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Zuletzt aktualisiert: 23.09.2012 um 05:29 UhrKommentare

Wetter und Weltwirtschaft trüben manch Erntefreude

Steiermarkweit wird derzeit gepflückt, gelesen, geklaubt und gehäckselt. Die finanziellen Ertragsaussichten sind aber nicht nur wegen fehlender Erntemengen bewölkt.

Erntezeit in der Steiermark

Foto © Jürgen FuchsErntezeit in der Steiermark

Dem sorgenvollen Blick in den Himmel folgt bei Landwirten nicht selten das Gefühl einer gewissen Machtlosigkeit gegenüber den Naturgewalten. Zu Recht. Denn ob ausbleibende Niederschläge während der Wintermonate, überraschende Frosteinbrüche zur Blütezeit oder Hagelunwetter in der Wachstumsphase der Pflanzen: Auch die diesjährige Vegetationsperiode ließ an meteorologischen Extremata wenig aus. Mit empfindlichen Auswirkungen auf die Beete und Felder.

Die fehlende Schneedecke in Kombination mit langem Dauerfrost setzte dem Wintergetreide zu. Überraschend kalte Nächte zu Ostern und im Mai zogen viele Obstkulturen in Mitleidenschaft. Dazu zerstörten Hagelunwetter österreichweit auch 6000 Hektar Weingärten - das ist mehr als die Anbaufläche der Steiermark. Auch wenn der sonnen- und regenreiche Sommer in den meisten Regionen eine sanfte Entspannung brachte, präsentieren sich erste Erntezwischenbilanzen dennoch durchwachsen.

Die finanziellen Ertragsaussichten sind aber nicht nur wegen fehlender Erntemengen bewölkt. Der Preisdruck am Markt lässt wenig Spielraum, um fehlende Mengen durch höhere Preise auszugleichen. Hinzu kommt, dass die heimischen Bauern längst eingebettet sind in ein globales Wechselspiel aus Angebot und Nachfrage. Erntedank feiern dabei vielfach nur Spekulanten.

Obst und Gemüse

Frostschäden sorgen auch bei Marillen (minus 80 Prozent), Kirschen (minus 70 Prozent) und Zwetschken (minus 50 Prozent) für massive Ernteausfälle. Insgesamt haben 500 Betriebe für 2300 Hektar Obstbaufläche Frostschäden gemeldet. Im Unterschied dazu liegt der Gurkenabsatz um zehn Prozent über dem Vorjahr, als die Ehec-Krise für dramatische Konsumrückgänge sorgte. Auch bei Paradeisern und dem Grazer Krauthäuptelsalat ist die Nachfrage laut Erzeugerorganisation Steirisches Gemüse in diesem Jahr bereits viel höher als das Angebot - die Preise steigen.

Getreide

Im Gegensatz zu Österreichs Kornkammer im Osten, wo die Ernte mit Einbußen von bis zu 25 Prozent so schlecht war wie seit 40 Jahren nicht, "ist die Steiermark glimpflich davongekommen", heißt es bei der Landwirtschaftskammer. Ausfälle durch Hagel gab es in Hartberg und im Murtal, ansonsten lagen die Erträge im Durchschnitt. In der Steiermark werden auf 20.000 Hektar Gerste, Weizen, Roggen und Hafer angebaut.

Mais

Mit einer Anbaufläche von knapp 71.000 Hektar (das ist die Hälfte der gesamten steirischen Ackerfläche) ist Mais die mit Abstand wichtigste Anbaufrucht des Landes. Erwartet werden knapp unterdurchschnittliche Erträge von rund 12,5 Tonnen je Hektar. Jene Maisflächen, deren Ertrag als Silo an Rinder verfüttert wird, sind größtenteils abgeerntet. Hagelschäden gab es vor allem in den Regionen Murtal, Voitsberg, Hartberg, Rittscheintal und Raabtal. Die Preise sind infolge der Rekorddürre in den USA zuletzt schnell gestiegen.

Kürbis

"Menge durchschnittlich, Qualität der Kerne sehr gut", fasst Franz Labugger von der Gemeinschaft Steirisches Kürbiskernöl die gerade laufende Ernte zusammen.

Teilweise haben Hagelunwetter die Erträge schrumpfen lassen. Stark betroffen waren unter anderem die Anbaugebiete im Bezirk Hartberg und Teile Deutschlandsbergs. Unabhängig vom Wetter ging die Kürbis-Anbaufläche landesweit um 2000 Hektar auf knapp 12.000 Hektar zurück. Der Grund: Die Bauern wichen aufgrund des lukrativeren Marktpreises auf Mais aus.

Äfpel

Als "durchwachsen" bezeichnet Toni Gangl, Obmann des Bundesobstbauverbands, die Vorgeschichte der heurigen Apfelernte. Die sogenannte "Königsblüte" ist im Frühjahr vielerorts dem Frost zum Opfer gefallen. "Aber die Äpfel, die drauf sind, sind von besonders guter innerer Qualität", beruhigt Bio-Pionier Fritz Prem. Hochgerechnet ergibt das steiermarkweit ein Minus von 23 Prozent auf eine erwartete Erntemenge von 153.000 Tonnen. Preislich erwartet man Stabilität.

Wein

Nach der absoluten Rekorderntemenge von 2011 (295.000 Hektoliter) wird heuer in der Steiermark eine Durchschnittsernte von 220.000 Hektolitern erwartet. Ausgiebige Juli-Niederschläge haben die Trockenheit im Juni und August ausgeglichen. Großflächige Unwetterschäden gab es bisher heuer keine. Durch die Hitze im August haben die Trauben derzeit einen Entwicklungsvorsprung von rund drei Wochen.

ULRICH DUNST, KLAUS HÖFLER

Kommentar

ULRICH DUNSTSchwieriges ... von ULRICH DUNST

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