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Zuletzt aktualisiert: 06.10.2012 um 22:43 UhrKommentare

Abschiebung nach neun Jahren

Ein voll integrierter und unbescholtener Nigerianer (23) wurde Dienstag verhaftet und soll kommende Woche abgeschoben werden. Der Europäische Gerichtshof wurde eingeschaltet.

Cristina Volpe mit einem Foto ihres Freundes Amaechi Eboigbe. Er soll kommende Woche abgeschoben werden

Foto © EDER Cristina Volpe mit einem Foto ihres Freundes Amaechi Eboigbe. Er soll kommende Woche abgeschoben werden

Seit Jänner 2004 - damals war er 14 Jahre alt - lebt Amaechi Eboigbe in Graz. Aus Angst um sein eigenes Leben flüchtete der heute 23-Jährige aus seiner Heimat Nigeria, nachdem sein Vater wegen Mitgliedschaft bei einer religiösen Gruppierung brutal ermordet wurde. Nach elendslangen Asyl- und Bleiberechtsverfahren soll er jetzt abgeschoben werden. Letzte Hoffnung ist der Europäische Gerichtshof in Straßburg.

Freitag ging ein Beschwerdeschreiben von Matthias König vom Diakonie Flüchtlingsdienst nach Straßburg. Darin wird um eine "vorläufige Maßnahme" gebeten. "Das heißt, die Abschiebung soll ausgesetzt werden, bis der Europäische Gerichtshof den Fall geprüft hat", erklärt Wolfram Steinhuber von der Steirischen Plattform Bleiberecht, der erst jetzt von diesem Fall erfahren hat. "Die Bleiberechtsregelung wurde genau für solche Leute geschaffen, wie es Amaechi Eboigbe ist. Ich verstehe die Abschiebung nicht", so Steinhuber.

Seit 2007 ist der Nigerianer mit der in Graz geborenen Studentin Cristina Volpe befreundet, für die die bevorstehende Abschiebung ein großer Schock ist. "Amaechi ist voll integriert, hat immer gearbeitet, seit wir uns kennen, und ist nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen", erzählt sie. Er hätte sich den Aufenthalt in Österreich auch leicht durch eine schnelle Heirat verschaffen können. Volpe: "Daran hat er aber nie gedacht und hat voll akzeptiert, dass ich mich für eine Ehe noch zu jung fühle und zuerst mein Studium abschließen möchte. Eine Heirat mit einer anderen Person wurde von ihm nie in Betracht gezogen".

Warum das humanitäre Bleiberecht in diesem Fall nicht zur Anwendung gekommen ist, konnte im Büro von Landeshauptmann Franz Voves noch nicht geklärt werden. Man werde sich den Akt noch einmal anschauen und die Sache prüfen, versichert der zuständige Referent Bernhard Just.

Amaechi Eboigbe und seine Freundin Cristina Volpe hoffen aber vor allem, dass rechtzeitig eine entsprechende Antwort vom Europäischen Gerichtshof aus Straßburg eintrifft. Und die drohende Abschiebung wieder ausgesetzt wird.

HANS ANDREJ

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