Bezirks- und Gemeindesuche
Ein Zirkus zeigt uns die lange Nase
Der "Circus Ronaldo" begeistert bei der fünften Ausgabe von Cirque Noël in Graz mit Musik, Witz und Charme. Und der Star in der Chaostruppe heißt Pinocchio. Nicht gelogen.
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Das ist natürlich eine Lüge: Der "Circus Ronaldo" besteht gar nicht - wie angekündigt - aus acht Darstellern, denn da sind noch sechs andere fröhlich zugange: Die Herren Tohu und Wabohu, Madame Kauder und Monsieur Welsch sowie Mister Slap und Misses Stick.
Nur das Genie beherrscht das Chaos, heißt es. So also sind beim heurigen La-Strada-Winterzirkus Geniestreiche kein Wunder. Wobei: eher Streiche. Denn die belgische Truppe um Danny Ronaldo hat es faustdick hinter den Ohren. Das erfährt man schon zum Entrée im Orpheum, wenn sich die Darsteller als Unsinnfoniker an Klavier, Klarinette, Gitarre & Co zusammenrotten.
Oder spätestens dann, wenn die Gouvernante aus der Compagnie Madame Butterfly geben will und ihr eine echte Tragödie gelingt, allerdings eine sängerische. Und das Drama steigert sich später noch, wenn sie ein Glas zerspringen lassen möchte mit ihrem Sirenensopran, der selbst der legendären Katastrophengurgel Florence Foster Jenkins Katarrh verursacht hätte.
"Amortale" statt Salto mortale, so lautet das Programm. Und tatsächlich: Es überschlagen sich höchstens die Ereignisse und gestorben wird auch eher weniger, dafür geboren. Adam etwa. Aber was macht der nackt in Eden, wenn Eva gleich beim ersten Rendezvous zu spät kommt? Auf die Uhr schauen natürlich. Derweilen mit Äpfel jonglieren. Mit Bananen. Mit Melonen. "It Ain't Necessarily So", klingt George Gershwin. Ja, Porgy hatte es mit Bess auch nicht viel leichter.
Musik ist das Trumpf-As des "Circus Ronaldo". So hurtig wurde Oper jedenfalls noch nie geklittert wie in seinem Marionettentheater: In der mozärtlichen Entführung aus dem Allerlei treffen sich nämlich Belmonte, Constanza, Carmen, Rigoletto, die Walküre, und während das Bühnenbild quietscht und wankt, frisst ein böser Feuerdrache den Kopf des Schimmels. Marcel Prawy wäre wohl das Sackerl geplatzt, aber auch er hätte gestaunt, wie man mit drei Banjos jonglieren und auf ihnen zugleich Beethovens "Götterfunken" zupfen kann.
Charmante Burleske
Das Potpourri lebt von Tempo, Witz und Charme, da macht es nichts aus, dass mit Akrobatik eher gespart wird. Das Leben mit seinen Geschichten um Liebe, Hoffnung und Scheitern ist ja auch so ein Hochseil- und Balanceakt, bestätigen uns die "Ronaldos" in ihrer Burleske.
Notfalls tröstet man sich halt, wie Carlito, mit dem Sammeln von Pinocchio-Figuren. Der cholerische Clown mit der Schleifpapierstimme verkauft Pinocchios in allen Größen von XXL-Baumstamm bis XXS-Anorexie. Aber legen Sie sich nicht mit ihm an! Bei der Premiere wurde dadurch sogar ein Stadtrat zum Kriminellen. Die Nase soll mir wachsen, wenn das gelogen ist!
























