Das sollten Sie wissen!Was ist im Wald erlaubt und was verboten?

Waldliebhaber können auf Holz klopfen: Seit 1975 darf den Wald jeder zu Erholungszwecken betreten. Manchmal aber sieht man den Wald vor lauter Schwammerlsuchern nicht. Ein Überblick, wo die Frischluftfreiheit beginnt und wo sie endet.

Adorable little girl picking foxberries in the forest
Was darf man im Wald? © Fotolia
 

1. Darf ich mich in fremden Wäldern aufhalten?

Grundsätzlich ja! Seit der Öffnung des Waldes 1975 darf gemäß Forstgesetz (§ 33) jeder den Wald zu Erholungszwecken nutzen. Doch es gibt auch einige Ausnahmen – Jungwälder mit Bäumen bis zu drei Meter Höhe sind ebenso tabu wie Forstgärten, gekennzeichnete Bannwälder oder wegen Waldbrandgefahr gesperrte Flächen. Ebenso nicht betreten werden dürfen befristete forstwirtschaftliche Sperrungen, etwa bei Holzschlägerungsarbeiten. Achtung! Je nach Art des Verstoßes gegen diverse Sperren können Geldstrafen bis zu 3630 Euro fällig werden.

2. Wem gehören die Pilze und Beeren im Wald? Und wie viele davon darf ich aus dem Wald mitnehmen?

Schwammerln, Pilze, Beeren und sonstiges Waldobst (z. B. Kastanien) gehören dem Waldeigentümer. Dieser kann das Sammeln dieser „Früchte des Waldes“ verbieten, beschränken oder auch Entgelt dafür verlangen, bestätigt man im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft. Wenn der Eigentümer das Sammeln jedoch nicht explizit verbietet (z. B. durch Hinweistafeln), wird angenommen, dass dieser es stillschweigend duldet. Achtung! Bei Pilzen (egal, welche Sorte) und bei Waldfrüchten gilt eine Beschränkung von zwei Kilo pro Person und Tag. Wer dagegen oder gegen ein Sammelverbot verstößt, kann vom Waldeigentümer „im Rahmen der Selbsthilfe“ angehalten werden – auch darf dieser die Ware abnehmen und danach zivilrechtlich klagen. Sammelveranstaltungen sind ebenso verboten, sogar schon die Teilnahme daran kann 730 Euro Strafe nach sich ziehen.

THEMENBILD: SCHWAMMERL / EIERSCHWAMMERL / PILZE
Wie viele darf man mitnehmen? Foto © APA

3. Dürfen Eigentümer ihren Wald einfach absperren?

„Unter gewissen Voraussetzungen ist ein Sperren möglich“, sagt Kammer-Forstdirektor Stefan Zwettler. Befristete Sperren (über vier Monate brauchen sie eine behördliche Bewilligung!) können Waldbesitzer etwa bei Schlägerungsarbeiten anbringen, bei Wind- oder Schneebruchflächen bzw. bei Flächen, in denen Forstschädlinge bekämpft werden. Dauerhafte Sperren sind zulässig bei Christbaumkulturen oder in der Nähe von Wohnhäusern, die von Wäldern umgeben sind. Abgesperrt kann mit Zäunen oder Hinweistafeln werden.

4. Dürfen Hunde frei im Wald herumlaufen?

„Nein. Gegen den landläufigen Glauben müssen Hundebesitzer ihre Tiere auch im Wald an der Leine halten“, erinnert Forstdirektor Stefan Zwettler. Ansonsten würde das Wild zu sehr gestresst werden. Hunde müssen laut Landessicherheitsgesetz an öffentlich zugänglichen Orten entweder Maulkorb tragen oder an der Leine gehen. Hunde, die abseits von Häusern oder Herden allein jagend angetroffen werden, und Katzen, die im Wald umherstreifen, können von Jägern gefangen oder in letzter Konsequenz getötet werden.

5. Darf man Zirbenzapfen zur Schnapsherstellung sammeln?

„Das Sammeln vom Waldboden ist gestattet, sofern es nicht zu Erwerbszwecken durchgeführt wird“, sagt Zwettler. Das Beernten stehender Bäume ist weder nach dem Eigentums- noch nach dem Forstgesetz gestattet. In Kärnten sind Zirben naturschutzrechtlich sogar noch stärker geschützt – hier gilt eine Beschränkung von drei Zapfen und drei Zweigen bis 50 Zentimeter pro Person und Tag. Achtung also beim Sammeln im Grenzgebiet!

6. Darf ich im Wald ein Lagerfeuer entzünden?

Im Forstgesetz 1975 wird geregelt, dass im Wald und auch in Waldnähe das Entzünden von Feuer verboten ist (Ausnahme: Eigentümer, berechtigte Forst- und Jagdorgane und Personen, die eine schriftliche Bewilligung vom Besitzer haben). Verboten ist auch der unvorsichtige Umgang mit feuergefährlichen Gegenständen (Wegwerfen von Zigaretten, Zündhölzern). Darüber hinaus kann die Behörde (siehe Frage 8) bei Waldbrandgefahr noch einmal strengere Regeln auferlegen.

Streitpunkt Mountainbiken Foto © Fotolia

7. Darf man mit dem Mountainbike durch den Wald fahren?

In Österreich ist das Befahren des Waldes und aller Wege nur mit Erlaubnis des Waldeigentümers erlaubt. Die Zustimmung kann den Bikern persönlich oder allgemein (durch Hinweistafeln) gegeben werden. Naturfreunde, Alpenverein und Biker-Organisationen fordern seit Jahren vehement die Öffnung von Forststraßen für Biker, was zuletzt immer wieder für Kontroversen zwischen Radfahrern und Eigentümern (samt Gerichtsverfahren, wenn Biker unerlaubt im Wald geradelt sind) geführt hat.

8. Die Waldbrandgefahr war heuer durch Hitze hoch. Gelten besondere Regeln?


Ja. Bei besonderer Brandgefahr (Hitze, Trockenheit) kann die Forstbehörde in gefährdeten Gebieten jegliches Feuerentzünden, aber auch das Rauchen im Wald ausnahmslos verbieten. Dies geschieht (heuer bereits mehrmals passiert) durch Verordnungen von Bezirkshauptmannschaften. Wer dagegen verstößt und z. B. achtlos eine Zigarette wegwirft, kann laut Forstgesetz (§ 174) mit einer Geldstrafe von bis zu 7270 Euro (!) oder einer Freiheitsstrafe von bis zu vier Wochen belangt werden.

9. Viele verwenden Lärchenzweige zur Schnapsherstellung. Darf man diese einfach abbrechen?

„Das Abbrechen von Lärchenzweigen und -trieben ist ohne die Zustimmung des Waldeigentümers keinesfalls gestattet“, so Forstdirektor Zwettler. Vielfach würden nämlich Äste und Wipfel von Bäumen rücksichtslos abgebrochen, was zu großem Schaden für den Baum, aber auch für das sensible Ökosystem führe.

10 Wie soll man sich im Wald verhalten?

„Der Wald ist zwar zur Erholung für jeden benutzbar, aber nicht Allgemeineigentum“, sagt Forstdirektor Zwettler. Waldbenutzer sollten daher in jedem Bereich rücksichtsvoll sein, weil es viele Interessen (Wildtiere, Eigentümer, Pflanzenwelt) zu respektieren gebe. Ruhe sei oberstes Gebot. Auch gilt abseits von Forststraßen und Wegen (wo der Eigentümer haftet und für Instandhaltung zuständig ist) eine Eigenhaftung durch den Nutzer.

 

 

Kommentare (1)

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tannenbaum
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Lesenswert?

Es wird höchste Zeit, das zuständige Stellen endlich gegen jehne vorgehen, welche völlig unbegründet und aus reinem Egoismus ihren Wald zu ganzjährigen, unbefristeten Sperrgebiet erklären! Und wenn sie ein 4 jähriger Mädchen mit einem halbvollen Joghurtbecher mit Schwarzbeeren erwischen, sich aufführen als hätte ihnen jemand Haus und Hof angezündet!

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