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Zuletzt aktualisiert: 20.10.2012 um 18:43 Uhr

"Der Nico erkannte die Gefahr nicht"

Eine Familie trauert um ihren dreijährigen Sohn - und ein ganzes Dorf mit ihr. Der Bub, der in Strallegg in einer Jauchengrube ertrank, hatte als Autist eine verzerrte Wahrnehmung.

Foto © Wilfried Rombold

Für einen kleinen Buben, der die Welt doch ein wenig anders sah als die anderen Kinder, war es fast die perfekte Umgebung, um groß zu werden: Der wunderschön gelegene Bergbauernhof seiner Familie hoch über dem Feistritztal, umgeben von Almwiesen mit 20 Milchkühen, bot dem dreijährigen Nico jeden Tag Neues zu entdecken. Dass der Bub Autist war, machte es seinen Eltern und Großeltern aber nicht einfach: "Im Haus hat er es nie lange ausgehalten. Er musste immer hinaus, war einmal da und im nächsten Moment schon wieder dort", erzählt sein Opa Lorenz H. Es sei praktisch unmöglich gewesen, das Kind immer im Auge zu behalten.

Vor allem aber: "Der Nico erkannte die Gefahr nicht, konnte sie nicht einschätzen." Das dürfte auch zu der Tragödie am Freitagabend auf dem Anwesen in Pacher (Gemeinde Strallegg) geführt haben. Nico - am 17. November wäre er vier Jahre alt geworden - war unter Aufsicht seiner Eltern und seines neunjährigen Bruders Kevin im Rinderstall, als er plötzlich verschwunden war. Unbemerkt kletterte der Bub auf den Misthaufen vor dem Stall und stürzte von dort in das dahinter liegende Güllebecken.

Stille Trauer

Als die Angehörigen ihn dort leblos treibend fanden, gab es für Nico keine Rettung mehr. Wiederbelebungsversuche durch das Notarztteam, fast eineinhalb Stunden lang, blieben ohne Erfolg. Eltern und Großeltern blieben geschockt zurück, wurden von vier Kriseninterventionsmitarbeitern des Roten Kreuzes betreut. Gestern saß die Familie still um eine brennende Kerze in der Küche zusammen, trauerte gemeinsam um Nico. "Wir stehen noch alle unter Schock, versuchen das zu verarbeiten. Aber wir müssen auch schauen, dass es weitergeht", sagt Lorenz H.

Ähnlich Worte findet auch der Bürgermeister von Strallegg, Peter Kern. "Wir alle sind tief betroffen. Das hier ist ein kleines Dorf, jeder kennt jeden, auch ich kenne die Familie gut." Ihm würden die Eltern furchtbar leidtun, sagt Kern, der selber drei Kinder hat. Zum Glück sei professionelle Hilfe schnell vor Ort gewesen, nun müsse man hoffen, dass die Familie diesen schweren Schicksalsschlag irgendwie verkraftet.

WILFRIED ROMBOLD

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