Bezirks- und Gemeindesuche
Fußfessel: "Es ist kein normales Wohnen"
Ein Leben unter permanenter Kontrolle, mit massiven Einschränkungen, "aber besser als im Häf'n". Zwei Fußfessel-Träger erzählen.

Foto © APA
Schnell einmal den Müll raustragen - geht nicht. Eine Zigarette im Garten rauchen - nicht möglich. Bei der Wohnungstür ist für Kurt H. (Name von der Redaktion geändert) seit drei Wochen Endstation. Eine Fußfessel macht für den Steirer die Welt außerhalb der eigenen vier Wände derzeit zum Sperrgebiet. Einer Rauferei in alkoholisiertem Zustand "verdankt" H. die aktuellen Einschränkungen im täglichen Leben. "Leicht ist es nicht, aber besser als im Häf'n", resümiert er über den elektronisch überwachten Hausarrest.
Auch Franz K. ist über diese liberale Form des Strafvollzugs dankbar. Neun Monate hatte er eine Fußfessel am Knöchel, seit 3. August ist das Gerät abmontiert. Ein zur Ungewohntheit mutiertes Freiheitsgefühl. Erst vor wenigen Tagen hat sich K. dabei ertappt, dass er Hose und Socken am linken Bein noch immer besonders achtsam hochzog. Früher eine schnell angelernte Vorsichtsmaßnahme, "um nicht an der Fußfessel hängen zu bleiben und einen Alarm auszulösen", schildert er seine Erfahrungen mit einem Leben unter permanenter Kontrolle.
Sie beginnt mit dem genauen Ausmessen der Wohnung durch die Justizbeamten, um den Radius auszuloten, innerhalb dessen ein freies Bewegen für den Sträfling möglich ist. Dann wird eine Feststation in der Größe eines Faxgeräts installiert, die nonstop mit der Überwachungszentrale in Wien verbunden ist. Verlässt der Fußfesselträger die erlaubte Zone, wird Alarm geschlagen. Ausnahme sind die vorher regelmäßig zu meldenden Arbeits- beziehungsweise Ausgehzeiten für persönliche Erledigungen und der rechtlich zustehende Freigang. Im Vergleich zu den Freigängen von Gefängnisinsassen sind jene von Fußfesselträgern aber deutlich kürzer. So hat K. acht Mal pro Quartal je zwölf Stunden "frei", während ihm davor als Häftling bis zu 72 Stunden zugestanden sind.
Strikte Alkoholkontrollen
Für sämtliche Täter gilt zudem striktes Alkoholverbot. Während Freigänger im Gefängnis nach ihrer Rückkehr vom externen Arbeitsplatz durch eine Schleuse mit integrierter Messstation gelotst werden, müssen Fußfessel-Träger wie K. auf jederzeit mögliche Hausbesuche und mobile Kontrollen vorbereitet sein. Oder der Alkomat ist - wie bei H. - direkt in der Feststation im Wohnzimmer integriert. Ohne Vorwarnung fordert das Gerät ihn mit einem lauten Piepsen zum Test auf. Manchmal auch mehrmals täglich. H. muss dann für eine Atemluftmessung in ein Röhrl blasen. Ein automatisch gemachtes Foto verhindert einen Missbrauch.
"Freunde sind eingeweiht"
"Es ist kein normales Wohnen", relativiert K., schätzt aber nach drei Jahren im Gefängnis - für zwei Banküberfälle - das soziale Umfeld von Familie und Freunden. "Die sind eingeweiht", sagt er. Bei H. wiederum weiß nicht einmal der Chef von der Vorgeschichte und der Fußfessel seines Mitarbeiters. Es bleibt ein Leben im goldenen Käfig.
Trotzdem schätzen es beide. Denn: "Man wird im Gefängnis durch den Kontakt mit wirklich schweren Kalibern sicher nicht zu einem besseren Menschen", weiß K., nachdem er in der Justizanstalt Graz-Jakomini Zellennachbar von Mördern war. Für Sexualstraftäter halten beide die Fußfessel aber für ungeeignet. Das Delikt wiege zu schwer, als dass es nicht mit Gefängnishaft zu bestrafen sei.
Für H. und K. selbst ist ein Rückfall jedenfalls keine Option, beide achten penibel auf ein Einhalten aller Regeln. "Ich würde zu viel verlieren", sagen sie unisono und verweisen auf heranwachsende Verantwortung: Beide werden in den kommenden Monaten Vater. KLAUS HÖFLER




















