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    Zuletzt aktualisiert: 10.11.2012 um 19:35 UhrKommentare

    Der Krieg in privaten Fotos

    Ludwig Bayer aus Eisenerz war im Krieg auf Kreta. Auch seine Bilder sind in der großen Fotoschau von Wehrmachtssoldaten im Grazer Joanneumsviertel zu sehen.

    Irene Bayer mit einem Album ihres Vaters, der als Bub mit Familie 1933 zu sehen ist.

    Foto © KLZ / HoffmannIrene Bayer mit einem Album ihres Vaters, der als Bub mit Familie 1933 zu sehen ist.

    Sein Fotoalbum aus dem Zweiten Weltkrieg muss meinen Vater sehr bewegt haben", erzählt Irene Bayer. "Er hat zwar über seine Kriegszeit auf Kreta nie viel erzählt, es war ihm jedoch ein großes Bedürfnis, mit seiner Frau und einem alten Kriegskameraden und dessen Gattin in den frühen 80er-Jahren wieder zu den alten Kriegsschauplätzen zu fahren."

    In der Zeitung hat Irene Bayer heuer vom Aufruf gelesen, Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg für die Ausstellung "Fremde im Visier" im Grazer Joanneumsviertel zur Verfügung zu stellen.

    "Da habe ich mit meiner Mutter gesprochen, ob wir nicht auch das Album meines Vaters anbieten sollten. Er selbst ist 2008 verstorben und wir haben gemeint, dass es in seinem Sinn wäre, die Fotos der Öffentlichkeit zu zeigen." Der Kontakt mit den Multimedialen Sammlungen des Joanneums war schnell hergestellt -und die Freude dort sehr groß, weil es die einzigen Fotos eines Steirers vom Kreta-Feldzug sind.

    Selbst kein Interesse gehabt

    "Ich habe mich sehr lange nicht für das Fotoalbum oder den Zweiten Weltkrieg interessiert", bedauert Irene Bayer. Das Album ist bei ihnen zu Hause in Eisenerz in einem Regal gestanden. "Aber mein Vater hat es nie herausgenommen und darin herumgeblättert", erinnert sich die Tochter.

    "Mein Interesse ist erst aufgekommen, wie ich mit dem Beruf der Altenbetreuung angefangen habe. Da wird in der Ausbildung auch Zeitgeschichte vorgetragen." Erst wie sie zum ersten Mal 2008 auf Kreta war, hätte sie gerne mehr gewusst vom Aufenthalt ihres Vaters und wie das damals war im Krieg. "Aber mein Vater war zu diesem Zeitpunkt schon zu krank, um darüber zu reden."

    Sie weiß noch, dass das Thema Krieg zu Hause nie vorrangig besprochen wurde. "Aber es hat meinen Vater sicherlich sehr geprägt. Doch dank seiner Jugend und Unbekümmertheit hat er diese Zeit gut überstanden."

    Ludwig Bayer hatte gerade seine Elektrikerlehre abgeschlossen, als er sich mit 17 Jahren freiwillig zum Militär meldete. Und zwar als Kraftfahrer, da er sich sehr fürs Motorradfahren interessierte. Also kam er zur Kraftfahrerausbildung nach Berlin und machte den Führerschein. "Aber in Berlin hat es ihm nicht gefallen", erzählt die Tochter - da hat er sich 1941 für den Kreta-Einsatz gemeldet, dort entstand auch sein Fotoalbum. "Aber er selbst hatte keine Kamera. Er hat die Fotos von Kameraden oder von der Propaganda bekommen."

    In der Ausstellung "Fremde im Visier", die bis zum 1. September 2013 geöffnet ist, werden anhand von Fotos, Fotoalben, Videos und Schautafeln die Blicke deutscher und österreichischer Soldaten des Zweiten Weltkriegs auf fremde Menschen, Landschaften und Kulturdenkmäler in den besetzten Ländern gezeigt. Anfangs als Propaganda der Nazis gedacht, entglitten viele Soldatenfotos bald schon der Zensur und zeigten auch unerwünschte Bilder.

    ROBERT ENGELE

    "Fremde im Visier"

    Soldatenfotos aus dem Zweiten Weltkrieg, Multimediale Sammlungen, Joanneumsviertel Graz.

    Vortrag "Soldatenfotos - Stimmungsbilder und Beweismittel" von Janina Struk (auf Englisch), 15. November, 19 Uhr.

    Zeigen Sie Ihr Fotoalbum aus dem Zweiten Weltkrieg Experten am 4. Dezember um 14 Uhr.

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