Nach drei WochenStiwoll: "Der Fritz lebt noch, der gibt nicht auf"

Drei Wochen nach den Todesschüssen ist Stiwoll wieder auf dem Weg zur Normalität. Doch Unsicherheit und Angst sind immer noch präsent.

Am Stammtisch wird sogar wieder gelacht
Am Stammtisch wird sogar wieder gelacht © Alexander Danner
 

Stiwoll am westlichsten Rand des Bezirkes Graz-Umgebung: 13,01 Quadratkilometer, 718 Einwohner, eine Kirche, ein Gemeindeamt, eine Bank, zwei Gasthäuser, ein Kaufhaus, viel Landwirtschaft, ein reges Vereinsleben - und seit drei Wochen in den Schlagzeilen der Medien.

Stiwoll drei Wochen nach dem Doppelmord. Ein Lokalaugenschein.
Die Polizei hat sich zurückgezogen. Nur noch kleinere Eingreiftruppen halten die Stellung im Ort: Spezialisten der Cobra und zivile Fahnder, uniformierte Polizisten. Nur hin und wieder ist der eine oder andere zu sehen, etwa auf dem Weg zum Einsatzstab im Gemeindeamt. Der Ort präsentiert sich ganz anders als die Wochen zuvor: keine Panzer hinter dem Pfarrhaus, keine Hubschrauber in der Luft, keine Einsatzfahrzeuge auf dem Sportplatz, keine schwer bewaffneten Polizisten auf dem Hauptplatz, keine Wachen vor dem Gemeindeamt.

Stiwoll: Drei Wochen lang in den Schlagzeilen
Stiwoll: Drei Wochen lang in den Schlagzeilen Foto © Alexander Danner

Die Polizei will, dass Ruhe einkehrt in Stiwoll und Umgebung, auch optisch, und sie setzt – mit geänderter Taktik – alles daran, den mutmaßlichen Doppelmörder Friedrich Felzmann (66) zu fassen. Doch bis jetzt fehlt von ihm jede Spur – und deshalb sind Angst und Unsicherheit weiterhin sehr groß.

„Der Kindergarten und die Volksschule sind seit zwei Wochen wieder geöffnet“, erzählt Bürgermeister Alfred Brettenthaler. „Die Kinder wurden psychologisch betreut.“ Und die Polizei habe für die 30 Schüler einen Kinderpolizeitag abgehalten. Spielerisch habe man den Schülern vermittelt, dass die Polizei hilft; dass sie keine Angst haben müssen, wenn ihnen maskierte Cobra-Männer oder Polizisten mit Schutzwesten, Helmen und Sturmgewehren begegnen.

„Wir sind wieder auf dem Weg zur Normalität“, ist der Gemeindechef überzeugt. Er weiß aber auch: Es wird ein mühsamer und langer Weg. „Wir können nur hoffen, dass diese Schauergeschichte bald zu Ende ist.“

Bürgermeister Brettenthaler: "Hoffen, dass Schauergeschichte bald zu Ende ist"
Bürgermeister Brettenthaler: "Hoffen, dass Schauergeschichte bald zu Ende ist" Foto © Alexander Danner

In der Gocklstube – eines der beiden Gasthäuser – kehren die Stammgäste wieder ein. „Hat eh lange gedauert. Die Party zum Faschingsbeginn haben wir absagen müssen. Am Sonntag hatte die SPÖ für 45 Leute Essen bestellt. Angemeldet haben sich aber nur fünf Personen – wieder eine Absage. Aber jetzt ist es genug, unser Martiniganslessen findet statt, dabei bleibt es“, ist die Wirtin fest entschlossen. Ihren Namen möchte sie lieber nicht in der Zeitung lesen, ersucht sie. „Wissen eh alle, wer ich bin.“

Am Stammtisch ist Friedrich Felzmann nach wie vor ein Thema. Jung und Alt diskutieren und spekulieren. „Der Fritz lebt noch, der gibt nicht auf. Und in den Häf’n geht der erst recht nicht. Der lässt sich vorher von der Polizei erschießen“, sind die Gäste überzeugt.

Durch die enorme Polizeipräsenz habe man sich sicher gefühlt. Jetzt müsse man sich wieder darauf einstellen, dass die Polizisten im Ort immer weniger werden. „Damit müssen wir leben“, bemerkt der bärtige Mann am Ende des Tisches. „Und schreibens ja nicht unsere Namen“, betont die ältere Frau. „Sonst spinnt der Felzmann auch auf uns.“

Langsam kämen die Leute wieder heraus aus ihren Häusern, weiß die Wirtin. „Aber am Abend sind die Straßen nach wie vor menschenleer. Das wird sich so lange nicht ändern, solange der Fritz auf der Flucht ist. Erst wenn sie ihn gefunden haben, können wir abschließen.“

Kommentare (13)

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Jak39
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Liebe Stiwoller,

ich halte euch die Daumen, daß alles bald vorüber ist u. wieder Ruhe einkehrt.

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Reipsi
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Der ist längst

woanders , das war alles geplant und bevor die Polizei alles absperren konnte hat im schon wer wegtranportiert, wenn der noch in der Gegend wäre hätten sie in schon. Der lacht wo anders über Alle, leider.

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albertusmagnus
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Wann verschwindet

dieses Gschichterl endlich aus den Schlagzeilen, besteht nur noch aus Mutmaßungen und Aufbauschung, von einem verantwortungsvollen Journalismus keine Rede....

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albertusmagnus
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Mein Graz

bitte erklären Sie mir schlüssig, inwiefern die ständige Wiederholung der Raubersgschicht dienlich wäre.
Es würde keiner seiner Straftaten rückgängig machen, aber Stiwoll als Mörderort manifestieren!
Und das wollen Sie sicherlich nicht, oder?

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Mein Graz
3
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@albert

versuch einmal, dich in einen unmittelbar betroffenen zu versetzen: keiner redet mehr drüber, keine zeitung berichtet mehr. was würdest du annehmen? den anderen ist es wurscht wie es uns geht, ob der mörder endlich dingfest gemacht wurde, wir werden im stich gelassen.
auch wenn die polizei weiter ermittelt ist es m.e. wichtig, die menschen zu wort kommen zu lassen.

und noch eins kommt dazu: wird nicht berichtet gibt es genügend leute die fragen, ob da noch was getan wird. genau so wie es eben leute wie dich gibt, die nichts mehr drüber lesen wollen, was aber einfacher ist, denn man kann es einfach nicht anklicken.

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Mein Graz
7
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@albert

für dich ist es ein "gschichterl", für die betroffenen die raue wirklichkeit, in der es tote gegeben hat und der mörder noch immer nicht gefasst ist.

wie würde es dir damit gehen, wenn du dort leben müsstest oder du einen angehörigen verloren hättest?

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pescador
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.

Bei diesen Wetterverhältnissen kann niemand im Wald länger überleben.

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checker43
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Das weiß der selber und

wird sich schon lange über alle Berge gemacht haben. Würde mich nicht wundern, wenn er im Wald ein Moped/Rad und Geld deponiert gehabt hätte, in der Nähe, wo er sein Auto abgestellt hat. Dann wäre er aus dem Suchgebiet schon verschwunden gewesen, bevor die überhaupt zu suchen begonnen haben. Vielleicht war es auch er, der vor ein paar Tagen das Auto der Bergrettung Bad Ischl gestohlen hat und damit nach Salzburg gefahren ist.

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tannenbaum
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Liebe Stiwoller. Ihr braucht keine Angst mehr zu haben. Entweder hat der Doppelmörder irgendwo, wo ihm garantiert niemand findet, Selbstmord begangen, oder er ist längst über alle Berge, und hat bei Gleichgesinnten Unterschlupf gefunden! Das sich diese Mensch noch irgendwo in der Nähe herumtreibt ist absolut Unsinnig!

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Mein Graz
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@tanne

übernimmst du die garantie - und was machst du, wenns nicht stimmt und es weitere tote gibt?

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albertusmagnus
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Mein Graz,

wie laut haben Sie geschrien, als es um die Hirnverteilung gegangen ist?
Wohl unerhörbar...

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Jak39
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*albertusmagnus"

Albert d.Große, sie waren ja auch nicht dabei. Wahrscheinlich Urlaub, Krankenstand, unabkömmlich usw.

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Mein Graz
1
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@albert

danke.

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