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Deine, meine, unsere Kinder und wir
Fall Oliver, neues Obsorgerecht: Oft stehen strittige Trennungen im Fokus. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von zwei Patchworkfamilien.

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Der Fall des kleinen Oliver, der zwischen der Mutter in Österreich und dem Vater in Dänemark zerrissen ist, erschüttert: Er steht für eine Eskalation der Trennung von Paaren mit Kindern. Auch beim neuen Obsorgerecht ist viel von strittigen Fällen die Rede, die vor Gericht landen. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen viele Ex-Paare, die es geschafft haben, trotz Trennung weiter als Eltern für ihre Kinder da zu sein, und so oft komplizierte Familiengebilde flechten. Es sind "Patchworkfamilien", die funktionieren.
Eine solche ist jene des Grazer Unternehmers Werner Gröbl. Sein Satz: "Ich habe die beste Ex-Frau, die man sich vorstellen kann", sagt viel. 25 Jahre mit Höhen und Tiefen waren sie zusammen gewesen, vor fünf Jahren haben sie die Trennung vor den drei Kindern ausgesprochen. "Bei allen Uneinigkeiten waren wir uns in einem einig: Wir tragen das nicht auf dem Rücken der Kinder aus", sagt Gröbl. Dafür haben sich die Eltern neutralen und fachkundigen Rat von außen geholt.
Herausforderungen gab es genug: Die Trennung musste den Kindern erklärt werden, Weihnachten und Geburtstage standen ins Haus. "Wir haben den Kindern, damals 15, 13 und sieben Jahre alt, in einem schönen Rahmen gesagt, dass wir kein Liebespaar mehr sind, aber immer ihre Eltern bleiben", erzählt Gröbl.
Entgegen dem Rat mancher Experten lebten sie noch einige Zeit im selben Haushalt. Das erste Weihnachtsfest und Geburtstage feierten sie als Familie, das sei den Kindern wichtig gewesen, sagt er. Später verbrachten die Kinder einen Teil der Weihnachtsferien bei der Mutter, den anderen beim Vater. Als Gröbl eine neue Partnerin kennenlernte, ging er offen damit um. "Es war wichtig, das vor den Kindern nicht zu verschweigen." Einfach sei es auch für neue Partner oft nicht.
"Freund-Bruder"
Seine Lebensgefährtin und seine Ex-Frau pflegen einen "wertschätzenden Umgang" miteinander. Die Kinder haben mit Partnerin Karin eine wichtige Bezugsperson und durch ihren Sohn einen "Freund-Bruder" gewonnen. Gröbl sagt: "Es ist schön, zu sehen, dass die Kinder auch die Vorteile der Patchworkfamilie sehen."
Fünf Kinder sind auch bei Familie M. aus Graz in den letzten zehn Jahren zu einer Patchworkfamilie zusammengewachsen. Das jüngste ist heute bereits im Jugendalter. Dazu kam vom Vater ein Halbgeschwisterchen dazu, und auch der neue Partner der Mutter hat Kinder aus einer Ex-Beziehung. Zumindest einmal im Jahr, zu Weihnachten, sitzen sie zum Brunchen zusammen.
Der Weg dorthin war nicht einfach. Manche Dinge seien mehr, manche weniger gelungen, sagt M. So gab es anfangs zu wenige klare Abgrenzungen. "Wir haben Dinge als Familie gemacht, aber gemerkt, dass das noch zu emotional ist.
Je klarer die Strukturen sind, desto besser." Dazu brauche es immer wieder Absprachen, vor allem auch, wenn neue Partner da sind. Schließlich kommen auch neue "Stief"-Geschwister hinzu und damit die Eifersucht. "Es ist wichtig, die Grenzen jedes Kindes zu akzeptieren", so M.
Rückblickend erzählt sie: "Wir haben sicher nicht alles richtig gemacht. Aber trotz aller Emotionen haben mein Ex-Mann und ich immer gesagt: Es geht um die Kinder. Und die können schließlich am wenigsten dafür."



















