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Zuletzt aktualisiert: 15.01.2013 um 19:50 UhrKommentare

Steirische Behörde fiel auf Spione herein

Ein "Spionagethriller" mit Verbindungen in die Steiermark wird im Oberlandesgericht Stuttgart verhandelt. Das angeklagte Ehepaar bekam die Pässe von einer steirischen Behörde.

Die russische Meisterspionin Anna Chapman vor ihrer Verhaftung

Foto © APDie russische Meisterspionin Anna Chapman vor ihrer Verhaftung

Im Oberlandesgericht Stuttgart begann einer der spektakulärsten deutschen Spionageprozesse seit dem Untergang der Sowjetunion. Auf der Anklagebank sitzt ein Ehepaar, das laut Bundesanwaltschaft 20 Jahre lang für den sowjetischen Geheimdienst KGB und dessen Nachfolger SWR spioniert hat.

Von den Spionen sind bisher nur die Decknamen Andreas und Heidrun Anschlag bekannt - es sind die Namen aus den österreichischen Reisepässen, zu denen ihnen ein ehemaliger obersteirischer Gemeindeamtsleiter verholfen hatte. Als österreichische Staatsbürger mit südamerikanischer Herkunft getarnt, bauten sich die beiden in Deutschland eine bürgerliche Existenz auf. In Wahrheit sollen sie laut Bundesanwaltschaft Geheimdokumente der EU und NATO an den russischen Geheimdienst weitergegeben haben.

Geplatzt waren die Aktivitäten des Ehepaares vor mehr als zwei Jahren, nachdem in den USA die russische Meisterspionin Anna Chapman enttarnt worden war. Bei ihr stellten die Ermittler Datenträger sicher, die dazu führten, dass in Amerika und Europa ein ganzes Spionagenetzwerk zerschlagen werden konnte.

Die Spuren führten zunächst nach Wien, zu einem Ehepaar, das schon verstorben war. Die österreichischen Staatsschützer führten intensive Ermittlungen durch und stießen wiederum auf das nun in Stuttgart angeklagte Ehepaar.

Vertrauen erschlichen

Andreas und Heidrun Anschlag waren Anfang der 80er Jahre immer wieder in einer kleinen Gemeinde im Bezirk Liezen auf Urlaub und erschlichen sich das Vertrauen des damaligen Gemeindeamtsleiters. Nach und nach tauchten noch andere Personen - angebliche Verwandte des Ehepaares - auf und suchten die Nähe zum Amtsleiter. Der ahnte offensichtlich nicht, dass er in ein Spionagenetzwerk geraten war.

Ihm wurden gefälschte österreichische Geburtsurkunden vorgelegt, er bestätigte die österreichische Staatsbürgerschaft. Damit erhielten Andreas und Heidrun Anschlag gültige Reisepässe, ausgestellt von der Bezirkshauptmannschaft Liezen.

Es habe den einen oder anderen Gefallen gegeben, bestätigte der pensionierte Amtsleiter vor zwei Jahren, als die Angelegenheit geplatzt war, der Kleinen Zeitung. Er sei hineingelegt worden. Das Verfahren gegen ihn wurde wegen Verjährung eingestellt.

HANS BREITEGGER

Fakten

Den beiden drohen zwar bis zu zehn Jahre Haft, doch Anwalt Horst-Dieter Pötschke geht von sehr viel weniger aus. Der 73-Jährige sollte es wissen. Er gilt als "Anwalt der Spione" und verteidigte neben vielen anderen auch schon den Ost-Agenten Günter Guillaume, der den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt ausspähte.

Pötschke schloss auch nicht aus, dass die Anschlags gegen Spione in Russland ausgetauscht werden könnten. Dass dies nicht schon längst geschehen ist, könnte einen überraschenden Grund haben: Sicherheitsbehörden vermuten, dass der SWR durch den öffentlichen Prozess erfahren will, was der Westen alles über ihre Spionage herausgefunden hat und wie er den Anschlags auf die Spur kam. Die waren zwar im Sommer 2011 vom SWR über eine bevorstehende Enttarnung informiert und aufgefordert worden, Deutschland zu verlassen. Doch der Verfassungsschutz hatte sie da schon im Visier.

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