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Zuletzt aktualisiert: 05.03.2013 um 21:55 UhrKommentare

"Soziale Netzwerke haben Eigenmacht"

Schulpsychologe Zollneritsch über sinkende Hemmschwellen und Druck auf Mädchen.

Für viele Eltern ist es unvorstellbar: Nacktfotos ihres Kindes kursieren im Internet. Warum lassen sich Jugendliche darauf ein?

JOSEF ZOLLNERITSCH: Dahinter steckt eine vollkommen geänderte Kommunikationsstruktur im Internet. Soziale Netzwerke haben eine Eigenmacht erlangt, fernab jeder anderen Realität. Da sinkt zum einen die Hemmschwelle, und zum anderen gibt es Anforderungen, die aus Sicht der Jugendlichen unbedingt zu erfüllen sind: vor allem, sich möglichst attraktiv zu präsentieren. Die Schwelle zu starker Sexualisierung in der Selbstdarstellung wird rasch übersehen.

Wann wird das für Jugendliche zum bewussten Problem?

ZOLLNERITSCH: Wenn sich die Bilder auf anderen Seiten wiederfinden. Es fehlt Jugendlichen weithin an Sachinformation, wie man soziale Netzwerke verantwortungsvoll nutzt. Dann gibt es auch Fälle von Cybermobbing, aber das ist die Minderheit.

Wann ist das kritischste Alter?

ZOLLNERITSCH: Zwischen 10 und 12 Jahren. Die meisten sind da schon in sozialen Netzwerken unterwegs, oft mit gefakten Accounts.

Sind vor allem Mädchen gefährdet?

ZOLLNERITSCH: Der Druck auf sie ist wesentlich größer, sich möglichst attraktiv abgebildet zu sehen. Darum geht es ihnen, nicht um Freizügigkeit.

Nimmt die Zahl der Fälle zu?

ZOLLNERITSCH: Ja. Es ist eine unüberschaubare Situation. Erwachsene wollen sich oft gar nicht auskennen. Jugendliche sind dort sich selbst überlassen.

Welche Auswirkung kann es auf Jugendliche haben, wenn ein Nacktfoto irgendwo auftaucht?

ZOLLNERITSCH: Das führt zu massiven Selbstvorwürfen, Scham und immer wieder zu Mobbing oder Erpressungssituationen. Da wird dann jemand unter Druck gesetzt, weitere Bilder zu machen, da sonst Fotos an Eltern oder Lehrer geschickt werden.

Warum drängen manche Burschen Mädchen dazu, freizügige Fotos zu machen?

ZOLLNERITSCH: Es hat mit Rollenmustern zu tun, Macht und einer weiblichen Haltung, Attraktivität und Willfährigkeit auszustrahlen. Wir wissen, dass traditionelle Muster, je nach sozialem Hintergrund, leicht steigen.

Was können Eltern tun, was die Schule?

ZOLLNERITSCH: Für Jugendliche ist es praktisch nicht möglich, nicht auf Facebook zu sein. Man kann sich nur mit ihnen intensiv über soziale Haltungen auseinandersetzen. Wir müssen sozialen Netzwerken auch mehr Zeit im Unterricht widmen.


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