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Grazer Maler Günter Waldorf gestorben
Sportler, Maler, Zeichner, ideenreicher Initiator kultureller Projekte: Günter Waldorf starb im 89. Lebensjahr in seiner Heimatstadt Graz.

Foto © GERY WOLF
Im Sommer 1936 sieht der 12-jährige Günter Stessl in einer Kinowochenschau den Kampf Max Schmeling gegen Joe Louis. Und beschließt, Boxer zu werden. Der Grazer hat in der Folge nicht nur mit seinen Fäusten Erfolg, er beweist auch ein feines Händchen als Grafiker und Maler. In den 1950er-Jahren mutiert er zu Günter Waldorf. Die Power des Boxers behält er bei. Mit ihrer Durchschlagskraft wird er als Motor das steirische Kunstleben wesentlich beeinflussen.
Traumteam
"Waldorf will Museum für moderne Kunst" titelte etwa die Kleine Zeitung am 11. März 1984. Anlässlich seines 60. Geburtstags hatte der Künstler jene Idee präsentiert, aus der letztlich das Kunsthaus Graz entstand. Waldorfs Ausgangspunkt war ein regionaler (kein provinzieller). Das Forum Stadtpark, das er mitbegründet hatte, sollte in dieses neue Museum eingebunden werden, ebenso die Neue Galerie. Und es sollte ein Ort sein, um Ansässigen und Besuchern den Reichtum steirischer Kreativität zu bieten.
Das Forum - "Das war ein Team wie SK Sturm" - ging seinerseits aus der "Jungen Gruppe" hervor. Mitbegründer: Günter Waldorf. Internationale Malerwochen, Styrian Artline und anderes - immer wieder erstaunte, wie es Waldorf gelang, ohne verbales Nebelwerfen Initiativen Wirklichkeit werden zu lassen. "Wortkarg" nannte Emil Breisach seinen Freund in einer Laudatio - eher eine Untertreibung. Reinhard P. Gruber meinte diesbezüglich: "Ein Hüsteln von Günter Waldorf sagt mehr als eine zweistündige Rede eines Politikers."
Freilich, wenn Waldorf in Stimmung und bei Stimme war, konnte er auch mit Worten Geschichten erzählen, wie es sie in seinen Bildern gab. Geschichten von großer Schönheit und trockenem Humor. Mit Pointen, treffsicher wie eine Gerade oder ein ansatzloser Haken.
Vielfalt
Eine von Werner Fenz und Gerhard Dienes kuratierte Retrospektive im Grazer Stadtmuseum anlässlich seines 80. Geburtstags zeigte die Vielfalt eines ?uvres, das sich stets in markanten Werkgruppen entwickelte. Zu sehen war dabei Herausragendes in luftigen Aquarellen der 1940er-Jahre, Expressives, Informelles. "Waldörfer" und utopischen Flaggen. Landschaften und Porträts, darunter die markanten Dichterköpfe für die "manuskripte". Die legendäre Literaturzeitschrift gab Waldorf gemeinsam mit Alfred Kolleritsch heraus.
1957 hatte Waldorf Elga Maly kennengelernt. Die herausragende Malerin war bis zum Tod 1989 kongeniale Partnerin und Ehefrau. Der Plan einer permanenten Präsentation beider Werke konnte nicht realisiert werden.
Waldorf hinterlässt seine zweite Frau Ulrike, in den vergangenen Jahren unermüdliche Stütze des Künstlers, der nun friedlich zuhause entschlief. Ihr gilt unsere Anteilnahme.
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Fakten
Günter Waldorf, geboren am 2. März 1924 in Graz; Litho- grafenausbildung; zahlreiche Meistertitel als Boxer.
1953 Gründung "junge gruppe".
1958 Hauptinitiator zur Gründung des Grazer Forum Stadtparks.
1984 Initiative für ein Kunsthaus Graz.
2012 Tod am 31. Oktober in Graz.




















