Bezirks- und Gemeindesuche
Eine Prothese aus Gold und Elfenbein
Bei der Untersuchung der Grabkammer derer von Wagensperg in der Stadtpfarrkirche Voitsberg wurde der älteste Zahnersatz Österreichs gefunden. Die Prothesen aus Elfenbein waren mit Golddraht befestigt.

Foto © Karl Mayer
Zwei Zähne aus Elfenbein, mit einem Golddraht am Gebiss fixiert. Anlässlich der Tagung der Historischen Landeskommission für Steiermark in Voitsberg konnte Anthropologin Silvia Renhart mit einer Sensation aufwarten. Im Zuge der Untersuchungen der Skelette in der Grabkammer derer von Wagensperg (diese lebten vom ausgehenden 17. bis zu Beginn des 18. Jahrunderts), die sich in der Stadtpfarrkirche von Voitsberg befindet, stieß sie auf den vielleicht ältesten Zahnersatz Österreichs: "Die Prothese, die zwei Zähne imitiert, befand sich im Oberkiefer eines etwa fünfzigjährigen Mannes", so die Wissenschaftlerin. "Sie war mit einem Golddraht am Gebiss fixiert. Die beiden Ersatzzähne wurden aus Elfenbein gefertigt und saßen auf der Wurzel der ursprünglichen Zähne auf." Nach der Art der Prothese zu schließen, wurde diese nicht von einem beliebigen "Arzt" gefertigt, sondern beweise großes Wissen, gepaart mit Geschick und hoher Schnitzkunst, so die Anthropologin.
Oberschicht
Das teure Material lasse darauf schließen, dass es sich beim Mann um einen der sozialen Oberschicht angehörenden Adeligen handelt. Auch die Lage des Skelettes deute darauf hin, dass es sich um den dritten, Johann Hannibal Balthasar Graf von Wagensperg handelt, der in Kroatien verstarb und nach Voitsberg überstellt wurde. "Die Prothese wurde in erster Linie aufgrund ästhetischer Anforderungen angefertigt", so Renhart. "Auch die Phonetik könnte eine Rolle gespielt haben, da man mit großen Zahnlücken nur eingeschränkt sprechen konnte." Mit diesem Fund wurde ein neuer, sozialhistorischer Blickwinkel auf die Barockzeit in der Steiermark eröffnet. Und Renhardt stieß noch auf eine zweite Besonderheit: Bei einem im 18. Jahrhundert verstorbenen Kind wurde das Schädeldach abgetrennt. "Ob es sich hierbei um eine frühe, damals nicht übliche Obduktion handelt oder ob der Schädel zur bewussten Gehirnentnahme für die separate Beisetzung des Gehirns vorliegt, ist noch nicht klar."






















