Bezirks- und Gemeindesuche
Wenn Wandern zur Gefahr wird
Wanderbare Steiermark: Immer mehr Menschen stürmen gerade im Herbst die Berge. Doch viele unterschätzen sie: Nur wer fit und gut vorbereitet ist, soll den Rucksack packen.

Foto © Netzer Johannes | Fotolia
Wandern, Klettern und Mountainbiken gibt immer mehr Steirern Berge. Doch nicht alle kommen wieder heil herunter: Erst vergangene Woche zog sich ein 45-Jähriger Schulterverletzungen beim Abstieg von der Kotzalm zu, sein Vater (68) eine Nasenverletzung. In der Bärenschützklamm gab es dieses Jahr schon zwei Tote.
311 tödliche Bergunfälle verzeichnete der Alpenverein im vergangenen Jahr in Österreich. Zum Vergleich: Auf Österreichs Straße kamen zur gleichen Zeit 523 Menschen ums Leben.
Doch nicht Hoch- oder Skitouren und Klettern sind besonders gefährlich, sondern "normale" Wanderungen: 111 Menschen kamen laut Alpinpolizei 2011 beim Wandern oder Bergsteigen ums Leben. Die Steiermark belegt mit neun Toten ex aequo mit Ober- und Niederösterreich Platz vier. An erster Stelle liegt Tirol mit 47 Todesopfern, an zweiter Salzburg mit 20 und an dritter Kärnten mit zehn Toten.
Überschätzen
Während früher meist falsche Ausrüstung zum Tod am Berg führte, sind es nun oft die mangelnde Erfahrung oder das Überschätzen der eigenen Kräfte. Ausrutscher und Stürze sind die Folge. "Wir beobachten, dass viele ein Pauschalangebot buchen und sich nicht mehr selbst auf die Tour vorbereiten", berichtet Norbert Hafner, Vorsitzender des Alpenvereins Landesverband Steiermark. Doch gerade am Berg sei Eigenverantwortung unumgänglich. Außerdem würden oft veraltete Informationen aus dem Internet verwendet. Der Experte: "Eine gute Planung, die richtige Ausrüstung, entsprechende Kondition und das Verfolgen des Wetters sind unumgänglich."
Doch immer wieder trifft man zwischen Dachstein, Zirbitzkogel, Hochschwab und Schneealpe unerfahrene und erschöpfte Wanderer. Hinzu kommt, dass oft widrige Verhältnisse wie Regen, Schnee, Kälte, massive Sonneneinstrahlung oder Wind die Tour noch kräfteraubender machen. Hafner: "Wenn man sich überanstrengt hat, muss man unbedingt pausieren und etwas trinken." Im Notfall müssen Wanderer auch Hilfe holen: "Vor allem, wenn man sich verirrt hat, soll man sofort einen Notruf absetzen."
Licht und Schatten
Während generell 15 Prozent aller Unfälle mit tödlichem Ausgang auf Herz-Kreislauf-Versagen zurückzuführen sind, liegt internationalen Erhebungen zufolge dieser Anteil unter Wanderern bei 30 Prozent, also doppelt so hoch: Bei jedem dritten Wandertoten spielt das Herz plötzlich nicht mehr mit. Laut Alpenverein zählen dabei "sportlich nicht regelmäßig aktive Männer über 35" zur Hauptrisikogruppe: Zwei Drittel der Verunfallten sind älter als 40 Jahre, die meisten Unfälle passieren in der Altersgruppe 50 bis 59 Jahre.
Doch wo Schatten, da auch Licht: Wandern ist gesund, da es kreislaufregulierend sowie positiv auf Blutzucker und -fette wirkt. Für viele ist es eine Auszeit vom stressigen Berufsalltag.
Die steirischen Berge haben zuletzt nicht nur die Steirer wiederentdeckt, sondern auch die Urlauber: So haben im Vorjahr 60 Prozent aller Sommerurlauber angegeben, in Österreich zu wandern. In der Steiermark lag dieser Prozentsatz bei 53,18. 14 Prozent gingen bergsteigen, fünf Prozent klettern.
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Steigern und Pausen
Am besten beginnt man Bergwanderungen langsam, um die Muskeln aufzuwärmen. Im flachen Gelände kann man einen flotteren Schritt wählen - Faustformel: drei Kilometer pro Stunden. Für steile und schwierige Passagen ist ein langsameres Tempo angemessen - Faustformel: 300 Höhenmeter pro Stunde. Im Laufe der Wandersaison lässt sich das Tempo steigern. Pausen müssen aber jedenfalls eingeplant werden.
Hoch, höher, am Gipfel
Die Zeit zählt am Berg zu den wichtigsten Dingen: So sollen Bergsteiger mit leichten Touren in tieferen Lagen starten. Erst später im Jahr sollen anspruchsvolle Routen gewählt werden.
Wenn für den Nachmittag Gewitter prognostiziert werden, sind Wanderungen möglich. Doch man muss früh aufbrechen.
Schwächster bestimmt
Schon aus Sicherheitsgründen ist es ratsam, nicht alleine am Berg unterwegs zu sein. Das Tempo gibt der Schwächste vor, denn Überforderung steigert die Unfallgefahr immens. Eine weitere Möglichkeit ist, in Rufweite den Berg zu erklimmen: Jeder kann dabei sein Tempo wählen.
Ein Mal pro Stunde soll pausiert werden: zum Rucksackablegen und Trinken.
Gut trainiert
Laufen, Radfahren oder Langlaufen fördern die Kondition. Trittsicherheit lernt man am besten am Berg selbst - bei anfänglich leichten Touren.
Auch das Gehen mit Steigeisen muss trainiert werden: Denn nur wer sie richtig anlegt und einsetzt, ist damit auf Eis und Schnee auch sicher unterwegs.




















