Letzter AuswegSteirischer Schmerzpatient kämpft für Cannabis-Legalisierung

Seither sind Schmerzen sein täglicher Begleiter: Der Kapfenberger David Kokas (30) kämpft für die Legalisierung von Cannabisanbau für medizinische Zwecke.

David Kokas sieht Cannabis als letzten Ausweg © Andreas Schöberl-Negishi
 

Als seinen letzten Ausweg sah David Kokas (30) aus Kapfenberg, sich Cannabis als Medizin selbst anzubauen. Das war Ende 2013. Zu diesem Zeitpunkt nahm er bereits seit sechs Jahren Opiate gegen seine chronischen Schmerzen. Kokas hat einen schweren Gendefekt, der ihm seit der Jugend zahlreiche gravierende medizinische Probleme bereitet.

Seither sind Schmerzen sein täglicher Begleiter. „Seit sieben Jahren bin ich Invaliditätspensionist. Vor vier Monaten habe ich die I-Pension unbefristet genehmigt bekommen“, sagt Kokas. Die Schmerzmittel seien im Laufe der Jahre immer mehr geworden. Dadurch habe sich auch die psychische Verfassung verschlechtert. „Ich musste dazu noch Antidepressiva nehmen.“ Er sei zu dieser Zeit durch die Nebenwirkungen der Medikamente wie ferngesteuert gewesen.

2012 sei ihm das erste Mal das Cannabis-Präparat Dronabinol verschrieben worden. Das Präparat sei sehr teuer und er habe es privat bezahlen müssen, da die Krankenkasse die Bezahlung abgelehnt habe. 140 bis 210 Euro müsse man für zehn Milliliter berappen. Fünf bis sieben Tage komme er mit dieser Menge aus. Mithilfe des Präparats sei es ihm viel besser gegangen, er habe es sich aber nicht dauerhaft leisten können.

Grüner Daumen

„Dann habe ich begonnen, einen grünen Daumen zu entwickeln. Außerdem habe ich mich intensiv über das Thema Cannabis als Medizin im Internet und auf einer Messe informiert“, so Kokas. Auf Facebook habe er eine eigene Gruppe zu dem Thema gegründet: „Ich habe von vielen Patienten gehört, denen es ganz ähnlich geht wie mir.“ Mithilfe seines selbst angebauten Hanfs sei es ihm wesentlich besser gegangen: „Ich habe 70 Prozent meiner Lebensqualität wiederhergestellt.“ Die Einnahme der Schmerzmittel und Antidepressiva habe er deutlich zurückfahren können.

Er sei häufig untersucht worden und alle Ärzte würden Cannabis als Medizin in seinem Fall befürworten, sagt Kokas und kann auch eine dicke Mappe mit entsprechenden Befunden vorlegen.

Ich wurde verurteilt, weil ich die Medizin hergestellt habe, die ich am besten vertrage. 

David Kokas, Schmerzpatient

Heuer wurde Kokas allerdings als „self grower“ vom Strafgericht in Leoben zu 18 Monaten Freiheitsstrafe bedingt verurteilt. Dieses Urteil akzeptiere er zwar, empfinde es aber als zu hart, „dafür, dass ich die Medizin selbst herstellen musste, die ich am besten vertrage. Denn THC-haltige Präparate wie Dronabinol oder Sativex sind sehr wohl erlaubt.“ Sie würden von Ärzten aber nur sehr selten verschrieben und vom Chefarzt ebenso selten genehmigt. Und privat seien diese Präparate schwer leistbar.

Der Konsum von Cannabis würde ihn in keiner Weise einschränken. Er bleibe klar im Kopf, habe aber keine Schmerzen mehr.

Ohne Führerschein

Er gehe mit seiner persönlichen Geschichte an die Öffentlichkeit, weil er Patienten aufklären wolle, meint Kokas. „Ich verstehe nicht, warum man das nicht nutzen darf. In anderen Ländern ist das ja auch zugelassen. Die Debatte ums Thema Cannabis als Medizin hinkt in Österreich leider total hinten nach“, bemängelt er.

Seiner Meinung nach seien die Politiker am Zug, um die Gesetze dementsprechend anzupassen. Er habe nun neben den vorhandenen Problemen noch eines dazu bekommen: „Mir wird voraussichtlich der Führerschein für zwölf Monate abgenommen – ohne Fahrzeugkontrolle.“

Kommentare (1)

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docholliday
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2
Lesenswert?

Wenn nur dronabinol

Tropfen helfen MUSS die krankenkasse bezahlen. Aber bitte zuerst ins schmerzzentrum, dann kann der chefarzt purzelbäume schlagen und wichtig an den ombudsmann der krankenKasse wenden.

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