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Zuletzt aktualisiert: 04.10.2012 um 21:39 UhrKommentare

Seit zehn Jahren am Puls der Zeit

Der Journalismus-Lehrgang an der Fachhochschule Joanneum feiert in Graz Jubiläum sein 10-jähriges Jubiläum.

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Quelle © juk02_digi121004.jpg | Foto: KLZ Digital Fischer: "Medien sind einfach spannend"

Die erste Kontaktaufnahme zu heutigen Freunden passierte weit vor Studienbeginn - auf StudiVZ, dem damals schicken Online-Netzwerk. Mittels versendeter Nachrichten: "Servus, studier ab Oktober auch Journalismus. Sturm-Fan?" Oder so in der Art, den Wortlaut kann man heute nicht mehr nachprüfen. Das soziale Netzwerk hat jegliche Relevanz verloren, der private Account ist gelöscht. Längst organisieren sich Studenten Lern- und Trinkzusammenkünfte über Facebook. Wer weiß, wie lange noch.

Wie sehen Sie die Medien in zehn Jahren?

Michael Morgenbesser (22): "Zeitungen werden sich in Richtung Magazin entwickeln und qualitativ verbessern. Sie werden schon bestehen bleiben, da es genug Ritualleser am Wochenende gibt, die das Haptische schätzen. Dennoch werden sich Tablets, Videos und soziale Medien durchsetzen, was bedeutet, dass Journalisten hier aktiver sein müssen."

Katharina Gsell (24): "Die Bedeutung von Online-Journalismus wird zunehmen, wobei OnlineVersionen in den nächsten zehn Jahren nur begrenzt gratis zugänglich sein werden. Printmedien werden seltener werden, da die Jungen mit Internet aufwachsen. Außerdem ist die Auswahl im Netz größer, wenn man über ein Gerät alle Zeitungen abrufen kann."

Angela Mader (18): "Ich glaube, dass Print-Beilagen am Wochenende weiterhin sehr gut laufen werden. Doch unter der Woche wird die Online-Version verstärkt genutzt werden. Ich denke auch, dass es zu Kooperationen von Online und Print kommen wird - auch zu internationalen, sodass Journalisten eine Meldung in verschiedenen Sprachen schreiben werden."

Andreas Eymannsberger (21): "Es wird anders. Print wird auf keinen Fall verschwinden. Im Gegenteil, ich glaube, dass durch den Trend hin zur Schnelligkeit und Kurzlebigkeit von Online ein Boom für Print entstehen kann - besonders für Wochenendausgaben und Hintergrundberichterstattung. Aber für das minütliche Update steht nur das Internet."

Katrin Nussmayr (21): "Die klassischen Medien verschmelzen miteinander und es wird keine klare Trennung zwischen Online und Print geben. Print wird weiterbestehen, aber den Fokus nicht auf Tagesaktualität legen, sondern in Richtung Magazin gehen. Ich glaube nicht, dass die Tageszeitung ausstirbt, denn viele Leute wollen sie beim Frühstück in der Hand halten."

Levin Wotke (21): "Es wird sich in Richtung Online und Social Media bewegen. Qualitätsjournalismus wird in der Umbruchphase verstärkt - noch ist ja Boulevard meinungsbildend. Da die Zeitung das langsamste Medium ist, wird sie auf längere Reportagen und Recherchen setzen. Echtzeitnachrichten bekommt man nur übers Internet."

Medien, der Versuch sie zu verstehen und die hohe Geschwindigkeit, die diesen Bereich ausmacht, prägten das Studium - und unser Leben. Zwölf Foto-Filme, ja anhand analoger Kameras lernte man auch 2007 noch Sachen wie die richtige Blendeneinstellung, sollten gleichzeitig voll werden. Vier externe Projektpartner wollten mit Kommunikationskonzepten beliefert werden. Studienzeit und Privatzeit verschmolzen, man sah sich keine Nachrichtensendungen mehr an, man "rezipierte" die ZiB 2. Und begann zu begreifen, wie Medien ticken - mit auf den Weg bekommt man ein Wissens-Rüstzeug, das es in der Steiermark in dieser Form vor diesem Studiengang nicht gegeben hat.

Der wichtige Schritt zurück, in die Realität all jener, die man etwa in Zeitungen abbildet, kann freilich schwer gelehrt werden. Er muss selbstständig erlernt werden. Die kleine, zu Beginn völlig inhomogene 25-Studenten-Gruppe ist wohl die beste Vorbereitung.

"Man ist am Puls der Zeit, interagiert mit Menschen und trägt recht bald ein hohes Maß an gesellschaftlicher Verantwortung." Sagt Heinz M. Fischer, der Studiengangsleiter von "Journalismus und Public Relations", heute. Und begründet damit den Drang vieler junger Menschen, sich für das Studium zu bewerben. Fischer: "Nach wie vor kommen auf einen Studienplatz etwa zehn Bewerber." Die Lehrinhalte haben sich in den letzten zehn Jahren verändert, die Idee externe Expertise aus der Praxis an die Fachhochschule zu lotsen ist geblieben. Die renommierten ORF-Journalisten Tarek Leitner und Gerald Groß gehören ebenso zu den Vortragenden wie Auslands-Korrespondenten internationaler Zeitungen, Unternehmenssprecher oder der deutsche Medientheoretiker Norbert Bolz.

Letzterer genießt Kultstatus bei Studienabgängern. Die sich für gewöhnlich auch noch lange nach der Studienzeit treffen. In Gasthäusern, oder Privatwohnungen. Fernab von Facebook und Geschwindigkeiten. Das Zehn-Jahres-Fest wird trotzdem ein rauschendes. Happy Birthday!

MARKUS ZOTTLER

Das Fest

Am Donnerstag und Freitag feiert der Journalismus-Lehrgang. Mit Auftritten von Charles Ritterband (Neue Zürcher Zeitung), Tarek Leitner (ORF), Johannes Bruckenberger (APA), Gerlinde Hinterleitner (standard.at) u. v. m.

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