sind Sie - Priester, Manager oder Lobbyist?" "In dieser Frage bin ich sehr sensibel. Und ich kann mich auch nur mit dem ersten Begriff identifizieren", antwortet P. Karl ein wenig streng im Ton. Als Begründung erklärt er: "Natürlich kenne ich viele Prominente, aber auch die haben mich - selbst die Kirchenfernen unter ihnen - oft angerufen und meinen priesterlichen Rat erbeten." Und zum Beweis, dass er weder Manager noch Lobbyist sei, führt er an: "Ich war öfters zum Opernball eingeladen, aber nie dort."
Die Aufgabe des Superiors ist bei Gott nicht nur eine priesterliche, sondern unter Umständen auch die eines "Hochzeitsassistenten". Bekanntlich darf der Bräutigam das Hochzeitskleid nicht vor der Trauung sehen. Im Falle von Francesca Thyssen-Bornemisza, die im Jänner 1993 Karl Habsburg in Mariazell das Jawort gab, sollten auch die Fotografen keinen Blick darauf werfen. Das Kleid wurde einer Puppe angezogen und auf der Ladefläche eines Lkw angeliefert. Der aber hatte mit Sommerreifen Probleme, in den verschneiten Gnadenort zu kommen. Als er dann spät in der Nacht doch noch eintraf, "nahm ich das Kleid in Empfang und trug es durch den Konvent, um es zu verstecken."
Fleck im Talar
Oft ist P. Karl seinen Gästen sehr nahe und er putzt schon einmal dem Heiligen Vater einen Fleck aus dem Talar. Und manchmal setzt er sich auch gegenüber den großen Herren des Vatikans durch. Etwa beim Besuch von Benedikt XVI. am 8. September 2007, als es in Strömen geregnet hat. Piero Marini, Zeremoniar des Papstes, entschied angesichts des Wetters: "Wir feiern nicht im Freien, wir gehen in die Basilika." "Nein, das machen wir nicht", hielt P. Karl beharrlich dem Wunsch des Römers entgegen. Der Disput war so heftig, dass er das Wichtigste übersehen hat: die Ankunft des Papstes.
Am Samstag wird P. Karl geehrt. Viel beschäftigt, wie er ist, hat er eine Möglichkeit, den Termin zu verpassen, schon ausgeschaltet. Nämlich den Klingelton seines Handys mit den Glocken der Basilika. "Es kam schon vor, dass ich zum Gnadenaltar gerannt bin, nur weil ich geglaubt habe, die Glocken kündigen eine große Wallfahrergruppe an."
ZUR PERSON
Karl Vinzenz Schauer mit dem Ordensnamen Pater Karl wurde am 28. Februar 1956 im südost- steirischen Gabersdorf geboren.
Werdegang: Nach der Matura am Bischöflichen Knabenseminar in Graz Eintritt ins Priesterseminar und Studium der Theologie. Am 3. 9. 1976 Eintritt in St. Lambrecht. Legt am 7. September 1980 seine feierliche Profess ab. Nach Abschluss eines Studiums in Sant' Anselmo in Rom wird er am 29. Juni 1983 zum Priester geweiht. Nach Jahren als Religionslehrer, Exerzitienleiter und Hochschulseelsorger in Graz wird er im September 1992 mit der Aufgabe der Restaurierung von Mariazell betraut. Leitet seitdem als Super- ior die Priestergemeinschaft in Mariazell.













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