Erinnerung an NS-Opfer26 neue Stolpersteine in Graz verlegt

An 14 verschiedenen Orten in Graz wurde an zahlreiche Opfer des NS-Regimes im Zuge einer Stolpersteinverlegung erinnert. Mit dabei waren auch diesmal wieder die RosaLila PantherInnen, in Vertretung für Anton Zierler, einen Mann, der wegen seiner Homosexualität verfolgt, inhaftiert und letztendlich getötet wurde.

© Alexander Danner
 

26 Menschen, die während des zweiten Weltkrieges Opfer des Nationalsozialismus wurden, bekamen am Mittwoch vom „Verein für Gedenkkultur in Graz“ eine besondere Ehrung. Zu den 122 in den letzten Jahren verlegten Mahnmalen kamen heute an 14 Orten, beginnend am Grieskai und endend am Ulrichsbrünnl, 26 neue hinzu, die mit Inschriften auf die Verfolgten, Vertriebenen, Inhaftierten und Getöteten verweisen. Ziel der Stolpersteinverlegungen ist es, sichtbar und öffentlich an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern und somit die Gedenkkultur in Graz zu fördern.

Graz: 26 neue Stolpersteine verlegt

Am 27. September wurden in der steirischen Landeshauptstadt 26 sogenannte Stolpersteine verlegt, die an die Opfer des NS-Regimes erinnern sollen: Jüdinnen und Juden, Menschen, die im politischen Widerstand waren, homosexuelle Frauen und Männer und andere Verfolgte.

Alexander Danner
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Mehr als 60.000 Tafeln in 22 Ländern

Die Idee stammt vom Kölner Künstler Gunter Demnig, der an die NS-Opfer gedenken möchte, indem er die Messingtafeln vor ihrem letzten, selbstgewählten Wohnort platziert. Mittlerweile gibt es über 60.000 Stolpersteine auf den Straßen von Spanien über Belgien bis nach Russland. Doch nicht nur jüdischen Opfern wird mit den Tafeln gedacht. Auch Menschen, die wegen ihrer ethnischen Herkunft, ihrer politischen oder religiösen Ansichten, aber auch wegen ihrer Sexualität vertrieben, eingesperrt oder getötet wurden, wird mit dieser Idee ein besonderes Stück Aufmerksamkeit geschenkt. Einer von ihnen ist Anton Zierler.

Homosexualität als Todesurteil

Nach Emmerich Gutmann, Alfred Mitkrois und Franz Schwarzl ist Zierler der vierte Mensch, der wegen seiner Homosexualität zum Opfer wurde und einen eigenen Stolperstein in Graz bekam. Zierler, der 1900 geboren wurde und als Halbwaise bei seiner Mutter aufwuchs, stieg schnell vom Lehrling zum Kaufmann und Prokuristen in Graz auf. Bereits 1926 wurde der junge Mann wegen „Unzucht wider die Natur“ zu drei Monaten schweren Kerker verurteilt. Als Homosexueller bei der Polizei bekannt wurde er im März 1943 erneut angeklagt und zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend wurde er als §175-Häftling ins Konzentrationslager Mauthausen geschickt und verstarb dort am 25. April 1945. Beim Schönaugürtel 53 werden nun sein Name, sein Geburtstag und die Daten seiner Verurteilung, Deportierung und Ermordung verewigt bleiben.

Erinnerung für mehr Toleranz

"Gedenken ist wichtig und muss Konsequenzen im Hier und Heute haben. Genau das sind wir auch Menschen wie Anton Zierler schuldig“, so Joe Niedermayer, Vorsitzender der RosaLila PantherInnen. Der Grazer Verein, der sich auf gemeinnütziger Basis für die Rechte der LGBTI-Gemeinschaft und für die Gleichstellung aller Liebens- und Lebensformen einsetzt, sieht sich als „Familie“ der NS-Opfer, die wegen ihrer Sexualität zu solchen wurden. Mit Regenbogenfahnen möchte Niedermayer und sein Verein auch hier ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen: "Bleiben wir wachsam. Kämpfen wir gegen Gewalt und Diskriminierung. Und setzen wir uns weiterhin für eine offene und tolerante Welt ein, in der Vielfalt als Chance erlebbar ist.“

Kommentare (1)

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KarlZoech
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Lesenswert?

"Die Haut der Zivilisation ist dünn, sie kann jederzeit zerreißen."

Diesen Satz sagte die (ost-)deutsche Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley mit Blick auf das barbarische Kriegsgeschehen in Sarajevo in den 1990-er Jahren. Alle Tragödien gerade des 20. Jahrhunderts zeigen, wie richtig diese Erkenntnis ist. Deshalb ist es Auftrag an jede(n) Einzelne(n) von uns, stets achtzugeben und wehrhaft zu sein gegen Unmenschlichkeit und Gewalt, in welchem politischen oder religiösen Kleid diese immer auch auftreten mögen.

Zuerst kommt immer die Gewalt des Wortes, wenn gehetzt wird gegen Menschen und Menschengruppen. Wehren wir daher auch der verbalen Gewalt!

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