EU-Limit

Feinstaub: Kontingent ist schon erschöpft

Eineinhalb Monate vor dem Jahresende hat das Land das EU-Limit beim Feinstaub bereits ausgeschöpft. Das Kunststück aus dem Vorjahr, alle Auflagen einzuhalten, dürfte heuer nicht gelingen. Von Günter Pilch

In Graz-Ost wurden 2015 bereits 36 Feinstaubtage gemessen
In Graz-Ost wurden 2015 bereits 36 Feinstaubtage gemessen © APA
 

Sonnenschein und außergewöhnlich milde Temperaturen – nicht gerade die Wetterlage, bei der man überhöhte Feinstaubwerte erwarten würde. Doch falsch gedacht: „Tatsächlich haben wir in den vergangenen Wochen etliche Feinstaub-Überschreitungen registriert“, sagt Thomas Pongratz, Leiter des Landesreferats für Luftreinhaltung. Der Grund: In den Bergen war es morgens meist noch wärmer als im Tal. Diese Inversionswetterlage hat die Staubkonzentration begünstigt. Erst in den vergangenen Tagen hat sich die Situation gebessert. Der Raum Graz liegt nun knapp unterhalb der ausschlaggebenden 50-Mikrogramm-Grenze beim Staub.

Vertragsverletzung

Bislang ist 2015 in Sachen Luftbelastung weniger günstig verlaufen als das Vorjahr. Zur Erinnerung: 2014 gelang es in der Steiermark erstmals, die Brüsseler Vorgaben bei der Feinstaubbelastung flächendeckend einzuhalten – zumindest mithilfe der mildernden EU-Berechnungsart. Die Kommission stellte daraufhin das seit Jahren laufende Vertragsverletzungsverfahren ein. Glück gehabt, könnte man sagen. Denn heuer dürfte dasselbe Kunststück nicht mehr gelingen. Tatsächlich hat die Messstation Graz-Ost (nach vorläufigen Werten) bereits 36 Überschreitungstage aufgezeichnet – einen mehr als erlaubt. Leibnitz hält bei 31 Feinstaubtagen, Graz-Don-Bosco bei 25. Damit liegt das Land eineinhalb Monate vor Jahresende etwa dort, wo es 2014 am 31. Dezember lag. Dabei ist das heurige Feinstaub-Jahr laut den Landesexperten immer noch eines der mildesten seit Messbeginn. „Nur ist im Vorjahr das Frühjahr extrem günstig verlaufen, was am Ende eine dermaßen gute Bilanz bewirkt hat“, sagt Pongratz.

Landesrat fordert Maßnahmen

So gesehen besteht auch für den zuständigen Landesrat Jörg Leichtfried (SPÖ) kein Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Angebracht sei das erst, wenn auch in meteorologisch ungünstigen Jahren die Grenzwerte eingehalten werden, lässt er wissen. Bis es so weit ist, müssten weiter emissionsmildernde Maßnahmen gesetzt werden. Zurückhaltend zeigt sich Leichtfried auch gegenüber der von der Wirtschaft geforderten weiteren Verkleinerung der Feinstaub-Sanierungsgebiete. Diesbezügliche Untersuchungen seien zwar am Laufen, doch es sei mit Bedacht vorzugehen. Vermeiden will Leichtfried, dass Regionen aus den Sanierungsgebieten entlassen werden, die später wieder eingegliedert werden müssten.
Budgetär ist der Feinstaub-Etat für die nächsten zwei Jahre abgesichert. 6,5 Millionen Euro stehen jährlich zur Verfügung.

Kommentare (3)

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Efried
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unmoralsiche Untätigkeit

Es ist nachgerade unmoralisch wie unsere Politiker mit dem Problem umgehen.
Weiträumig wird es nicht anders gehen als in der Landwirtschaft strengere Regeln einzuführen um die Ammoniakemissionen einzudämmen und der VW-Skandal sollte dazu motivieren, die LKW und Busse auf die Rolle zu stellen und einer Abgassonderuntersuchung zu unterziehen. Mittelfristig sollten in Graz nur mehr Busse und LKW mit Partikelfilter unterwegs sein...

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MartinP
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Und wie sollen diese Maßnahmen im Detail

ausschauen? Der größte Emittent, der Individualverkehr, wird sich ohne "Pickerl" wohl kaum verringern? Park&Ride-Systeme sind kaum vorhanden oder funktionieren wegen ungünstiger Anbindung des öffentlichen Transportsystems nicht. Das Problem ist seit über 30 Jahren bekannt, aber eine Regierung schiebt es ungelöst weiter zur nächsten.

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Efried
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größte Emittent?

das stimmt schon, aber nur wenn die Aufwirbelung des Feinstaubs durch die Fahrzeuge mit berücksichtigt wird.
Und so gesehen emittieren alle mit ihren so sauberen SUVs mit Partikelfilter, oder Hybridantrieb dennoch...

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