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Graz

Wieder Anzeige: Geschichten aus dem Schilderwald

Egidiwirt Hugo Leypold muss nach anonymer Anzeige erneut sein Werbetaferl, dem in St. Georgen privat Asyl gewehrt wurde, gemäß Naturschutzgesetz räumen.

 

Einmal mehr eine Taferlgeschichte, diesmal aufgewärmt: Vor gut vier Jahren war es ein grünes Werbeschild, mit dem Egidiwirt Hugo Leypold ohne Bewilligung Radler in sein Gasthaus lotsen wollte. Die Stadtgemeinde Murau verdarb den Spaß und ließ die Tafel ohne Vorwarnung entfernen (wir berichteten). Ein erneuter Versuch, diesmal knallig gelb, mündete in einer Anzeige und, nach dem Verwaltungsstrafentatütata, dem unvermeidlichen Abflug.

Dabei hatte der Wirt diesmal um Bewilligung angesucht, die per gut, nämlich sechs Monate lang ausgebrütetem Gutachten "mit fadenscheinigen Argumenten niedergeschmettert" worden war.

Erbarmen

St. Georgen ob Murau erbarmte sich und gewährte dem in einem Oldtimer-Leiterwagen thronenden Taferl auf einem Privatgrundstück Asyl. Ein daneben platziertes Bankerl erfreute laut Leypold Radler und Fußgänger.

Es war die Ruhe vor dem Sturm: Im vergangenen Herbst fühlte sich jemand erneut zu einer Anzeige bemüßigt, vorsichtshalber anonym. Die Behörde untersuchte gesetzesgetreu, dem Taferl schlug dieser Tage erneut die Stunde: unverzügliche Entfernung wäre angesagt. Gegen unverzüglich spricht laut Leypold allerdings die Schneelage.

"Es hört einfach nicht auf, ich weiß nicht, wer da dahintersteckt", gibt sich der Gastronom frustriert. Und empört sich über mangelnde Fairness: Beim ersten Kreisverkehr in Murau, dort sei alles erlaubt, eine regelrechte "Werbefetzenansammlung" sei das. Aber sein blumengeschmückter Leiterwagen, nicht mehr als ein unerwünschter Dorn im Auge?

Neid und Missgunst könnten Protagonisten sein. Irgendwie fühlt sich der Egidiwirt wie zerquetschter Käse in einem politischen Toastbrot: Die legendäre Fehde zwischen dem einstigen Bürgermeister Alfred Kalcher und Egidi-Ortschef Franz Gassner habe nach einer Erholungsphase nun durch den Einkaufszentrum-Zwist zwischen St. Egidi und Murau, mittlerweile unter Sohn Thomas Kalcher, neues Futter bekommen.

Wie immer, Bezirkshauptmann Wolfgang Thierrichter weist auf bloßen Gesetzesvollzug hin: Laut Naturschutzgesetz ist die Anbringung von Ankündigungen und Werbungen außerhalb geschlossener Ortschaften ohne Bewilligung untersagt.

Tatbestand

Thierrichter: "Dass sich Herr Leypold verfolgt fühlt, kann ich nicht ganz nachvollziehen." Es handle sich eben um einen Übertretungstatbestand, gegen den es ein Verwaltungsstrafverfahren einzuleiten gilt. Im Bezirk laufen unzählige derartige Verfahren. Dass der Behördenchef von anonymen Anzeigen allein wegen der erschwerten Beweisführung wenig begeistert ist, steht auf einem anderen Taferl.

Ein erbitterter Egidiwirt resümiert: "Irgendwann werden sie kapieren, was das heißt, wenn es Leute wie mich und Kollegen nicht mehr gibt und die gute Gastronomie nicht mehr da ist."

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