Minus 6 GradBauern kämpften mit Kerzen, brennenden Strohballen und Eis gegen die Kälte an

Mehrere Tausend steirische Bauern waren in der frostigen Nacht auf Freitag auf den Beinen und kämpften mit verschiedensten Mitteln gegen den Frost an. Gegen sechs Uhr früh sanken die Temperaturen vielerorts auf minus 6 Grad - und damit auch die Zuversicht. Derzeit lautet der Tenor: "Die Hoffnung, dass es uns nicht so arg erwischt, erfüllt sich leider nicht."

Tausende Bauern waren die ganze Nacht über im Einsatz, um ihre Pflanzen vor dem Frost zu retten © (c) APA/ERWIN SCHERIAU
 

Nach den Schneemassen im Nordosten und den Sturmschäden im ganzen Land schwenkte das Wetter in diesem verrückten April in der vergangenen Nacht auf empfindlichen Frost um. Und dieser hat - Stand Freitagvormittag - wohl neuerdings schwere Schäden bei Obst- und Weinkulturen in der Steiermark angerichtet.

Die Vorzeichen, dass sich das Katastrophenjahr 2016 mit massiven Ernteausfällen bei Obst und Wein (rund 200 Millionen Euro Schaden) wiederholen könnte, waren denkbar schlecht. Wo der Wind nachgelassen hat und sich dadurch die Kälte absenken konnte und die Wolken aufklarten, sanken die Temperaturen schon relativ bald in den Minusbereich ab.

Kälteeinbruch: Südsteirische Weinbauern kämpfen gegen Frost

 

In Gleisdorf und Fürstenfeld hatte es kurz nach Mitternacht schon -1,5 Grad, in St. Margarethen/Raab minus 2,5 Grad, wodurch die Pflanzen in diesen Gebieten viele Stunden lang der Kälte ausgesetzt waren.

 

Frost: Der Kampf gegen die Minus-Temperaturen

Tausende Bauern waren in der Nacht auf Freitag in der ganzen Steiermark im Einsatz, um gegen den Frost anzukämpfen.

Jürgen Fuchs

Das Abbrennen von Strohballen ...

Jürgen Fuchs

... oder Schwedenkerzen, auch Paraffinkerzen waren im Einsatz.

Robert Lenhard

Wie hier in Gamlitz beim Weingut Muster.

Robert Lenhard

Weinbauer Reinhard Muster befürchtet allerdings schwere Schäden durch den Frost.

Robert Lenhard

"Wir haben es versucht", lautet die pragmatische Antwort.

Robert Lenhard

Ob es geholfen hat, könne man jetzt noch nicht sagen, da sich erst mit dem Braunwerden der Triebe zeigt, wo der Frost zugeschlagen hat.

Robert Lenhard

Im Moment geht er allerdings von ähnlich großem Schaden wie im Vorjahr aus.

Robert Lenhard

Ungewöhnlicher Anblick: Ein Klapotetz im Rauch

Robert Lenhard

Für eine exakte Einschätzung der Schadenshöhe sei es noch zu früh, sagt auch der Obmann der Erwerbsobstbauern Rupert Gsöls.

Ulrich Dunst

Mit der Frostberegnung wurde versucht die Blüten vor den Minusgraden zu schützen.

Ulrich Dunst

Allerdings werden auch hier enorme Schäden befürchtet.

Ulrich Dunst

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Ulrich Dunst
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Verrauchtes Gamlitz in den Morgenstunden Foto © Robert Lenhard

Um 4 Uhr war die Temperatur auf vielen steirischen Wein- und Obsthängen bereits auf minus 4 Grad gefallen. "Wenn das so weitergeht, könnte es ärger werden als im Vorjahr", sagte zu dieser Zeit der sichtlich nervöse Winzer Franz Hutter, der in der Nacht Strohballen abgeheizt hat, um damit Rauch zu erzeugen und Wärmeabstrahlung zu verhindern (siehe Video).

Heizen gegen den Frost

Die Kleine Zeitung war in dieser Nacht auch mit Rupert Gsöls, dem Chef der Erwerbsobstbauern, unterwegs, beim Blick auf die Temperaturkarte um 5.30 Uhr in der Früh wurde er nachdenklich: "Minus 5,9 Grad in Blumau, minus 4,5 Grad im Apfelgebiet Puch-Klettendorf - da ist zu befürchten, dass es mit der Ernte für dieses Jahr schon wieder gelaufen ist."

"Haben mit minus 6 Grad den Vogel abgeschossen"

Demensprechend zerknirscht gab sich in der Früh auch der Oberfeistritzer Obstbauer Karl Schloffer, der schon im Vorjahr 95 Prozent Ertragsausfall verkraften musste: "Wir haben heute mit minus 6 Grad wohl den Vogel abgeschossen. Wir werden erst sehen, wie die Apfelblüten das überstanden haben." Was bei ihm verschärfend dazukommt. Schloffer hätte seine empfindlisten Apfelanlagen heuer eigentlich in eine neuartige Vlies-Konstruktion eingepackt. "Doch dann kam der starke Wind, der hätte uns fast alles umgerissen, deshalb mussten wir das Vlies abnehmen." - Und in der Nacht darauf kam der Frost.

 

Kampf gegen den Frost: Die Landwirte rüsten sich

Weingut Wiedersilli

Die Weinbauern aus der südlichen und westlichen Steiermark rüsten sich - mit unterschiedlichen Mitteln.

Markus Terrant/Antenne Steiermark

Weingut Wiedersilli

Das Weingut Wiedersilli in Wies setzt etwa auf brennendes Speiseöl.

KK

Weingut Wiedersilli

Es wird um Dosenspenden gebeten.

KK

Weingut Müller Wiedersilli

Weingut Müller Wiedersilli

KK

Weingut Wiedersilli

Weingut Müller Wiedersilli

KK

Weingut Wiedersilli

Weingut Müller Wiedersilli

KK

Weingut Lieleg

Winzer Harald Lieleg setzt auf Planen.

KK

Weingut Lieleg

Damit werden die Reben abgedeckt.

KK

Weingut Lieleg

Weingut Lieleg

KK

Weingut Melcher Gamlitz

Auch Arnold Melcher setzt auf Abdeckvliese.

KK

Weingut Melcher Gamlitz

Gestern startete er kurzfristig einen Aufruf an freiwillige Helfer.

KK

Weingut Melcher Gamlitz

Gut 50 tüchtige Leute halfen schon heute Vormittag mit, die wertvollen Weinstöcke vor etwaigen Frostschäden zu schützen.

KK

Weingut Melcher Gamlitz

Weingut Melcher Gamlitz

KK

Weingut Melcher Gamlitz

Weingut Melcher Gamlitz

KK

Weingut Melcher Gamlitz

Weingut Melcher Gamlitz

KK

Weingut Melcher Gamlitz

Weingut Melcher Gamlitz

KK

Weingut Muster Grubtal

Beim Weingut Muster in Grubtal setzt man wiederum auf Stroh.

KK

Weingut Muster Grubtal

Das Feuer soll die Temperaturen über null Grad halten.

KK

Weingut Potzinger

Stefan Potzinger hofft ebenfalls, den Frost mittels Flammen abzuwehren.

KK

Weingut Hainzl-Jauk

Auch beim weststeirischen Weingut Hainzl-Jauk bereitet man sich auf den möglichen Frost vor

Hainzl-Jauk

Weingut Hainzl-Jauk

In den Weinlagen in Aichegg und Wildbach könnten Feuer entzündet werden

Hainzl-Jauk

Weingut Hainzl-Jauk

Hilfe gab es heute von vielen Freiwilligen und auch der Feuerwehr

Hainzl-Jauk

Weingut Hainzl-Jauk

Hainzl-Jauk

Weingut Hainzl-Jauk

Hainzl-Jauk

Weingut Hainzl-Jauk

Hainzl-Jauk
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"Das war eine absolute Notsituation"

Auch Wolfgang Mazelle, Leiter der Obstbauabteilung in der Landwirtschaftskammer, ist heute früh bereits Obstbauern abgefahren. Sein Eindruck? Während er in der Früh noch die Hoffnung hegte, "dass es uns heuer nicht so arg erwischt hat", klang der Experte um 10 Uhr bereits anders: "Mit jedem Besuch verdichtet sich der Eindruck, dass es wieder massive Schäden geben wird." Auch bei der Hagel- und Frostversicherung teilt man diesen Eindruck.

Kältester Ort mit -7,6 Grad

Auch in der Steiermark hat der Frost zugeschlagen. Das sind die tiefsten Werte, die an Zamg-Messstellen gemessen wurden:

  • -7,6 Grad in Seckau
  • -7,1 Grad am Schöckl
  • -6,8 Grad in Ramsau

Alle weiteren Tiefstwerte der vergangenen Nacht finden Sie hier.

Das Raabtal ist inzwischen in eine Rauchwolke getaucht. Dafür bittet Mazelle die Bevölkerung um Verständnis: "Das war eine absolute Notsituation!" Vom Land gibt es hierfür eine eigene Ausnahme-Verordnung, die etwa das Abbrennen von Strohballen oder Schwedenfeuern zur Frostbekämpfung erlaubt.

Durch die kalten Temperaturen rollt sich dieses Weinblatt in Hartberg bereits ein - das tatsächliche Ausmaß der Schäden wird man am Nachmittag sehen Foto © Ulrich Dunst

Höhere Lagen wohl weniger betroffen

Sofern es so kurz nach dieser turbulenten Nacht schon ein kleines Fazit gibt, wie die Gegenmaßnahmen der Bauern geholfen haben: "Das Räuchern hat begrenzt gut funktioniert", heißt es seitens vieler Obst- und Weinbauern. Eine bittere Erkenntnis mussten manche Winzer machen, die ihre Rebstöcke in Vlies eingepackt haben. Oftmals wurden innerhalb des Vlieses tiefere Temperaturen gemessen als außerhalb. Doch überall herrschte der Tenor: "Wir haben es wenigstens versucht". Nur zu warten und zuzusehen wie die Temperaturen hinuntergehen, "ist einfach keine Option", sagt Winzerin Ingrid Hutter aus Feldbach.

Auf einen kleinen Lichtblick, obwohl es bei ihm heuer auch um einen Grad kälter (minus 4,7 Grad) war als am kältesten Apriltag des Vorjahrs, weist der Hartberger Winzer Wolfgang Retter-Kneissl hin: "Durch die kalte Karwoche und die Trockenheit ist die Reben-Entwicklung heuer noch nicht so weit als im Vorjahr."

Die Rauchwolke über dem Raabtal Foto © Ulrich Dunst

Seit Tagen haben sich vor allem Obst- und Weinbauern im ganzen Land mit allen nur möglichen Mitteln auf den Kampf gegen den Frost vorbereitet. Ein zweites Jahr mit Ertragsausfällen bis zu 99 Prozent wäre für viele existenzbedrohend.

Frostberegnung in Gsöls

Lange Nacht für Bauern: Mühsamer Kampf gegen den Frost in Untertiefenbach

Schon den ganzen Tag über arbeitete Singer mit seiner Familie in den weitläufigen Obstanlagen und bereitete sich auf eine kalte Nacht vor.

Johann Zugschwert

In langen Reihen stehen wie kleine weiße Kübel zwischen den Baumreihen die Paraffinkerzen, ...

Johann Zugschwert

... in größeren Abständen die Strohballen zum Abbrennen um mit der erwärmten Luft die Frostgefahr zu mildern.

Johann Zugschwert

Es ist später Nachmittag und in unregelmäßigen Böen bläst ein kalter Wind über die Obstgärten rund um das Anwesen von Sepp und Anna Singer.

Johann Zugschwert

Neben Erdbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und Pfirsichen reifen Birnen und dreizehn Apfelsorten auf einer Fläche von dreizehn Hektar.

Johann Zugschwert

Die empfindlichen Blüten sind bereits da.

Johann Zugschwert

Müde und angespannt blickt der beherzte Landmensch in den bewölkten Himmel und durch die Obstreihen und zeigt auf die Kerzenreihen. „Wir haben 700 dieser Kerzen aufgestellt, dazu auch Strohballen und bei den bereits blühenden Erdbeeren haben wir die Beregnungsanlage einsatzbereit gemacht“, sagt Singer, dabei klingt die Hoffnung mit, diese kalte Nacht gut zu überstehen.

Johann Zugschwert

Bei einem Stückpreis von mehr als zehn Euro pro Paraffinkerze ist es eine ordentliche Investition und diese Hoffnung mehr als verständlich.

Johann Zugschwert

Es ist vier Uhr früh und noch finstere Nacht, doch auf Singers Obsthof herrscht schon reges Treiben. In der Obstanlage rund um das Bauernhaus fackeln die Kerzen und erzeugen eine beinahe romantische Stimmung.

Johann Zugschwert

Mit dem Sohn Josef, seiner Partnerin Viktoria und einigen Helfern sind es neun Personen, die in dieser Nacht durchgearbeitet haben. „Der Wind ist in der Nacht eingeschlafen und die Temperatur ist je nach Lage knapp unter den Gefrierpunkt gesunken, doch in der klaren Nacht kühlt es bis zum Sonnenaufgang weiter ab“, sagt Anna Singer.

Johann Zugschwert

Mit dem Sonnenaufgang und dem Ansteigen der langsamen Erwärmung der Luft geht für die Familie Singer wie auch für viele Obstbauern eine lange Nacht zu Ende. Der massive Kälteeinbruch ist vorerst ausgeblieben, auch wenn die Gefahr für die nächsten Nächte noch weiter bestehen bleibt.

Johann Zugschwert

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Johann Zugschwert
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Johann Zugschwert
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Südoststeiermark: So versuchen Bauern ihre Ernte zu retten

Auch in Gnas galt der Kampf dem Frost.

Johann Schleich

Beregnung bei einer Gemüsekultur in Maierdorf

Johann Schleich

 Maierdorf

Johann Schleich

Auch Christoph Neumeister in Straden versuchte seine Lagen zu beheizen und zu räuchern ...

Johann Schleich

Sonnenaufgang in Straden

Johann Schleich

Mit der Sonne wurde es noch einmal kurz kälter

Johann Schleich

Weingut Neumeister in Straden

Johann Schleich

Oberweißenbach

Johann Schleich

Oberweißenbach

Johann Schleich

Weinhof Rauch in St. Peter

Johann Schleich

Weinhof Rauch in St. Peter

Johann Schleich

Weinhof Rauch in St. Peter

Johann Schleich

Straden

Johann Schleich

Straden

Johann Schleich

Maierdorf

Johann Schleich

St. Peter

Johann Schleich

Straden

Johann Schleich

Straden

Johann Schleich

Straden

Johann Schleich

Rauchfelder um den Saziani in Straden

Marlene-Dietrich Eibl

Rauchfelder um den Saziani in Straden

Marlene-Dietrich Eibl

Rauchfelder um den Saziani in Straden

Marlene-Dietrich Eibl

Rauchfelder um den Saziani in Straden

Marlene-Dietrich Eibl
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Auch Weinbauer Reinhard Muster aus Gamlitz befürchtet schwere Schäden. In der Früh hatte es noch immer minus fünf Grad. "Wir haben uns gut vorbereitet, auch viele andere Kollegen versuchen alles", so Muster. Beim Muskateller befürchtet er, dass die Triebe, die schon ausgetrieben sind, dem Frost zum Opfer fielen. Muster meint, dass die Schäden erst am Nachmittag sichtbar werden.

Interview mit Reinhard Muster

Harald Lieleg in Eichberg-Trautenburg hat seinen gelben Muskateller in Vlies eingepackt. In tieferen Lagen hat er bereits Schäden entdeckt, in höheren Lagen dürfte es besser aussehen.

Harald Lieleg mit einer ersten Bilanz

Bei Franz Hutter in Feldbach zum Beispiel wurden in der heutigen Nacht Strohballen abgebrannt, auch hat er Dutzende Baumstämme vorbereitet, um daraus Schwedenfeuer zu machen.

Obstbauern wie Rupert Gsöls in Raabau oder Fritz Prem in Kopfing haben heute Nacht ihre Frostberegnungsanlage im Einsatz. Das Prinzip: Die jungen Früchte bzw. Blüten werden mit Wasser besprüht. Der Eismantel schützt die Früchte vor noch tieferen Temperaturen, weil im Inneren Kristallisationswärme frei wird. Dies erkärt Fritz Prem in diesem Video:

Frostberegnung gegen die Kälte

 

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