Kürbisernte

Im Sommer wird das Kernöl knapp

Trotz Luxuspreisen nach Katastrophen–ernte bleiben Konsumenten dem „grünen Gold“ treu. Neue Flasche soll das Produkt weiter „veredeln“. Doch Ölreserven schwinden. Von Robert Lenhard, Bernd Hecke und Ulrich Dunst

© Jürgen Fuchs
 

Es reichte eine kühler Frühling, ein Spätsommertag mit Starkregen samt Überschwemmungen – und die halbe steirische Kürbisernte ging 2014 den Bach hinunter. Kurzarbeit in Ölmühlen und drohende Rekordpreise sorgten im Herbst bei den Produzenten wie Konsumenten für Sorgenfalten. Zumindest was die Preise angeht, sind die Befürchtungen eingetreten. Derzeit zahlen Steirer auf Bauernmärkten und Ab-Hof-Käufen zwischen 18 und 20 Euro, im Handel werden bis zu 24 Euro fällig, was einer Steigerung von 15 bis 20 Prozent entspricht.

Das sei die absolute Schmerzgrenze, sagte der Obmann der Gemeinschaft steirisches Kürbiskernöl (g.g.A.) Franz Labugger schon vor Weihnachten. Er erinnerte daran, dass frühere Preissprünge schon für Verkaufseinbrüche gesorgt hätten. Zumindest das bleibt den Produzenten heuer bis dato erspart, sagt Labugger: „Bis jetzt spüren wir beim Einkaufsverhalten noch nichts.“ Der Ansturm aufs „grüne Gold“ starte aber erst mit der Salatsaison. Dann wisse man, woran man sei, hoffen die Lieferanten auf die Treue der Kunden im In- und Ausland.

Engpass im Sommer

Bleibt die Nachfrage allerdings erwartet hoch, droht schon das nächste Ungemach, weiß der Kernöl-Obmann: „Denn dann wird es bei einigen Lieferanten schon im Sommer einen Engpass geben. Der eine oder andere Direktvermarkter wird im Sommer sicher leer sein.“ Zur Lieferung der bereits abgeschlossenen Jahreskontingente müsse daher schon zum Teil die Ernte 2015 herangezogen werden – von der man noch keineswegs weiß, wie hoch sie ausfallen wird. Zumindest wird die Anbaufläche aber stark ausgeweitet (siehe Interview).

Herr Labugger, die Preise bewegen sich mit 24 Euro für einen Liter Kernöl im Handel längst an der Schmerzgrenze, die sie im Vorjahr befürchtet haben. Kann man es nicht billiger geben?

FRANZ LABUGGER: Wir hatten nach den massiven Ernteeinbußen im Vorjahr keine andere Möglichkeit, als Kerne teuer zuzukaufen. Deshalb liegen die Preise jetzt dort, wo sie sind.


Und es sind im steirischen Kernöl sicher keine China-Kerne verarbeitet?

LABUGGER: In allen steirischen g.g.A.-Kernölen sind nur Kerne aus dem g.g.A.-Gebiet drinnen – also aus der Steiermark und aus Niederösterreich.


Sie sagen, im Sommer könnten die Ölreserven knapp werden. Wie bauen Bauern und Produzenten vor, dass sich das Fiasko nicht wiederholt?

LABUGGER: Wir bauen im ganzen Gebiet um rund ein Drittel mehr Kürbis an, steigern die Fläche insgesamt von 22.000 auf 30.000 Hektar – in der Steiermark von rund 12.000 auf 16.000 Hektar –, um gerüstet zu sein, falls es wieder zu Ausfällen kommt. Dass es nun deutlich mehr Kürbis-Anbauflächen gibt, hat natürlich mit der großen Nachfrage und dem derzeit niedrigen Preis für Mais zu tun.

Keine Gefahr, dass die Bauern dann heuer auf ihren Kernen sitzen bleiben?

LABUGGER: Nein, die Ölmühlen geben aufgrund der Engpässe deutlich mehr Verträge aus, das heißt, die Bauern bringen die Kerne dieser Flächen auch an. Aber die Wahrheit ist: Wir sind vor solchen Ausfällen wie im Vorjahr nie gefeit. Da reichen Frosttage oder starke Regengüsse und es gibt Einbußen. INTERVIEW: BERND HECKE

Keinesfalls will die Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl g.g.A. aber bereits gewonnene Kunden verlieren – auch nicht im Ausland. Auf Wunsch der Exporteure sowie zur Sicherung der Unverwechselbarkeit wurde daher nach einjähriger Entwicklungszeit nun eine einheitliche Kernölflasche vorgestellt, die nur von den 2600 Mitgliedern bezogen werden kann.

Deutsche Trittbrettfahrer

„Um Missbrauch zu vermeiden, muss eine Bezugskarte vorgelegt werden“, sieht Vereinsgeschäftsführer Andreas Cretnik in der Flasche einen zusätzlichen Schutz gegen Trittbrettfahrer. Als solcher wurde übrigens kürzlich eine große deutsche Ölmühle überführt, die im Internet mit „Kürbiskernöl auf steirische Art“ Reibach machen wollte. Als Strafe muss sie der Erzeugergemeinschaft drei Jahre lang jeweils 150.000 Liter echtes steirisches Kürbiskernöl abnehmen.

ROBERT LENHARD, BERND HECKE, ULRICH DUNST

 

Kommentare (21)

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hermannsteinacher
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Die Preise für steirisches Kürbiskernöl g.g.A. in Supermärkten

sind eine arge Zumutung!

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perkinelmer
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Ja

15 Euro ist die Schmerzgrenze. Im Internet köstliches Öl aus China um 12 Euro der Liter!!

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zyni
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Ich bin für einen

freien Wettbewerb und der Meinung, fast alle Öle sind vergleichbar. Egal ob aus Slowenien, Kroatien oder Ungarn.
Habe kürzlich Kernöl aus Kroatien bekommen. Mindestens gleich gut wie unseres. Nur gibt's dort noch keine Preisabsprachen oder Schmähs den Preis künstlich hoch zu halten.

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Spiegelbild
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Top Qualität, Fleischwaren und Kürbiskernöl sind in Slowenien zu einem vernünftigen Preis zu erwerben

............

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Phoenix198
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Ich werde bestimmt nie so tief sinken und mein Kernöl aus Slowenien holen. Dieses gepanschte Zeug kommt mir nicht ins Haus. In der Nachbarschaft habe ich einen Kernölbauern, der 2014 eine Auszeichnung gewonnen hat.

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Esteke
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Stell' dir vor....

...die Bauern müssten auch noch Buchführung wie jeder Greißler oder löeine Handwerksbetrieb führen. Und dort schön brav die 19 Euro pro Liter, für die sie Ab Hof zum von der Bauernmafia, Entschuldgung, Bauernkammer festgesetzten Preis für die Finanz brav eintragen. Und alle die "Katastrophenhilfen", um die sie Jahr für Jahr immer wegen zu kalt, zu warm, zu naß, zu trocken, zu viel Sonne, zu wenig Sonne die allgemeinen Steuerzahler, also vorwiegend Arbeiter und Angestellte "abzapfen"...Und nur haarkleine bekämen sie alle diese "Hilfen", "Entschädigungen", "Untestützungen" exakt nach ihrem versteuerten Einnahmen und dem versteuerten Einkommen. Und die "Schäden" würden auch nicht mehr von der Landwirtschaftskammer (!) "eingeschätzt", also von den Interessenvertretern der Bauern und deren Beamten!

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ImSinneDerAgb
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@Esteke: du bist sicher keine 30

Ich teile deine Meinung, dass diverse Förderungen für Bauern sehr skurril wirken.

Wo ich allerdings deine Meinung nicht teile ist, dass Bauern extrem wichtig für unsere Gesellschaft sind.

Bauern waren immer die Zuflucht der Städter wenn Katastrophen oder Kriege ins Land zogen.

Im Jahr 2015 brauchen wir unsere Bauern als Gegenpool zu den Industriebetrieben mit ihren Gensamen, Hybridfrüchten und Pestiziden.

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Scaurus
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*Wischmop raushol*

*Geifer aufwisch*

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liberal
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Kein Problem,

bei den Großmärkten (Metro, Pfeiffer, etc.) gibt es ohnehin schon seit Jahren "echtes steirisches" Kernöl aus China...

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hermannsteinacher
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Bio Gourmet und Bio Primo Kürbiskernöl

(bei Müller) enthalten im Unterschied zu hiesigen Kürbiskernölenen kein Hexachlorbenzol.
Sie sind aus chinesischen Kürbiskernen gepresst!

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rottroll
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#austrianProblems

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smithers
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ich freue mich schon, denn irgendwann muss es ja bei unseren bauern auch wieder bergauf gehen, denn es kann ja nicht immer nur ein katastrophensommer dem nächsten folgen.

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monk2
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Empfehle

das Öl in Slowenien oder Kroatien zu kaufen. Ist zumindest gleich gut und deutlich billiger. Der Schmäh um die Preise zu erhöhen soll ins Leere gehen.

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ImSinneDerAgb
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Wieviel bekommt die KlAHne eigentlich für diese Werbung?

Christbäume werden knapp
Impfstoffe werden knapp
das Kernöl wird knapp
...

es vergehen kaum mehr als 2 Monate wo nicht eine Meldung mit ... wird knapp veröffentlicht wird.

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Liberalix
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Meinetwegen …

… könnens es in alte Bier- oder Weinflaschen füllen. Ändert nichts an der Qualität.

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norma44
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immer die selbe Geschichte

bitte lasst euch was anderes einfallen.

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bluebellwoods
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Verpackung vs. Qualität

Ich werde den Verdacht nicht los, dass es beim Kürbiskernöl zunehmend um die Verpackung und nicht mehr um den Inhalt geht (die natürlich kostet und auch Teil des steigenden Preises ist - nicht überall war der Ertrag so schlecht, wie in den Medien gerne berichtet wird, jammern tun ja vorwiegend die Großbetriebe). Mir ist ein Kürbiskernöl direkt von einem kleinen Bauern wesentlich lieber als eins aus dem Handel, das zwar die g.g.A. Schleife trägt und in der "richtigen" Flasche verkauft wird.
Richtig gute Qualität braucht kein Mascherl, die findet immer ihre Abnehmer.

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lawine213
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kauf mein kernöl schon lang

in slovenien , 5km nach radkersburg (zweitwohnsitz)bei an Kleinbauern , sowie mei gselchts um an vernünftign preis. brauch ka mascherl auf da flaschn.
wenn i glei 10ltr nimm bekomm ichs um 130€

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bringtnix
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damit kurbelt man die heimische wirtschaft ungemein an

und dann wundert man sich wenn firmen ins ausland abwandern oder bei uns gewisse dinge einfach nicht mehr hergestellt werden. somit weniger arbeitsplätze und immer mehr menschen ohne job und geld. und alles nur, weil man statt qualität auf quantität setzt. schade!

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bluebellwoods
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Missverstanden?

Ich weiß nicht, was man an meinem Posting missverstehen kann aber:
Ich bewundere jedes Jahr aufs Neue, mit welchem Aufwand mein geliebtes Kürbiskernöl erzeugt wird. Hab schon viele probiert aber mir kommen immer wieder welche unter, die eher nach Salatöl denn nach Kürbiskernöl schmecken - auch wenn sie die Schleife tragen. Und das finde ich schade. Regulierung und Vereinheitlichung ist nicht immer automatisch eine Verbesserung der Qualität. Und eine neue eigene Flasche ist bestimmt teurer...

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Aiakos
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Ist ein guter Grund den Preis zu verdoppeln.

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