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Zuletzt aktualisiert: 12.10.2012 um 21:00 UhrKommentare

Ohne Hilfe droht Pölfing die Pleite

Brisante Gespräche in der weststeirischen Schulden-Gemeinde Pölfing-Brunn: Diese müsse das Land unter Druck setzen, sie finanziell zu unterstützen - sonst sei sogar die Insolvenz möglich.

Foto © KLZ/Wieser

Mehr als elf Millionen Euro Schulden, zwei negative Prüfberichte des Landes, Polizeiermittlungen, ein zurückgetretener SPÖ-Bürgermeister Horst Pölzl - Pölfing-Brunn war zuletzt immer wieder für negative Schlagzeilen gut. Der neue Ortschef Thomas Tschiltsch versucht seit Juni 2011, die Marktgemeinde im Bezirk Deutschlandsberg zu sanieren - doch nun droht wieder Ärger: Ohne baldige Finanzhilfe des Landes droht der 1700-Einwohner-Gemeinde wohl demnächst die Pleite.

Uns liegt ein Mitschnitt einer brisanten internen Besprechung des Gemeinderates mit Anwalt Dieter Neger und Unternehmensberater Werner Höflechner vor, die für die Gemeinde einen Sanierungsplan erarbeiten. Dort wurde Tacheles geredet: "Wir müssen versuchen, so viel Geld wie möglich vom Land zu bekommen", wird den Gemeinde-Verantwortlichen geraten. "Mit relativ starkem Druck." Und weiter: "Das Land kann alles brauchen, nur keine Gemeinde, die wirklich insolvent wird. Dies fällt allen auf den Kopf." Zudem, so wird im Gemeinderat betont, hätte man Druckmittel gegen das Land in der Hand: Dieses habe schon bei der bisherigen Misere "weggeschaut". Dennoch: "Mit dem Wohlwollen des Landes soll man nicht rechnen."

"Labil und gefährlich"

Die Situation "sei höchst labil und gefährlich". Im Raum steht sogar ein drohender Konkurs - ein Insolvenzantrag könnte etwa von der GKK, der Finanz, dem Sozialhilfeverband - dem die Marktgemeinde rund 150.000 Euro schuldet - oder Unternehmern eingebracht werden.

Mit Letzteren wird verhandelt: So soll das Eden-Resort, eine Container-Feriensiedlung, von Anton Krammer, Gesellschafter der Kompetenz GmbH, um 200.000 Euro für zwei Jahre gepachtet werden. Eine Forderung in der Höhe von 616.000 Euro soll damit vom Tisch sein. An die Kompetenz-Gruppe sollen weiter 132.000 Euro - als Ablöse für die verbliebene Einrichtung des früheren Nah&Frisch - fließen. Dem Vernehmen nach hofft man sogar auf Geld aus dem Sozialressort. Auf Zahlungserleichterungen schielt man auch bei der Baufirma Vobis (Köflach) oder der SHK Bauträger GmbH. Freilich: "Ohne frische Mittel wird es nicht gehen", bestätigt Höflechner auf Anfrage der Kleinen Zeitung. So will man auf eine angebliche mündliche Landes-Zusage über 500.000 Euro für das Sporthaus pochen - als Bedarfszuweisung floss nur ein Zehntel der Summe. "Wir sind mitten in den Verhandlungen, hoffen auf Unterstützung von oben", erklärte Tschiltsch gestern.

Eine Petition von Aktivbürgern um Peter Kastner, einen Regierungskommissär einzusetzen und Neuwahlen abzuhalten, wurde indes abgelehnt: "Eine Auflösung des Gemeinderates ist nicht erforderlich", heißt es in dem Schreiben von Landtagsdirektor Jürgen Dumpelnik. "Die Aufsichtsbehörde erwartet sich jedoch Sanierungsmaßnahmen."

THOMAS WIESER

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