Erstflug nach GrazSchüler bastelten Flugzeug mit Material aus Baumarkt

Zu einem ungewöhnlichen Ereignis versammelten sich am Freitag Vormittag Schüler der Polytechnischen Schule Völkermarkt am Flughafen Graz. Ihr Lehrer absolvierte einen Erstflug.

Pilot Rainer Hartmut, Wolfgang Malik, Franz Borotschnig, Gerhard Widmann
Pilot Rainer Hartmut, Wolfgang Malik, Franz Borotschnig, Gerhard Widmann © Flughafen Graz
 

Die Aufregung war groß heute Freitag am Vorfeld des Grazer Flughafens. Würde alles wie geplant ablaufen? Schüler der Polytechnischen Schule (PTS) in Völkermarkt in Kärnten waren mit dem Bus angereist, um zu erleben, wie ihr Lehrer mit einem Experimentalflugzeug erstmals landen sollte. Das Flugzeug war in achtjähriger Arbeit an der PTS hergestellt worden.

Kurz nach elf Uhr war es soweit. Vom Süden tauchte das einsitzige Flugzeug auf, mit Hartmut Rainer als Pilot, Fachbereichsleiter der Schule. Im wunderschönen Herbsttag drehte er eine Platzrunde östlich des Flughafens, eher er endgültig und formvollendet aufsetzte. Es war die Erstlandung des "Pegasus H3"-Ultralight-Flugzeuges, das seit 2009 als Schülerprojekt geplant und gebaut wurde. Die 140 Schüler, die mitgearbeitet hatten, sind am Flugzeugrumpf als Fotos verewigt.

So fliegt ein Flugzeug aus Materialien aus dem Baumarkt

Auch an Offiziellen mangelte es nicht: Neben dem Direktor der PTS, Franz Borotschnig, waren Flughafendirektor Gerhard Widmann und Holding-Graz-Chef Wolfgang Malik dabei. Widmann hatte in der "Kleinen Zeitung" von dem außergewöhnlichen Projekt gelesen und Hartmut Rainer eingeladen, seinen Erstflug mit Ziel Graz zu planen. Rund 45 Minuten war der Pilot vom Ausgangsflugplatz Hirt in Kärnten unterwegs.

Zur Person

Rainer Hartmut, 1943 in St. Veit an der Glan geboren, absolvierte die HTL in Ferlach. Danach erfolgte eine Pilotenausbildung beim Bundesheer mit Stationen in Zeltweg und Graz.

Hartmut ging dann als Techniker in die USA, ehe er vor 17 Jahren als Lehrer zurückkehrte. An der PTS Völkermarkt ist er seit 14 Jahren.

Es ist sein zweuites sehr großes Projekt; das erste  war ein Seifenkisten-Auto. Der begeisterte Flieger ist nebenher auch ein leidenschaftlicher Forstwirt.

Hartmut Rainer finanzierte das Flugzeug weitgehend selbst - 30.000 Euro betrugen die Kosten. Doch anstatt es selber in einer Garage rasch fertigzustellen, machte er jeden Schritt gemeinsam mit den angehenden Lehrlingen. Das Flugzeug ist vorwiegend aus Aluminium gebaut und wiegt leer rund 180 Kilo. Angetrieben wird es mit einem 22 Kilo schweren Hirth-Motor mit 50 PS. Die Pegasus H3 ist das erste in Österreich gebaute Experimentalflugzeug mit einem Aluminium-Fachwerksrahmen. Nach Fertigstellung des Rumpfes folgte die Anfertigung von Schablonen für das Höhen- und Seitenruder. Bis zum Sommer 2011 wurden das Seitenruder, die Stabilisatoren und das Höhenruder verklebt und vernietet.

Im Anschluss daran wurden Fahrwerk, die Stringer und der Motorträger hergestellt. Ein besonderes Highlight für die Schülerinnen und Schüler war die Übergabe des Motors in Stuttgart.  Mit Ende des Schuljahres 2014/15 konnte das gesamte Tragwerk fertiggestellt werden. Die Oberfläche der Flügel (mit einer Gesamtspannweite von 7,25 m) besteht aus Flugzeugaluminium. Um die Projektkosten gering zu halten stammen die einzelnen Komponenten der Instrumententafel von Fachmessen.

Der erste Motorlauf fand im August 2016 statt. Anschließend erfolgte eine fast einjährige Test- und Bewilligungsphase. Besonders spannend war der Fahrwerkstest, bei dem das höchstzulässige Gesamtgewicht von 280 kg noch mit zusätzlichen 460 kg belastet wurde.

Kommentare (1)

Kommentieren
ossigrazborn
0
4
Lesenswert?

Tolles Projekt, toller Lehrer!

Hut ab!

Antworten

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.