Claudia Rossbacher

Leben im mörderischen Idyll

Claudia Rossbacher ist für ihre Steirer-Krimis berühmt. Doch erst seit Mai wohnt sie mit Ehemann Hannes im Steirerland. Ein Besuch bei den Rossbachers am Reinischkogel. Von Robert Preis

© Gery Wolf
 

Es nieselt. Vom Tal her wälzt sich die Nebelwand heran. Ein Haus am Waldrand. Es ist feucht und kalt. Herrlich! Besser könnte die Stimmung für Mord und Totschlag nicht sein.

Das denkt sich wohl auch Claudia Rossbacher jeden Tag und hat vor lauter Glückseligkeit mitunter Mühe, in düstere Stimmung zu verfallen. Das wiederum ist schlecht, denn finstere Gedanken sind das Brot der 49-jährigen Wienerin. Immerhin ist sie seit Jahren Aushängeschild des Steirer-Krimis.

Wir befinden uns in Sommereben am Reinischkogel in der Nähe der Hahnhofhütte, einem beliebten Ausflugsziel. Ein kleines Häuschen umgeben von Wald und einer Aussicht aufs Tal, die atemberaubend ist. Drinnen eine Mischung aus anno dazumal und Hightech. Ein Flatscreen an der Wand im Wohnzimmer, die Steirer-Krimis in der Kredenz der Küche. Oben wird geschlafen und gearbeitet, die Balkone sind geradezu niedlich schmal. Auch im Garten der ideale Platz zum Schreiben.

Durch Zufall fanden die Rossbachers dieses Haus, das sie seit Mai gemietet haben. Vorerst vorübergehend für ein Jahr, „aber es sieht so aus, als würden wir länger bleiben“. Für die Autorin war es „wie Heimkommen“, denn ganz in der Nähe verbrachte sie in ihrer Kindheit die Sommerferien. Und so kommt es, dass der sechste ihrer Steirer-Krimis zur Premiere wird: „Ja, denn es ist das erste Mal, dass ich ihn auch komplett in der Steiermark schreibe“, kündigt Claudia Rossbacher den nächsten Fall des Ermittler-Duos Sandra Mohr und Sascha Bergmann für kommenden Juli an. Bis dahin feilt sie nicht nur an der Endfassung des Romans (der übrigens in der Oststeiermark spielen wird), sie fiebert nach „Steirerblut“ auch der Verfilmung ihres dritten Buchs „Steirerkind“ entgegen – im Jänner wird beim Schladminger Nachtslalom gedreht.

So wird das Haus am Reinischkogel durchaus zum Rückzugsort einer Karriere, die ebenfalls wie ein perfekter Slalom verläuft. Was im Übrigen auch auf Lebenspartner Hannes Rossbacher zutrifft. Er genießt die Ruhe meist im Schuppen, der nur bei Hagel als Garage dient, sonst aber ein perfektes Atelier hergibt.

Denn einst Grafikdesigner, ist der 68-jährige Murtaler heute Maler und seit 1992 kongenialer Partner seiner Claudia. „Ich arbeite derzeit an meinem Zoff-Zyklus. Das Zoff ist ein geschlechtsloses Wesen, das allerhand zu sagen hat.“ 24 Sujets sind bereits gemalt, 30 sollen es werden. Die Vernissage findet 2016 im Loisium in Ehrenhausen statt. Und es ist bei Weitem nicht seine erste. Hannes Rossbacher hat ja sogar schon in Hongkong und Shanghai ausgestellt, ist zudem Fotokünstler – und meist Schöpfer der unvergleichlichen Krimi-Covers seiner Frau.

Kunst & Natur

Je länger man verweilt in dem kleinen Domizil in der Weststeiermark, wird einem klar, wie kraftvoll dieser Ort ist. „Hier ist es ruhig, es kommen ja nicht einmal Wanderer vorbei“, freut sich die Autorin. Doch so abgeschieden der Ort ist, „das Internet ist sogar schneller als in Wien“. Überhaupt geht ihr das Stadtleben nicht ab. „Ich habe ohnehin mehr als 30 Lesungen pro Jahr – wir sind oft unterwegs. Und außerdem wird in der Wiener Nachbarschaft gerade gebaut.“

Wanderern am Reinischkogel könnte es also durchaus passieren, den Rossbachers noch öfter zu begegnen. Etwa beim Beerensammeln für die selber gemachten Marmeladen (die macht Hannes), oder beim Schwammerlsuchen fürs Kochen (das erledigt die gelernte Köchin Claudia). Oder beim Langlaufen: „Deshalb freuen wir uns schon so auf den Winter, wenn wir eingeschneit werden.“ Wetten, dann wird auch wieder gemalt und geschrieben!

ROBERT PREIS

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