Murkraftwerk GrazProtest zwischen Baumschutz und Strafrecht

Die Gegnerschaft des Grazer Murkraftwerks ist längst kein geschlossener Block mehr. Während sich die einen Dialog wünschen, begeben sich andere in den Nahbereich des Strafrechts. Eine Bestandsaufnahme.

Eine Gruppe Aktivisten blockierte kurzfristig die Firmenzufahrt der Energie Steiermark © KK
 

Die jüngste Aktion setzte es am Montagmorgen. Eine Gruppe von rund 20 Aktivisten blockierte eine Stunde lang per Menschenkette die Zufahrt zum Firmengelände der Energie Steiermark, in Händen ein Transparent mit der Aufschrift: "Ihr staut uns. Wir stauen euch." Die laut der Plattform "Rettet die Mur" spontane Aktion sei "ein klares Statement gegen den Bau des Murkraftwerks in Graz und für den anhaltenden Widerstand aus der Bevölkerung."

Zumindest in diesem einen Punkt sind sich die Gegner der in Bau befindlichen Staustufe einig: Man hätte lieber eine Mur, die ohne Kraftwerk und Rückstau fließen kann. In vielen übrigen Fragen dominieren inzwischen jedoch unterschiedliche Zugänge und Vorgangsweisen. Das manifestiert sich einerseits in der Kommunikation nach außen. Diente über Jahre hinweg im Wesentlichen die Bürgerinitiative "Rettet die Mur" als zentrales Sprachrohr zu Medien und als Mobilisierungsmotor, scheint die Anti-Kraftwerks-Bewegung heute zunehmend in Untergruppen zu zersplittern - mit personell zwar starken Überschneidungen, jedoch oft divergierenden Ideen dazu, welche Form des Protests legitim ist und welche nicht. Auf politischer Seite äußern sich die Kraftwerksgegner von Grünen und KPÖ sporadischer als früher zum bereits voll im Gang befindlichen Projekt.

 

Murkraftwerk Graz: Bilder von der Baustelle

Norbert Swoboda
Norbert Swoboda
Norbert Swoboda
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Die ersten Risse innerhalb der Kraftwerksgegnerschaft wurden im heurigen Februar offensichtlich, als der steirische Grünen-Chef Lambert Schönleitner kundtat, dass er statt weiterer Proteste lieber einen "konstruktiven Ansatz und realistischen Zugang" in Form von Gestaltungsvorschlägen im Zusammenhang mit der Staustufe sehen würde. Der Wirbel war - auch innerhalb der Grünen - perfekt. Zu dieser Zeit hatte sich am Rande der Baustelle bereits eine Gruppe von Aktivisten in Verschlägen und Baumhäusern angesiedelt, die trotz einer zwischenzeitlichen polizeilichen Räumung an einem neuen Standort bis heute am Fluss weilt. Die Teilnehmer und Sympathisanten dieses "Murcamps" treten im Gegensatz zu den Protagonisten von "Rettet die Mur" weitgehend anonym in Aktion, treten radikaler auf und haben der Bürgerinitiative die Kommunikationshoheit teilweise abgelaufen.

So verbreitete das "Murcamp" auf Facebook Infos zu geplanten Baustellenbesetzungen, die von einer weiteren auf Facebook aktiven Splittergruppe namens "Aktion Baustopp" organisiert wurden. Diese scheute auch nicht davor zurück, mit dem Feuer des Strafrechts in Berührung zu kommen. Man postierte sich vermummt auf Baggern und verbreitete im Internet Anleitungsvideos, wie der Rechtsstaat zu beugen sei. "Rettet die Mur" sah sich angesichts dessen mehrfach genötigt, sich von solcherart Aktionen öffentlich zu distanzieren.

Wendungen um präparierte Bäume

Jüngster Fall aus der Vorwoche: Das "Murcamp" tat per Aussendung und Facebook-Posting kund, dass Aktivisten Bäume an der Mur mit Nägeln und Metallgegenständen versehen hätten, um deren Fällung zu verhindern. Das Schneiden dieser Bäume könne Sägen beschädigen und Menschen verlezten, so die damit verbundene Warnung: "Ziel der Aktion ist, die Rodungen zu stoppen." Eine Vorgangsweise, die auch vielen Gegnern des Kraftwerks zu weit ging, wenngleich es auch zustimmendes Nicken gab - Motto: Gewalt an der Natur dürfe auch mit Gegengewalt beantwortet werden.

"Rettet die Mur" sah sich abermals veranlasst, sich von dieser Aktion zu distanzieren - allerdings nicht ohne den Medien zuvor vorzuwerfen, die Kraftwerksgegner zu kriminalisieren, weil über die Presseaussendung des "Murcamps" berichtet worden war. Wenig später tat wiederum das "Murcamp" per Aussendung kund, mit den präparierten Bäumen gar nichts zu tun zu haben. Man habe nur über die Aktion anderer Aktivisten berichtet, um die Gesundheit von Mensch und Tier sicherzustellen.

Indes macht mit dem "MurXkraftwerk" eine weitere Splittergruppe mit einer Flut an Aussendungen Stimmung gegen die Staustufe. Diese würde aus Zerstörungswut errichtet, Medien würden "alternative Fakten" erfinden und die Wahrheit verschweigen, "die Mächtigen" würden sogar Jesus "wieder ans Kreuz NAG'Ln", sollte dieser demnächst in Graz erscheinen, um die Schöpfung zu retten. Erklärtes Ziel: Ein Baustopp für das Kraftwerk und eine Wiederaufforstung der Bäume an der Mur.

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Danke für Ihr Verständnis.

aktivearbeitslose
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Zur einer echten DEMOKRATIE

gehört die Vielfalt, darin liegt ihre Stärke. Wer sich nach "geschlossenen Blöcken" sehnt und kritisches Engagement von BürgerInnen zum Schutz von Mensch, Umwelt und Stadt zu kriminalisieren versucht, unterstützt selbst eine autoritäre Gesinnung die gegen Demokratie, Menschenrecht und Aufklärung gerichtet ist!

Die Einseitigkeit der Hofberichterstatter der Kleinen Zeitung sind die beste Bestätigung für die Kritiker des autoritären Kurse eines Bürgermeisters, der gerade rund 25% der Bevölkerung "repräsentiert" aber 100% der Macht für sich beansprucht!

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ASDFGQWERTZ
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Der Wiederstand wächst

Von 2.000 auf 200 und dann auf 20 die vor der Estag stehen ... der Wiederstand wächst ...

Und umgekehrter Folge steigen die Anzahl die gefällte Bäume von 800 auf 2.000 vlt. werdens mal 20.000 ... wer weiß

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calcit
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5
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Damit habts ihr "Aktivisten"...

... nunmehr wohl den letzten Funken an Sympathie vergeigt!

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hakre
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!!

aber Strom wollen sie unbedingt haben!!

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artjom85
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Den Strom?

Welchen Strom? Die geringe Menge an Strom ist die 80 Millionen Steuergeld nicht wert, man könnte ja nicht einmal nur einen halben Grazer Stadtbezirk damit durchbringen.
Nur die nächste Episode der großen Geld-verschwendungsorgien in der Steiermark - und das für absolut nichts, denn so eine geringe Strommenge wie die in Puntigam zu produzierende wäre in Graz in wenigen Minuten weg - vorausgesetz, dass der Bau optimal verläuft und es KEINERLEI Probleme damit gibt.
Verstehen Sie jetzt, wie abartig diese Argumentation ist?

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kundenkarte
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leider ein ...

sehr schlecht recherchierter Artikel.

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Reipsi
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Warum glauben

ein bar Hanseln und Hanselinen das sie die Mehrheit und im Recht sind ? Am liebsten Gewalt ausüben ?

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artjom85
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Du überfliegst einen Artikel und glaubst du weißt alles?

Schon einmal versucht, deine Meinung zwanzig Befehlsempfänger klarzumachen?
Das, was dann passiert ist ECHTE Gewalt, also halte uns nicht irrtümlich für eine verkappte Terrorzelle, nur weil wir eine gerechtfertigte Menung wegen Fake News aufgeben.

Informiere dich vorher!

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artjom85
2
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Richtigstellung

...weil wir eine gerechtfertigte Meinung nicht wegen Fake News aufgeben.

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