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Zuletzt aktualisiert: 14.02.2013 um 19:00 Uhr

Kroate drohte mit Mord: Nur ein Erziehungsmittel?

46-jähriger Kroate kündigte in Kapfenberg Sprung aus dem Fenster an. Zehnjährige Tochter musste Abschiedsbrief schreiben.

Foto © Gernot Eder

Ein Mehrparteienwohnhaus in Kapfenberg, Mittwochvormittag. Die zehnjährige Mia schreibt einen Abschiedsbrief. Nicht freiwillig. Ihr Vater, ein 46-jähriger Kroate zwingt sie dazu. Weil sie ein schlechter Mensch sei. Weil sie in der Schule schwach sei. So sieht es zumindest der Vater. Das Mädchen zittert am ganzen Körper, es weint. Mia hat Angst, Todesangst. Denn der Vater hatte in ihrer Gegenwart mit ihrer Tante telefoniert und ihr angekündigt, dass er sich mit dem Kind aus dem Fenster im vierten Stock stürzen werde.

Einsatzort

Mia und ihr Vater sind allein zu Hause, die Mutter des Mädchens ist bei der Arbeit, die beiden Geschwister (ein Mädchen und ein Bub) sind in der Schule. Sie ahnen nichts von dem, was der 46-Jährige angekündigt hatte. Die Schwester des Kroaten alarmiert umgehend die Polizeiinspektion Kapfenberg, teilt den Beamten mit, womit ihr Bruder gedroht hatte. Während die Streifen zum Einsatzort rasen, diktiert der Vater weiterhin, die Sätze, die Mia auf ein Blatt Papier schreiben muss. Immer wieder betont er, wie schlecht und wie schwach sie in der Schule sei. Als Mia den letzten Satz schreiben soll, läutet jemand an der Wohnungstür. Es ist die Polizei. "Der Vater hat geöffnet, wir haben ihn sofort vom Kind getrennt und zur Polizeiinspektion gebracht", erzählt Markus Schwarz von der Polizeiinspektion Kapfenberg. Das Mädchen haben wir der Tante übergeben."

Bei der Einvernahme war der Beschuldigte teilgeständig, aber er verharmloste den Vorfall. Er habe den Sprung aus dem Fenster nur aus erzieherischen Methoden angekündigt. Auch den Abschiedsbrief habe seine Tochter nur aus diesem Grund schreiben müssen. Er habe ihr Angst einjagen wollen, damit sie sich bessert. "Wir wissen nicht, was der Mann tatsächlich vorhatte", so Polizist Schwarz. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Leoben und der Polizeiinspektion Kapfenberg laufen. Laut Walter Plöbst, Leiter der Staatsanwaltschaft Leoben, wurde der Kroate wegen gefährlicher Drohung angezeigt. "Wir prüfen aber noch, ob nicht ein anderer Tatbestand vorliegt. Der Kroate wurde nach der Einvernahme in und in die Justizanstalt Leoben eingeliefert. Ob die Untersuchungshaft verhängt wird, war gestern nicht entschieden. Der Beschuldigte und seine Familie leben schon seit vielen Jahren in der Steiermark. Die zehnjährige Mia ist hier geboren. Angeblich soll es familiäre Probleme geben. Möglicherweise waren sie Auslöser für die Tat des Kroaten.

HANS BREITEGGER

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