Erstmalig erhoben90 Prozent der Steirer spenden regelmäßig

Studie im Auftrag der Caritas Steiermark zeigt, dass die Hilfsbereitschaft im Land sehr groß ist - auch "Fremden" gegenüber. Und: Es gibt ein klares Ja zum Sozialstaat.

© Elmar Gubisch
 

"Der Grundwasserspiegel der Nächstenliebe in der Steiermark liegt beachtlich hoch": Dieses Resümee hat der Grazer Caritasdirektor Herbert Beiglböck zum Auftakt der Caritas-Haussammlung 2018 gezogen. In einem Pressegespräch am Mittwoch wurde der "Solidaritätsbarometer Steiermark" präsentiert - eine erstmals durchgeführte soziologische Studie, in der die "soziale Stimmung" im Bundesland erhoben wurde. Ersichtlich wurde dabei laut Beiglböck, dass ein großer Teil der Bevölkerung der Meinung ist: "Hilfe soll jeder erhalten, der sie braucht und hier lebt." Das bestätige die Caritas in ihrer Arbeit, "und das zeigt auch, dass wir uns nicht von kurzfristigen Stimmungen irritieren lassen sollten, die als Mehrheitsmeinung präsentiert werden".

Haussammlung 2018

Rund 4000 Haussammler klopfen derzeit im Rahmen der zum 68. Mal durchgeführten "größten sozialen Aktion der Steiermark" an Haustüren; 2017 wurden 800.000 Euro gespendet, die direkt für Notleidende in der Steiermark eingesetzt werden. Die Sammlung geht bis Karfreitag, den 30. März.

Mehr Infos und Online-Spende unter: https://www.caritas-steiermark.at

Erstellt wurde die Studie von Florian Brugger vom Institut für Soziologie an der Uni Graz, dafür befragt wurden 1000 Steirerinnen und Steirer zwischen November 2017 und Jänner 2018. "Wir werden diese soziale Messgröße fünf Jahre lang in Folge erheben und sehen, wie sie sich entwickelt - weil wir das gute Miteinander in der Steiermark stärken und fördern wollen", kündigte Direktor Beiglböck an. Es gelte sorgfältig umzugehen mit der nun mit Fakten belegbaren Hilfsbereitschaft, "damit dies nicht verlorengeht und nicht durch unnötige Worte vergiftet wird".

Neun von zehn spenden regelmäßig

Die wichtigsten Ergebnisse: Die Spenden- und Hilfsbereitschaft in der Steiermark ist hoch und kontinuierlich. Mehr als 90 Prozent der Befragten haben 2016 zumindest einmal gespendet, rund ein Drittel war ehrenamtlich aktiv. Fast 90 Prozent der Befragten gaben an, jedes Jahr in Form von Spenden oder anderen Hilfeleistungen zu helfen.

Besonders ausgeprägt ist die Solidarität im eigenen Umfeld - Familie, Nachbarn und Freunde - und mit "schuldlos Schwachen". Die Solidarität mit hier Lebenden ist deutlich höher als mit Notleidenden anderswo in der Welt; wobei hinsichtlich der Hilfsbereitschaft gegenüber Personen der eigenen Nation laut Studienautor Brugger etwa gleich groß ist wie jene mit Ausländern und Flüchtlingen, die in der Steiermark leben. Gruppen wie Kindern, Alten, Kranken und Behinderten sprechen neun von zehn Befragten das Recht auf Hilfe zu, immerhin 70 Prozent befürworten aber auch Hilfeleistungen für Alkoholiker, Drogenabhängige, Arbeitslose und Ex-Häftlinge.

Ja zum Sozialstaat

Ebenso räumen mehr als 90 Prozent der Befragten österreichischen Staatsbürgern ein Recht auf wohlfahrtsstaatliche Leistungen ein. Für rund 70 Prozent sollte dieses Recht auch für Flüchtlinge und Ausländer, die hier leben, gelten. Das aus der Umfrage ersichtliche "deutliche Bekenntnis zum Wohlfahrtsstaat" schließt laut Brugger aber auch hohe Solidaritäts-Erwartungen an Einzelpersonen und soziale Organisationen ein. Weiters bemerkenswert: Wer hilft, erwartet in aller Regel keine persönlichen Gegenleistungen wie Dankbarkeit, wohl aber, dass Hilfsempfänger die Werte der Gesellschaft achten und auch die Gründe ihrer Hilfsbedürftigkeit zu überwinden suchen.

 

 

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