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Zuletzt aktualisiert: 05.09.2012 um 19:40 UhrKommentare

Noch ein zweites Opfer identifiziert

Nach sieben Jahren steht nicht nur die Identität der Autobahnleiche von Pirka fest. Die Kripo konnte auch jene Frau identifizieren, die 2008 in Völkermarkt, Kärnten, erschossen worden ist.

Umfangreiche Ermittlungen und Hartnäckigkeit: Anton Kiesl  und Alois Eberhart

Foto © BREITEGGER Umfangreiche Ermittlungen und Hartnäckigkeit: Anton Kiesl und Alois Eberhart

Am 4. Oktober 2008 wurde in Völkermarkt in Kärnten eine unbekannte Frauenleiche aufgefunden. Der Mörder hatte sein Opfer durch mehrere Schüsse getötet und danach angezündet. Schon damals führten die Spuren nach Italien. Doch erst jetzt konnte die Identität geklärt werden. Beim Opfer handelt es sich um die 1959 geborene Italienerin Anna T. Sie soll in zerrütteten Familienverhältnissen gelebt haben und nach ihrer Ermordung niemandem abgegangen sein.

Vermisst wurde auch die Ukrainerin Olha T. (23) nicht, die Anfang Jänner 2005 erschlagen, neben der A 2 in Pirka bei Graz abgelegt und angezündet wurde (wir berichteten). Wie Anna T. lebte auch Olha T. im Raum Venedig. Ob die beiden Taten zusammenhängen, steht nicht fest.

Das Bundeskriminalamt koordiniert eine Arbeitsgruppe, der Mordermittler aus der Steiermark, Kärnten, dem Burgenland, Wien und Niederösterreich angehören. Denn auch in Niederösterreich wurden im August 2007 und im Mai 2010 zwei ermordete Wiener Straßenprostituierte abgelegt und angezündet. Für einen deutschen Profiler weisen die Fälle Parallelen auf.

Im Fall der Autobahnleiche von Pirka können sich die Ermittler auch auf ein Isotopengutachten der Universität München stützen. Dieses besagt, dass die Frau das letzte halbe Jahr vor ihrem Tod in Deutschland oder einem angrenzenden Land mit starkem Durchzugsverkehr aus Deutschland gelebt hatte und enormem Stress ausgesetzt war. Sie litt an Bruxismus (unbewusstes Zähneknirschen). Es sei nicht auszuschließen, dass Olha T. verschleppt und monatelang eingesperrt war, bevor sie durch mehrere wuchtige Hiebe getötet wurde, so die Kripo. Das würde auch erklären, warum sich ihre Spur bereits Mitte 2004 verliert.

Ohr abgeschnitten

Obwohl die Mordgruppe aufwendige Ermittlungen betrieben und das Foto des rekonstruierten Gesichts, den Zahnstatus des Opfers und die Personsbeschreibung via Interpol um die halbe Welt verschickt und in den Medien veröffentlicht hatte, blieben die Hinweise auf Olha T. aus. Jetzt konnte sie durch einen Fingerabdruck identifiziert werden.

Rätselhaft ist, warum der Toten ein Ohr abgeschnitten wurde. War es ein Auftragsmord und musste der Täter dem Auftraggeber die Tat beweisen? LKA-Mordgruppenchef Anton Kiesl: "Ich bin zuversichtlich, dass wir den Mord klären, dann werden wir es wissen."

HANS BREITEGGER

Foto

Foto © BREITEGGER

Oberst Alois Eberhart (LKA) freut sich über den Erfolg Foto © BREITEGGER

Fakten

Herr Oberst, Sie sind stellvertretender Chef des Landeskriminalamtes (LKA) und mit dem Fall von Anfang an befasst. Was bedeutet die Klärung der Identität des Mordopfers für die weiteren Ermittlungen?

ALOIS EBERHART: Wir sind einen Riesenschritt weitergekommen. Endlich wissen wir, wer das Opfer ist und wo es gewohnt hat. Daraus ergeben sich neue Ermittlungsansätze, die hoffentlich zur Klärung des Verbrechens führen.

Wie geht es bei den Ermittlungen weiter? EBERHART. Es wird ein Arbeitsgespräch mit Kollegen des Bundeskriminalamtes und der italienischen Polizei geben. Dabei werden wir festlegen, wie wir weitermachen.

Wie kam es, dass die Identität des Mordopfers nach so vielen Jahren doch noch geklärt werden konnte? EBERHART: Das ist der Hartnäckigkeit unserer Mordermittler und der Beamten im Bundeskriminalamt (BK) zu verdanken. Unsere Spezialisten haben einen Aufwand betrieben, den es zuvor in Österreich bei Mordermittlungen noch nicht gegeben hat. Die Erkenntnisse daraus haben wir immer wieder ins Ausland weitergeleitet. Das BK und der Verbindungsbeamte in Rom hatten nun Erfolg.

War die unbekannte Tote ein sogenannter "Cold Case"-Fall? EBERHART: Nein, das war nie ein Cold-Case-Fall, weil wir ja nicht einmal die Identität des Opfers kannten. Es waren immer dieselben Leute mit den Ermittlungen befasst. In einem Cold- Case-Fall ermitteln nach einiger Zeit Beamte, die den Fall nicht kennen.

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