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Zuletzt aktualisiert: 10.10.2012 um 14:28 UhrKommentare

Sorge wegen Mega-Glashaus

Frutura will in der Oststeiermark ein Glashausprojekt umsetzen: Gemüsebauern befürchten durch das Großprojekt jedoch neue Konkurrenz. Die Betreiber beruhigen. Landwirtschaftskammer ist um Beruhigung bemüht.

Der Obstvermarkter Frutura plant einen Glashaus-Komplex in der Thermengemeinde Bad Blumau

Foto © Gerald HirtDer Obstvermarkter Frutura plant einen Glashaus-Komplex in der Thermengemeinde Bad Blumau

Die Nervosität rund um das oststeirische Bad Blumau ist groß. Wie berichtet plant der Obstvermarkter Frutura in der Thermengemeinde einen gewaltigen Glashaus-Komplex, um dort ganzjährig Tomaten, Gurken und Paprika anbauen zu können - Gemüse, das in der Steiermark bislang zu einem großen Teil importiert werden muss. Knapp 27 Hektar Fläche sollen die Gewächshäuser einnehmen, umweltfreundlich beheizt über die unterirdischen Thermalquellen.

Doch der Widerstand gegen das 48-Millionen-Euro-Projekt bleibt nicht aus. Neben Thermenbetreiber Robert Rogner, der sich bereits mit mehreren Blumauern in einer Bürgerinitiative gegen "die Glashausfabrik in einer Tourismusregion" in Stellung bringt, wächst auch bei vielen alteingesessenen Gemüsebauern die Sorge. Immerhin würde mit der Frutura plötzlich ein Großvermarkter massiv in die Gemüseproduktion einsteigen. "Da entsteht eine neue, große Konkurrenz, während unsere kleinen Strukturen verloren gehen", sagt eine Bäuerin aus der Region zur Kleinen Zeitung. "Die Bauern verlieren so Flächen und Abnehmer für ihre Produkte. Die Kammer, die uns eigentlich vertreten sollte, unternimmt gar nichts", kritisiert ein anderer Bauer. Bei der Landwirtschaftskammer ist man hingegen um Beruhigung bemüht. "Wir führen bereits Gespräche mit der Frutura", betont Kammerpräsident Gerhard Wlodkowski. Er will das Projekt nicht vorverurteilen - und sieht sogar Sinn dahinter, "aber nur unter der Bedingung, dass durch das Projekt unsere Produzenten nicht konkurrenziert werden".

"Wollen keinem wehtun"

Das garantiert wiederum Manfred Hohensinner, Geschäftsführer der Frutura. "Wir wollen ja keinem wehtun, werden künftig mit den Bauern deswegen noch intensivere Gespräche suchen." Grundsätzlich wolle man ja Produkte produzieren, die so in der Steiermark kaum angebaut werden. Hohensinner: "Bei den Tomaten wollen wir etwa in großem Ausmaß auf Spezialpflanzen setzen, und färbige Paprikasorten produzieren wir in der Steiermark ja auch sehr selten." Trotzdem steht sogar im Raum, dass die Frutura in den Sommermonaten mit der Glashaus-Produktion stark runterfährt - um den Bauern Sicherheit zu garantieren.

Fritz Rauer, Obmann der steirischen Gemüsebauern und mit seinem Hof in Bad Blumau selbst betroffen, ist dennoch besorgt, dass mit dem Glashaus für die Bauern neue Konkurrenz entsteht. "Die Frage ist, ob es in der Praxis dann wirklich so funktioniert, dass nur Importe ersetzt werden. Für uns ist das eine sehr schwierige Situation." Ein kompromissloser Gegner des Projekts sei er allerdings nicht.

Bürger und Tourismusverantwortliche wollen Entwicklung nicht hinnehmen

In der Gemeinde Bad Blumau wollen jedoch Bürger und Tourismusverantwortliche sowie Gemeindemandatare die Entwicklung nicht einfach hinnehmen, wie am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Graz mitgeteilt wurde. Es sei bereits mit dem Bau einer Gasleitung begonnen worden, so der ortsansässige Arzt Herbert Riegler, der auch mehr Verkehr befürchtet SPÖ-Gemeinderat Franz Spörk beklagte das Ausbleiben von Informationen durch die Kommune. Bürgerlisten-Gemeinderat Karl Semmler fürchtete, dass mit dem Projekt ein Paradigmen in der steirischen Landwirtschaft eingeleitet werde, von der "bäuerlichen zur industriellen Landwirtschaft", auch werde der "erfolgreiche Weg des sanften Tourismus gefährdet". Maria Perl vom örtlichen Tourismusverband erklärte, man habe schon besorgte Anfragen von Gästen bekommen.

Thermen-Hoteldirektorin Melanie Franke zitierte ein Gutachten, das belege, dass durch die Bohrung für den Gewächshauskomplex "unsere heiße Quelle beeinträchtigt" werden könnte. Das Gutachten selbst lag bei der Pressekonferenz nicht vor, Frutura wiederum wartete mit einem Gutachten auf, das keine Beeinträchtigungen ortet. Auf Journalistenfragen räumte Franke ein, dass es Verhandlungen zwischen Rogner und Frutura gegeben habe. Dann sei man aber davon abgekommen, weil das Projekt nicht mit dem regionalen Entwicklungsplan "d'accord geht".

Seitens Frutura wiederum hieß es, die Kooperation mit Rogner sei zu Ende gegangen, weil man mit dem von Rogner vorgelegten Vertrag nicht einverstanden gewesen sei. Laut diesem hätte das Unternehmen bei jedweder Beendigung der Zusammenarbeit alle Rechte unentgeltlich an Rogner übertragen sollen, inklusive der Anlagen.

GÜNTER PILCH, MARKUS ZOTTLER, APA

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