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Zuletzt aktualisiert: 10.11.2012 um 19:20 UhrKommentare

Wenn Augen und Laternen leuchten

Sie wollen etwas über den heiligen Martin wissen? Fragen Sie sie: Fünf Knirpse aus dem Kindergarten Friedrichgasse in Graz breiten ihr Wissen über den guten Mann und seinen Mantel aus.

Laterndlbastler, Sänger und Kenner des heiligen Martin: Zoë, Lilli, Lea, Johanna und Pascal

Foto © KLZ / FuchsLaterndlbastler, Sänger und Kenner des heiligen Martin: Zoë, Lilli, Lea, Johanna und Pascal

Laternenfest? Lea, 5, Johanna, 4 und 1/2 (!), Pascal, 5, Lilli, 6, und Zoë, 5, sind Profis. Was man dazu braucht, ist ja wohl klar: eine Laterne - Sonne, Mond und Sterne. Und schon stimmt die Erste an, zaghaft noch, bis die anderen dazu loslegen: "Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Da oben" - Pascal streckt die Hand in die Höhe und deutet zur Kindergartendecke - "leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir." Zwei Strophen kommen in einem Zug und dann, zum Drüberstreuen, noch eine dritte. Jetzt reicht's, fürs Erste. Denn richtig ernst wird's ja erst "am Abend". Wenn die Buben und Mädchen aus dem Kindergarten Friedrichgasse in Graz mit ihren selbst gebastelten Laternen durch den Augarten ziehen.

Für wen sie singen? "Für die Mamas!", eh klar. Und den heiligen Martin. Und das Laternenfest. Und für den "Papa vielleicht auch". Die Omas, Opas, die Tante und die Schwester von der Mama (ist das nicht die Gleiche?) und die kleinen Geschwister nicht zu vergessen. Obwohl: Der Angelina ist heute schon schlecht gewesen, die musste aus dem Kindergarten abgeholt werden. "Aber sie kommt wieder. Bestimmt."

Zerrissen?

Der heilige Martin, da ist er. Lilli hat seinen Namen in die Runde geworfen - und alle kennen ihn. "Der hat den Mantel zerrissen", ruft Pascal und wird gleich von Lea und Lilli korrigiert. "Zerschnitten mit dem Schwert!" Maximal eine Detailfrage, in der Hauptsache sind sich die fünf einig: "Und dann hat er ihn dem armen Mann gegeben."

Ja, von diesem kleinen Quintett könnte man einiges lernen. "Er wollt' nicht Bischof werden und hat sich im Gänsestall versteckt - und dann haben die Gänse geschnattert - und dann haben sie vielleicht gedacht, vielleicht hat er sich in dem Gänsestall versteckt - und dann haben sie hineingeschaut - und dann haben sie ihn gesehen." Buhhhh, ganz schön spannend.

Obwohl, da war doch vorher noch etwas? Richtig - das mit dem Mantel ist noch nicht ganz fertig erzählt. Lilli blendet noch einmal zurück. "Der hat so einen Mann gesehen, der ist barfuß im eisigen Winter gegangen. Oder gestanden. Keine Ahnung." "Gehockerlt", Pascal hat's. Auf jeden Fall hat er den Mantel bekommen. Den zerschnittenen.

Warum Martin ein Schwert dabeigehabt hat? "Weil er ein Ritter war." Nein, "ein Soldat". Wurscht. Die Geschichte ist schon weitergesponnen: Weil der Mantel dann "schiach war", hat der Martin zum König gesagt, er will Gänse hüten.

Wie war das? Kindergartenleiterin Brigitte Krienzer schaltet sich nur kurz ein und schon ist der rote Faden wieder da: Martin wollte nicht Soldat bleiben. Genau. Aber hat er tatsächlich Gänse gehütet, bevor er Bischof geworden ist? Im Zweifelsfall ja. Warum auch nicht.

Zweifelsfrei war der Martin "ein guter Mann". Sagt jemand, und als hätten alle nur auf dieses Stichwort gewartet, wird plötzlich wieder gesungen. "Martin, Martin, Martin war ein guter Mann. Zündet alle Lichter an, dass er oben sehen kann, was er unten hat getan."

Und dann werden die Laternen heruntergeholt. Kleine Kunstwerke aus Folie. Und Holz. Und Goldsternen. Und - ja, oben braucht's noch einen hölzernen Ring. "Die Laterne bricht ja zusammen, wenn der nicht wäre." Völlig richtig, Lea.

Kekse und Sterntaler

So, vorbereitet wäre alles - inklusive Kekse (Mond, Sterne, Kleeblätter), Brötchen mit Aufstrich und Sterntaler-Theaterspiel. Lilli ist das Sterntaler-Kind, Pascal "die Jacke", Lea "die Handschuhe", Johanna "das Hemd" und Zoë "die Haube". Wie bitte? Na, sie bitten das Sterntaler-Kind darum . . . Ah so.

Und morgen, Montag, werden noch ein paar Gänse gebastelt. Und der Mantel - der schon bereitliegt - auch im Kindergarten Friedrichgasse geteilt. Mit einem Schwert, nur der Ordnung halber.

BEATE PICHLER

Der Heilige Martin

Martin von Tours, geboren 316 oder 317 in Savaria, war der Sohn eines römischen Militärtribuns in Pannonien im heutigen Ungarn. Als Sohn eines römischen Offiziers war er gesetzlich zum Militärdienst verpflichtet - er sah sich aber nicht als Soldat des römischen Kaisers, sondern als Soldat Christi.

Am 4. Juli 372 wurde Martin zum Bischof von Tours geweiht. Am 8. November 397 starb er, am 11. November - heute der Martinstag - wurde er beigesetzt.

Die Heiligenlegende sagt, dass Martin - ab 334 als Soldat in Amiens stationiert - an einem Tag im Winter am Stadttor von Amiens einem armen, nackten Mann begegnete. Er teilte mit dem Schwert seinen Mantel und gab ihn dem Bettler.

Eine weitere Überlieferung besagt, dass Martin im Jahr 371 in der Stadt Tours zum Bischof ernannt werden sollte. Er empfand sich als unwürdig, versteckte sich im Gänsestall, doch die schnatternden Tiere verrieten ihn.

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