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Zuletzt aktualisiert: 04.10.2012 um 17:18 UhrKommentare

Clemens Setz: "Würde nicht auf mein Buch wetten"

Am Montagabend wird zum achten Mal der Deutsche Buchpreis vergeben. Mit seinem Roman "Indigo" zählt der Grazer Autor Clemens Setz zu den Top-Favoriten auf die Auszeichnung.

Foto © APA

Nach 2009, als er es mit seinem zweiten Roman "Die Frequenzen" auf die Shortlist schaffte, wird der Grazer Autor Clemens J. Setz zum zweiten Mal im Frankfurter Römer sein, wenn live das Siegerkuvert geöffnet wird. "Damals war ich gar nicht besonders aufgeregt, denn mir war klar, dass ich den Preis nicht bekomme", erinnert sich Setz im Gespräch. Heuer liegen die Dinge etwas anders. Mit seinem Roman "Indigo", der im Oktober auch die ORF-Bestenliste anführt, zählt er zu den Top-Favoriten auf die Auszeichnung.

Setz wettet

Setz wettet gerne. Zum Spaß. Mit Kollegen. Auf den Nobelpreis etwa, der auch in den nächsten Tagen vergeben wird. Haruki Murakami ist da sein Top-Favorit, aber auch Cormac McCarthy oder Philip Roth ("auch wenn mir seine letzten Romane gar nicht so gefallen haben") hält er für möglich. Und den Rockpoeten Bob Dylan hält er im Sinne des Stifters, der den Preis jenem zuerkannt haben wollte, "der in der Literatur das Ausgezeichnetste in idealistischer Richtung hervorgebracht hat", schon längst für überfällig. Für den Deutschen Buchpreis hält er sich, da selbst im Rennen, mit Wetten diesmal zurück. "Wenn ich aber wetten müsste, würde ich nicht auf mein Buch wetten. Aber ich halte es nicht für unmöglich."

Seine Konkurrenten sind Wolfgang Herrndorf ("Sand"), Ursula Krechel ("Landgericht", erschienen im Salzburger Verlag Jung und Jung), Ernst Augustin ("Robinsons blaues Haus"), Stephan Thome ("Fliehkräfte") und Ulf Erdmann Ziegler ("Nichts Weißes"). Dass "Sand" bereits mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet wurde oder Jung und Jung bereits vor zwei Jahren mit Melinda Nadj Abonjis "Tauben fliegen auf" einen Überraschungssieg gelandet hatte, tue nichts zur Sache, meint Setz. Schließlich habe die Jury versichert, keinerlei strategische, sondern ausschließlich literarische Kriterien anzuwenden.

Auch Setz hat bereits den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten, im Vorjahr für seinen Erzählband "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes". Damals gab es 15.000 Euro, diesmal winken gleich 25.000 Euro. Der Deutsche Buchpreis sei angenehmerweise "beides: hoch dotiert und verkaufsfördernd", meint der Autor, der am Montag den Flieger besteigt, obwohl "ich lieber zuhause am Schreibtisch sitzen würde". Aber natürlich gebiete es schon die Höflichkeit, zu der öffentlichen Preisvergabe zu erscheinen - auch, wenn er möglicherweise leer ausgehe. "Das ist ein Luxus-Problem, ein echtes Erste-Welt-Problem. Für viele andere Kollegen sind Preise existenzielle Erfahrungen. Für mich ist es kein Unglück, wenn ich den Preis nicht bekomme."

Auch Kritiken (zuletzt nannte Spiegel-Online "Indigo" schlicht "Mumpitz") beschäftigen den 29-jährigen Autor nur peripher. Und jene Leser-Frage, die ihm derzeit naturgemäß am häufigsten gestellt wird ("Warum heißt die Hauptfigur Ihres Romans genauso wie Sie?") , beantwortet er in der Regel so: "Weil es ein guter Figurenname ist. Und weil ich an der Figur beim Schreiben immer mehr Eigenschaften von mir festgestellt habe." Welche sind das etwa? "Ich verstehe zum Beispiel im sozialen Umgang keinerlei Anspielungen. Selbst wenn man mit mir flirtet, muss man es mir erst sagen, damit ich es merke."

Clemens J. Setz sitzt längst wieder an neuen Projekten. "Ich arbeite immer an drei Dingen gleichzeitig. Das ist die perfekte Zahl." Ein sehr langer Roman, den er seit vier Jahren in Arbeit hat, ist darunter, ein kürzerer Roman und eine Sammlung essayartiger Texte. "Im Idealfall würde ich nichts anderes machen als Geschichten recherchieren, zusammenbauen und schreiben", sagt Setz. "Ich bin ein sehr einsiedlerisches Tier." Gut möglich, dass es sich am Montagabend im Scheinwerferlicht wiederfinden wird.


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