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Zuletzt aktualisiert: 22.08.2012 um 20:10 UhrKommentare

"Aber irgendwer muss uns doch helfen"

Eine Bewohnerin eines Gemeindewohnhauses in Kapfenberg ist psychisch krank und randaliert nächtelang. Immer wieder kommt die Polizei, auch der Amtsarzt war schon da. Die Nachbarn sind am Ende, aber ein Eingreifen ist schwierig.

Die Siedlung in Kapfenberg. Am Tag ist Ruhe, in der Nacht aber beginnt die Frau zu toben

Foto © AUER Die Siedlung in Kapfenberg. Am Tag ist Ruhe, in der Nacht aber beginnt die Frau zu toben

Maria F. ist Bewohnerin eines Gemeindewohnhauses in Kapfenberg und mit den Nerven fertig, wie sie sagt. Eine Nachbarin der Kapfenbergerin ist psychisch krank und randaliert seit Wochen in der Nacht in der Wohnung. "Sie tritt immer wieder gegen die Tür", sagt Maria F. Das geht die Nächte durch, immer wieder mit Pausen. "Heute Nacht schon wieder", erzählte Maria F. Obwohl sie im dritten Stock wohne und die Nachbarin im Erdgeschoss: "Ich höre alles trotz Ohropax".

Ihre schlaflosen Nächte teilt sich F. mit den anderen Nachbarn, teilweise Familien mit Kindern. Die Kapfenbergerin: "Die Kinder fürchten sich schon." F. hat schon Unterschriften gesammelt, dass etwas unternommen wird, aber die Situation ist immer noch dieselbe. Immer wieder kommt die Polizei, auch der Amtsarzt war schon da. "Aber die hygienischen Bedingungen in der Wohnung sind in Ordnung", erzählt F. Deshalb könne keiner was tun. "Aber irgendwer muss uns doch helfen."

Ein anderer Nachbar findet die Situation ebenso unerträglich. Er muss jeden Tag um vier Uhr früh aufstehen, um in die Arbeit zu gehen. Und was tun, wenn für die Kinder die Schule jetzt wieder anfängt, fragt er sich. Fünf Kinder hat er, sagt der Bewohner. Aber er bezweifelt, dass es Hilfe geben wird, denn die ganze Sache gehe schon so lange, erzählt er.

Alles freiwillig

Man habe immer wieder mit solchen Fällen zu tun, sagt Monika Vukelic-Auer. Sie ist Abteilungsleiterin für den Bereich Bürgerbüro und Soziales der Gemeinde Kapfenberg. "Aber es ist sehr schwierig, denn wir können nicht einfach eine Einweisung machen." Solange keine akute Selbstgefährdung oder eine Gefährdung anderer vorliegt, bleibt der Weg in ein Krankenhaus für jeden Menschen ein freiwilliger.

Man versucht deshalb anders vorzugehen, um allen Beteiligten zu helfen. "Wir gehen über unsere Sozialarbeiter", erklärt Vukelic-Auer. So wird versucht, Kontakt zum Kranken zu bekommen, um ihn zum Beispiel zu einer Behandlung bewegen zu können. Oft ist es auch so, dass Betroffene zwar in Behandlung sind, aber dann die Medikamente nicht nehmen, was verheerende Folgen haben kann.

Hilfe muss gewollt sein

Mitunter, so Vukelic-Auer, bleibt kein anderer Weg übrig, als die Situation derart eskalieren zu lassen, dass eine Zwangseinweisung in ein Krankenhaus erfolgen kann, dann ist einmal Ruhe. Schwierig wird es dann, wenn die Betroffenen wieder in ihr altes Umfeld zurückkommen und erneut keine Betreuung annehmen. Möglichkeiten gebe es genug, die Frage ist nur, ob die Betroffenen davon Gebrauch machen wollen oder können. Das hängt immer von ihrer Krankheit und von ihrem Befinden ab.

Distriktsarzt, Polizei, Sozialarbeiter: Es würden alle in solchen Fällen zusammenarbeiten, so gut es geht, erklärt Vukelic-Auer. "Wir können nur gemeinsam versuchen, dass die Leute Hilfe annehmen." Derartige Situationen seien für die Nachbarn arg, aber auch für die erkrankte Person.

Was die Situation von Maria F. und ihrer Nachbarn betrifft, so bietet Vukelic-Auer an, einmal im Stadtamt vorbeizuschauen, um die Situation zu besprechen. Vielleicht können Möglichkeiten gefunden werden, die helfen.

MICHAELA AUER

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