Urteil Immobiliendeal mit Mateschitz: Fritz Grillitsch erstreitet 420.000 Euro Provision

Privatstiftung verkaufte Immobilien an Dietrich Mateschitz, Politiker Fritz Grillitsch vermittelte und erstritt nun vor Gericht eine fette Provision.

Fritz Grillitsch gewann bei Gericht gegen Privatstiftung © Peter Haselmann
 

Eine bemerkenswerte Wende nimmt der Zivilrechts-Prozess zwischen dem ÖVP-Nationalratsabgeordneten Fritz Grillitsch und der Privatstiftung des verstorbenen Millionärs Helmut Zoidl. In der ersten Instanz wurde Grillitsch im Vorjahr im Zusammenhang mit einem gigantischen Immobiliengeschäft mit Dietrich Mateschitz ein Provisionsanspruch von 109.500 Euro brutto zugesprochen (wir berichteten ausführlich).

Grillitsch wollte aber 420.000 Euro mit einer Option auf Ausweitung der Provision auf bis zu 1,3 Millionen Euro. Beide Seiten beriefen gegen das Urteil des Landesgerichts Leoben. Grillitsch wollte mehr Geld, die Stiftung wollte gar nichts zahlen.

Das Oberlandesgericht Graz hat nun eine Entscheidung getroffen, die es für die Stiftung in sich hat: Das Gericht sprach Grillitsch die 420.000 Euro zu, plus drei Jahre Zinsnachzahlungen. Und es könnte für Grillitsch noch besser kommen. Denn das Gericht verpflichtet die Privatstiftung, darüber Auskunft zu erteilen, zu welchem Wert sie ihren Kommanditanteil an eine Gesellschaft von Dietrich Mateschitz verkauft hat. Daraus könnten sich weitere Provisionsansprüche für Grillitsch ableiten, die in eine Höhe von bis zu 1,3 Millionen Euro gehen können.

Zur Vorgeschichte: Nach dem Tod des obersteirischen Millionärs Helmut Zoidl wollten die Stiftungsverantwortlichen seine Besitzungen verkaufen: unter anderem Schlosshotel Gabelhofen in Fohnsdorf, Seehotel und Villa Anna in Grundlsee, Grundstücke, Zoidls Privatvilla und als Filetstück die rund 2000 Hektar große Jagd Authal im Bezirk Murtal.

Das alles wurde letztlich nicht einzeln verkauft, sondern als Paket: und zwar an Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Kaufpreis: 36,5 Millionen Euro. Fritz Grillitsch (er scheidet nach der Wahl aus der Politik aus) trat bei diesem Deal als Vermittler zwischen Stiftung und Mateschitz auf, was die Stiftung jedoch lediglich als „Freundschaftsdienst“ wertete. Grillitsch habe sich lediglich wegen seiner engen Freundschaft zu Helmut Zoidl engagiert. Es gab auch keinen schriftlichen Vertrag.

Für das Oberlandesgericht ist klar, dass Grillitsch hier als Vermittler provisionsberechtigt ist. Dem Politiker, der kein Immobilienmakler ist und als „Gelegenheitsmakler“ agiert hat, stehe eine „ortsübliche“ Provision von drei Prozent zu, die jetzt für einen Teil des Gesamtverkaufs zuerkannt wurde. Für Stiftungsvorstand Manfred Zand völlig unverständlich: „Wir werden das Urteil nun prüfen und dann entscheiden, welche weiteren Schritte wir ergreifen.“

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Danke für Ihr Verständnis.

Testie
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Provision

Steht keine zu, da er keinerlei Gewerbeberechtigung für Immobilienverkauf hat, also handelt es sich hier um ein Schwarzgeschäft. Also bitte Gewerbebehörde endlich tätig werden. Weiters Finanzamt und Sozialversicherung

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ztirf
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Provision

Normalerweise zahlt in Österreich doch der Käufer die Maklerprovision. Ich würd da jetzt auch noch den Käufer zur Kasse bitten.
Völlig unverständlich für mich das Urteil, wenn es im Vorfeld keine entsprechende schriftliche Vereinbarung gegeben hat.

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DaKritker
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Da werden sich einige freuen!

Bezirkshauptmannschaft, Wirtschaftskammer, Sozialversicherung, Finanzamt. Dann wird das Leben der letzten Jahre genau aus allen Blickwinkel betrachtet werden ob nicht früher schon für Vermittlungstätigkeiten auch Provisionen geflossen sind? Auch bei Nationalratsabgeordneten muss schon genau nach schauen. Da wird erst nach der Wahl so richtig losgehen, wenn man sich hinter Immunität nicht mehr verstecken kann. Wenn ein Arbeiter 100 € zugesteckt bekommt für gute Leistung, machen allen oa. eine Staatsaffäre daraus! Aber solange gilt die Unschuldsvermutung auch Nationalratsabgeordnete!

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mahoni1970
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Grillitsch...

...ein echter ÖVP-Politiker.

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bb65
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„Gelegenheitsmakler“?

Ich wusste nicht das es diesen Begriff gibt. Was sagt da die Makler Vereinigung dazu?

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satiricus
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Was sagt die WKO dazu?

Er ist lt. obigem Bericht k e i n Immobilienmakler, aber er kassiert fette Provisionen - wie geht dies ohne Gewerbeschein?
Meines Wissens nennt sich dies 'unbefugte Gewerbeausübung', oder liege ich da falsch?

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