Bezirks- und Gemeindesuche
Da gibt die Familie den Ton an
Helmut Keinprecht war Gründungsmitglied der Musikkapelle Pichl an der Enns. Wenn diese heute ihr 60-Jahr-Jubiläum feiert, spielen erstmals er, die Tochter, zwei Enkel und der Urenkel mit.

Foto © Kainzaj
Drei Generationen, das gibt's ja öfter - aber vier wissat i sonst nirgends." Ulrike Fuchs (54) stellt einen Teller Mehlspeis' auf den Tisch und langsam wird's eng in der Wohnküche. Da sitzen und stehen sie: Helmut Keinprecht (77), mit der kleinen Trommel einst Gründungsmitglied der Musikkapelle Pichl an der Enns - heute schlägt er die große. Tochter Ulrike, Flügelhorn, und Ehemann Erwin (53). Die Enkel Roland (27), ebenfalls Flügelhorn, und Judith (21), Klarinette und Saxophon. Und schließlich Urenkel Kevin (11), der Trompeter, der mit seinem ersten offiziellen Auftritt das Quintett perfekt macht: Beim 60-Jahr-Jubiläum der Trachtenmusikkapelle Pichl an der Enns geigt die Familie Keinprecht/Fuchs heute Abend erstmals in vier Generationen auf.
Angefangen hatte alles Anfang der 50er-Jahre. Schladming hatte bereits eine Musikkapelle, Pichl "nur" ein Quartett und noch keine Kapelle. Aber woher die Musiker nehmen? Helmut Keinprecht, gelernter Wagner und dann bei der Bahn, kann sich noch gut erinnern. Man brauche einen für die kleine Trommel, ob er nicht möchte, hieß es - und schon war er dabei. Als Autodidakt, würde man heute wohl sagen, den anderen ging's nicht viel anders. Wie's geklungen hat beim ersten Mal? "Nit schön", bekennt der Senior und lacht. Aber was soll's, "unser Musi war's".
Und sie sollte immer größer werden. Als das Gruppenbild entstand, das jetzt die Einladung zum Jubiläumskonzert ziert, waren sie insgesamt zu zwölft. Als Tochter Ulrike 20 Jahre später das erste Mal dazukam, schon 19.
Flügelhorn hat sie gelernt. Auch nicht ganz freiwillig. Interessiert hätte sie - als sie ins Gymnasium nach Radstadt kam - die Klarinette. Aber es waren "nur ein paar Instrumente frei". Daraufhin drückte ihr der Lehrer "ein Flügelhorn in die Hand" und meinte: "Des da spielst du auch."
Und ob. Heute spielt sie allerdings nur noch die zweite Geige, Pardon: das zweite Flügelhorn - mit dem ersten gibt bereits Sohn Roland den Ton an. Der selbst lieber Panflöte gelernt hätte. Aber Hand aufs Herz, eine Panflöte bei der Trachtenmusikkapelle?
Roland hat nicht nur beim Instrument die Führung übernommen: 50 Jahre lang gab sein Großvater als Stabführer vor, wo's musikmäßig langgeht. Jetzt folgt alles aufs Kommando des Enkels. Damit hat nicht einmal seine Schwester Judith, von Beruf Floristin, ein Problem: "Das ist allerdings das Einzige, wo wir ihm folgen müssen", schmunzelt sie.
Roland, "Schneiber" auf der Reiteralm, Baggerfahrer und Kellner, hat übrigens schon das bronzene und silberne Musik-Leistungsabzeichen. Sein Neffe Kevin - dessen Vater 2003 bei einem Unfall ums Leben gekommen ist und der bei den Großeltern aufwächst - arbeitet gerade aufs bronzene hin.
Geübt wird nicht nur herunten in Pichl - sondern auch oben auf der Kaiblingalm am Hauser Kaibling, wo Erwin und Ulrike Fuchs seit 25 Jahren Hüttenwirte sind. Im Sommer kommen die Wanderer, im Winter kehren die Skifahrer ein - und zwischendurch macht sich ein Teil der Familie mit vollbepacktem Van auf ins Tal. Zur Probe. 60 Kilometer hin und zurück. Außerdem gibt's im Sommer die Dämmerschoppen und jetzt das Herbst-Jubiläumskonzert. In der Tennishalle Pichlmayrgut, weil diesmal eben 60 Jahre Trachtenmusikkapelle und auch 30 Jahre Kirchenchor Pichl-Mandling gefeiert werden.
Mit großem Andrang ist zu rechnen. Auch familienmäßig.



















