Suche nach DoppelmörderEinsatzleiter in Stiwoll: "Wir atmen erst auf, wenn wir ihn haben"

Tag 13 bei der Suche nach Friedrich Felzmann. Die Polizei hat bereits Hunderte Hinweise untersucht und abgearbeitet, erklärt Oberst Manfred Pfennich, Einsatzleiter der Suche in Stiwoll.

Bild rechts oben: Oberst Manfred Pfennich © Montage: APA/Breitegger
 

Heute ist Tag 13 bei der Suche nach Friedrich Felzmann, dem mutmaßlichen Doppelmörder von Stiwoll. Doch noch immer fehlt von ihm (fast) jede Spur. Wie es der Polizei bisher bei der Suche ging und welche Strapazen die gefährliche Arbeit bedeutet, erklärt Oberst Manfred Pfennich, Bezirkspolizeikommandant von Graz-Umgebung und Einsatzleiter in Stiwoll.

Oberst Manfred Pfennich, Sie sind seit dem Tag des Doppelmordes in Stiwoll im Einsatz. Als Einsatzleiter sind Sie ja immer wieder direkt mit der Bevölkerung konfrontiert. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Manfred Pfennich: Anfangs waren die Menschen fassungslos. Dann kamen Angst und Unsicherheit dazu, das war spürbar. Man bemerkte auch eine Erwartungshaltung, der Druck seitens der Bevölkerung war schon da. Jetzt nähern wir uns ein klein wenig dem normalen Leben. Aber aufatmen werden wir erst, wenn wir ihn haben.

Die Einsatzkräfte wurden zu einem Großteil bereits abgezogen. Wie geht es weiter?

Wir gehen nicht in den Normalbetrieb über. Ein Teil der Einsatzgruppe ist noch in Stiwoll. Wir können sofort eingreifen, wenn es notwendig ist. Auch die provisorische Einsatzzentrale im Gemeindeamt bleibt bestehen. Vordergründig arbeitet jetzt aber die Sonderkommission „Friedrich“.

Vorige Woche waren bei der Suche nach dem mutmaßlichen Doppelmörder Friedrich Felzmann bis zu 400 Polizisten unterwegs. Wie können Sie diesen Einsatz beschreiben?

Wir haben eine sehr offensive Vorgangsweise gewählt. Der Einsatz war für sämtliche Kräfte eine Herausforderung und hat den Kollegen alles abverlangt. Im steilen, unwegsamen Gelände konnten sie sich oft nur auf Händen und Füßen fortbewegen. Besonders brutal war die Durchsuchung des Stollensystems im aufgelassenen Silberbergwerk.

In Annaberg erschoss 2013 ein 55-jähriger Mann bei einer Kontrolle drei Polizisten und einen Sanitäter. Wie sehr ist das noch in den Köpfen der Einsatzkräfte?

Annaberg ist nicht vergessen. Im Hinterkopf ist diese Tragödie bei so einem Einsatz immer mit dabei. Das hat man bei den Kollegen auch gemerkt. Alle wissen, was dort passiert ist, wie gefährlich ein bewaffneter Täter ist.

Hat die Polizei mit externen Personen zusammengearbeitet?

Ja. Es war etwa die Jägerschaft einbezogen, wir hatten auch Kontakt mit Höhlenforschern.

Wie hat die Bevölkerung mitgearbeitet?

Wir haben Hunderte Hinweise bekommen, wir sind allen nachgegangen und haben sie aufgearbeitet. 

Video vom Polizei-Einsatz in Stübing

Wie es in Stiwoll weitergeht

Auch in Stiwoll kehrt langsam wieder Normalität ein. Von der zuletzt massiven Polizeipräsenz ist nichts mehr zu sehen, dennoch sind Beamte in Uniform wie auch in zivil weiterhin im Dorf. Man gehe nun wie angekündigt zu einem kriminaltaktischem Verfahren über, hieß es von einem Sprecher der "Soko Friedrich".

Die Einsatzleitung bleibe vorerst noch im Gemeindeamt von Stiwoll, dessen Bürgern Pfennich ein Lob aussprach: "Wir wurden sehr freundlich aufgenommen, ein Lob an Bürgermeister Alfred Prettenthaler, wir haben sein Gemeindeamt in Beschlag genommen und er hat uns dennoch jeden Wunsch von den Lippen abgelesen." Und alle von der Feuerwehr bis zum Fußballverein hätten die Exekutive unterstützt, das habe enorm viel Zeit beim Aufbau der Infrastruktur gespart.

Einbruch noch nicht geklärt

Die Einsatzkräfte gehen nach wie vor davon aus, dass der Mann noch am Leben ist. Ein Einbruch Samstagabend in den Nebenraum eines Wirtschaftsgebäudes könnte ein Hinweis darauf sein. Noch steht aber nicht fest, ob tatsächlich der Flüchtige den Einbruch verübt und dabei aus einer Kühltruhe Lebensmittel gestohlen hat. Die Spurenauswertungen seien noch im Gange, heißt es.