Stiwoller Jäger in Angst"Fritz ist unberechenbar" - nach Doppelmord sind Reviere für Jäger tabu

Friedrich Felzmanns Frau wollte in Jagdgesellschaft aufgenommen werden. Doch Stiwoller Jäger lehnten ab. Jetzt geht bei ihnen die Angst um.

Wegen der Fahndung nach den Todesschüssen von Stiwoll gibt es in der Region derzeit ein Jagdverbot © KK
 

Nach den Todesschüssen von Stiwoll vor mittlerweile mehr als zwei Wochen und der anhaltenden Suche nach dem mutmaßlichen Doppelmörder Friedrich Felzmann geht auch bei den Jägern in der Region die Angst um.

"Bis Ende November sollten die Abschusspläne erfüllt sein. Außerdem müssten wir dringend Wildschweine jagen. Sie verursachen im Raum Gschnaidt/St. Pankrazen bereits Flurschäden“, erzählt Harald Schönbacher, Bezirksjägermeister von Graz-Umgebung. „Derzeit ist in den Revieren von Stiwoll bis zum Plesch hinauf kein Jäger unterwegs.“

Das hat zwei Gründe: Die Polizei hat mit der Jägerschaft bis zum kommenden Wochenende ein „Jagdverbot“ vereinbart, um Fahndungsmaßnahmen – vor allem während der Nacht – nicht zu gefährden. Doch gerade Wildschweine müssten in den Nachstunden gejagt werden, am besten bei zunehmenden Mond, weiß der Bezirksjägermeister.

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Bezirksjägermeister Harald Schönbacher: "Derzeit ist in der Region kein Jäger unterwegs." © KK

Mit oder ohne Jagdverbot - derzeit traue sich ohnehin kein Waidmann ins Revier, versichert ein ehemaliger, langjähriger Aufsichtsjäger, der anonym bleiben möchte. Er habe mit dem mutmaßlichen Todesschützen Friedrich Felzmann (66) zwar keine gröbere Auseinandersetzung austragen müssen. Kleinere Konflikte habe er auf diplomatischem Weg geregelt. „Ins Revier gehe ich nicht, so lange der Fritz auf der Flucht ist. Ich kenne ihn, der schießt sich den Weg frei, wenn er jemanden begegnet“, ist der Jäger überzeugt. „Der Fritz ist unberechenbar, der gibt nicht so schnell auf.“

Felzmanns Frau wurde von Jägerschaft abgelehnt

Die Angst in der Jägerschaft ist durchaus begründet: Vor drei Jahren habe die Gattin des Gesuchten die Jagdprüfung abgelegt. Danach wollte sie in die Stiwoller Jagdgesellschaft aufgenommen werden. Doch aus mehreren Gründen lehnten die Jäger ab. In einer geheimen Abstimmung entschieden sie sich gegen die Frau. Das wiederum soll auch ihren Mann wütend gemacht haben, erzählt man in Stiwoll. Und deshalb seien einige Jäger auf der Gefährdungsliste zu finden.

Bis Samstag gilt das „Jagdverbot“ noch, betont der Bezirksjägermeister. Dann sei eine „Ansitzjagd“ im Bereich Gschnaidt geplant. Wie viele Jäger tatsächlich daran teilnehmen werden, ist ungewiss. „Ich jedenfalls, bleibe zu Hause“, versichert der ehemalige Aufsichtsjäger, einer jener Stiwoller mit Wegerecht für die Durchfahrt auf dem Felzmann-Anwesen.

Er habe aber schon vor Jahren auf das Servitut verzichtet. „Ich brauche diese Zufahrt nicht mehr. Früher ein Mal, ja, da sind wir durch den Hof gefahren. Jetzt gibt es andere Zufahrtsmöglichkeiten. Außerdem wollte ich meine Ruhe haben.“

Auf der Suche nach Friedrich Felzmann: Großeinsatz in Stübing

Kurz vor Dienstagmittag hat der Großeinsatz der Polizei im Freilichtmuseum Stübing begonnen.

Markus Leodolter

Das großflächige Areal wäre ein gutes Versteck für den mutmaßlichen Doppelmörder von Stiwoll,...

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der dort auch als freiwilliger Helfer gearbeitet hat.

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Weitere Bilder vom Einsatzort.

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